Eine von der SPD vorgeschlagene fünfjährige Übergangsfrist für die Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren könnte laut Instituten zum vorzeitigen Ausscheiden von bis zu 2,5 Millionen Arbeitskräften führen. Das IW und das IAB sehen darin Risiken für den Arbeitsmarkt und das Wirtschaftswachstum.
IW: Zwei Millionen weniger Arbeitskräfte
Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) berechnet, dass durch die Übergangsfrist weitere rund zwei Millionen Arbeits- und Fachkräfte frühzeitig in Rente gehen würden. Das "Handelsblatt" darüber.
Stefanie Seele, Arbeitsmarktexpertin am IW, erklärt: „In den kommenden fünf Jahren – von 2027 bis 2031 – erreichen fünf besonders geburtenstarke Jahrgänge die Altersgrenze für besonders langjährig Versicherte“ Schätzungsweise 1,8 Millionen Personen dieser Jahrgänge wären von der Übergangsregelung begünstigt. Grundlage ihrer Schätzung ist das Jahr 2025, als 27 Prozent des Jahrgangs 1958 abschlagsfrei früher in Rente gingen. Viele gut qualifizierte Arbeitskräfte würden so den Arbeitsmarkt verlassen, was das Wirtschaftswachstum hemme.
IAB-Chef für Reform ohne Übergangsfrist
Bernd Fitzenberger, Direktor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), äußerte sich ähnlich: „Eine fünfjährige Übergangsfrist ist politisch verständlich, wäre aber angesichts der starken Altersjahrgänge, die in den nächsten Jahren den Arbeitsmarkt verlassen, sehr problematisch.“
Er befürchtet, dass 1,5 bis 2,5 Millionen Beschäftigte dem Arbeitsmarkt vorzeitig verloren gehen. Diese würden zwischen zwei und drei Jahren früher in Rente gehen und vermutlich seltener weiterarbeiten. Fitzenberger plädiert daher für eine Rentenreform ohne jede Übergangsfrist bei der "Rente mit 63", behält aber die abschlagsfreie Frührente für Personen mit mindestens 42 Beitragsjahren vor. Das würde die Zahl der Berechtigten drastisch verkleinern.