Die Autorin Anne Rabe sieht Deutschland nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt in einer großen politischen Krise. Sie kritisiert die Verharmlosung von Rechtsextremismus und erinnert an dessen kontinuierliche Gewaltgeschichte.
Rechtsextremismus als kontinuierliche Bedrohung
Rechtsextremismus sei die Form von Terrorismus und Gewalt, die in der Geschichte der Bundesrepublik immer präsent gewesen sei, sagte Rabe. Als Beispiel nannte sie die NSU-Morde. Das Selbstbild Deutschlands als antifaschistisch und Erinnerungsweltmeister verstelle den Blick darauf, wie viele Tote und Verletzte rechtsextreme Gewalt verursache.
Dies sei eine Krise "für die Bundesrepublik, so wie sie sich verstanden hat", sagte Rabe dem "Interview der Woche" der ARD.
Engagement im Osten trotz Bedrohungen
Rabe berichtete von Bürgerinitiativen im Osten, etwa in Görlitz, die sich seit Langem mit Rechtsextremismus auseinandersetzen. Diese Menschen erlebten Bedrohungen im Alltag und fürchteten Kürzungen, die zum Verlust ihrer Räume und Schutzorte führen könnten – besonders in Sachsen-Anhalt, wo die AfD Vereine gezielt ins Visier nehme.
Trotz weltweiter politischer Entwicklungen, die wenig Grund für Zuversicht böten, imponiere ihr die laute und vielfältige Zivilgesellschaft im ländlichen Ostdeutschland. Diese lasse sich nicht entmutigen und sei ein wesentlicher Unterschied zu den 90er und Nuller Jahren.