Nach Hantavirus-Ausbruch auf der ‚Hondius‘ werden Passagiere evakuiert. Die Lage bleibt angespannt.
Nach dem Ausbruch des Hantavirus auf dem Kreuzfahrtschiff ‚Hondius‘ hat die Evakuierung der Passagiere begonnen. Das Schiff erreichte am Sonntagmorgen den Hafen von Granadilla auf Teneriffa, wo die Passagiere in kleinen Gruppen von Bord gebracht werden. Die ersten Spanier unter den Passagieren wurden bereits in ihre Heimat ausgeflogen. Die Evakuierung soll bis Montagnachmittag abgeschlossen sein, wie der Betreiber Oceanwide mitteilte. Die Passagiere dürfen nur leichtes Handgepäck mitnehmen, während das restliche Gepäck an Bord bleibt und später in den Niederlanden desinfiziert wird. Die ‚Hondius‘ wird nach der Evakuierung mit einem Teil der Crew ihre Fahrt in Richtung Niederlande fortsetzen, wo das Schiff desinfiziert werden soll. Die Leiche einer an Bord verstorbenen Deutschen soll ebenfalls in den Niederlanden vom Schiff gebracht werden. Die Passagiere und Crewmitglieder tragen während der Evakuierung FFP2-Schutzmasken, um das Risiko einer weiteren Verbreitung des Virus zu minimieren. Wie die ARD-Korrespondentin Julia Macher berichtet, befanden sich bei der Ankunft im Hafen von Granadilla noch 86 Gäste an Bord der ‚Hondius‘, hinzu kommt die Crew des Schiffes.
Sechs Hantavirus-Fälle auf Kreuzfahrt
Ein Teil der Reisenden hatte die ‚Hondius‘ bereits während eines Zwischenstopps an der Insel St. Helena verlassen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht von sechs bestätigten Hantavirus-Fällen und zwei Verdachtsfällen im Zusammenhang mit der Kreuzfahrt. Drei der Betroffenen starben mutmaßlich infolge der Ansteckung. Bei den Toten handelt es sich um ein älteres Ehepaar aus den Niederlanden und eine Frau aus Deutschland. Die WHO vermutet, dass die Infektionskette von dem niederländischen Ehepaar ausging, das sich vor der Einschiffung in Argentinien noch an Land angesteckt haben könnte. Die Gesundheitsbehörden schätzen das Risiko einer weiteren Verbreitung des Hantavirus als gering ein. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus betonte, dass es sich nicht um einen mit dem Coronavirus vergleichbaren Erreger handele.
Hantavirus nicht mit Covid vergleichbar
‚Das ist nicht ein neues Covid‘, sagte er. Zumal auf dem Kreuzfahrtschiff kein neuer Verdachtsfall aufgetreten sei. Allerdings werden alle Passagiere und Crewmitglieder nach Ankunft in ihren Heimatländern wohl in Quarantäne müssen, da eine Entwarnung wegen der langen Inkubationszeit erst nach Wochen möglich ist. Bis dahin gelten die Passagiere als ‚Hochrisikokontakte‘. Auch die EU-Gesundheitsbehörde ECDC führt an, dass der bei den infizierten Personen nachgewiesene Andes-Typ des Hantavirus nicht leicht übertragbar sei. Auch wenn dieser Typus der einzige des Virus ist, der auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Doch laut ECDC sei es ‚unwahrscheinlich, dass es zu vielen Infektionsfällen oder einem großflächigen Ausbruch in der Bevölkerung‘ kommt. Das Risiko für die Allgemeinbevölkerung in der EU durch eine Ausbreitung sei ’sehr gering‘. Deutschland, Frankreich, Belgien, Irland und die Niederlande schicken Flugzeuge nach Spanien zur Evakuierung ihrer Staatsangehörigen von dem Kreuzfahrtschiff.
EU organisiert Evakuierung von Kreuzfahrtpassagieren
Die Europäische Union entsendet zudem zwei weitere Maschinen für die übrigen EU-Bürger. Für Passagiere aus Nicht-EU-Staaten, deren Heimatländer keine eigenen Flüge organisieren könnten, bereiteten die USA und Großbritannien Notfallpläne und Transportmöglichkeiten vor. Großbritannien will seine Staatsbürger zunächst in ein während der Corona-Pandemie als Quarantäne-Einrichtung genutztes Krankenhaus nahe Liverpool bringen. In Deutschland empfiehlt das Robert-Koch-Institut (RKI) sechs Wochen Quarantäne für Kontaktpersonen ohne Symptome, dies könne auch zu Hause geschehen. Der Virologe Hendrik Streeck sieht keine Gefahr einer Pandemie durch den Hantavirus-Ausbruch. ‚Da wird keine zweite Pandemie ausbrechen‘, sagte Streeck. Der Ausbruch sei in einem begrenzten Umfeld erkannt worden, in dem Kontakte besser nachvollzogen werden können als in einer offenen Bevölkerung. Entscheidend sei nun, Betroffene schnell zu identifizieren, Symptome zu überwachen, Kontaktpersonen nachzuverfolgen und mögliche Übertragungswege sauber aufzuklären.
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