Die Stimmung im deutschen Handwerk hat sich im zweiten Quartal 2026 weiter verschlechtert. Während andere Wirtschaftszweige eine Erholung verzeichnen, kämpfen die Betriebe mit schwacher Nachfrage und hohen Kosten.
Geschäftsklima bricht um 13 Punkte ein
Der Geschäftsklimaindex für das Handwerk sank im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 13 Zähler auf 102 Punkte. Ein so starker Rückgang in einem zweiten Quartal wurde zuletzt im Corona-Jahr 2020 verzeichnet.
ZDH-Präsident Jörg Dittrich sagte der FAZ: „Das steht sinnbildlich für eine insgesamt besorgniserregende Lage im Handwerk“. Besonders besorgniserregend sei die abgeschwächte Investitionstätigkeit. Für manche Betriebe rechneten sich Investitionen unter den aktuellen Rahmenbedingungen nicht, andere seien wegen der großen Unsicherheit zurückhaltend.
Investitionen und Nachfrage brechen ein
Nur 16 Prozent der Handwerksbetriebe steigerten im zweiten Quartal ihre Investitionen, während ein Drittel einen Rückgang meldete. Auch die meisten anderen Stimmungsindikatoren entwickelten sich negativ, alle Branchen und Gewerke sind betroffen.
Laut ZDH belasten vor allem Preissteigerungen bei Energie und Material die Betriebe. Zudem sei die Nachfrage nach handwerklichen Vorleistungen aus der Industrie zurückhaltend, der Aufschwung am Bau lasse auf sich warten und die private Nachfrage leide unter der schwachen Arbeitsmarktentwicklung.
Ifo-Index zeigt Erholung – Handwerk profitiert nicht
Der am Dienstag veröffentlichte Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im August den vierten Monat in Folge um 2,1 Punkte auf 88,8 Punkte. Er liegt damit wieder über dem Niveau vor Ausbruch des Iran-Kriegs Ende Februar 2026. Ifo-Chef Clemens Fuest sagte: „Trotz des erneuten Energiepreisanstiegs erholt sich die deutsche Wirtschaft“.
Das Handwerk spürt von dieser Erholung jedoch nichts. Sowohl die Bewertung der Geschäftslage als auch die Erwartungen gingen im Vergleich zum zweiten Quartal 2025 deutlich zurück. Für das zweite Halbjahr 2026 rechnen die Betriebe mit einer weiteren Konjunktureintrübung. Der ZDH fordert die Bundesregierung auf, die offenen Reformvorhaben zügig umzusetzen.