Wohngeld und Bürgerdienste betroffen – Senatsverwaltungen weiter lahmgelegt
Seit Freitag kämpft die Berliner Verwaltung mit den Folgen eines Hackerangriffs auf das Landesnetz. Betroffen sind vor allem die Senatsverwaltungen für Bauen und Stadtentwicklung sowie für Mobilität und Klimaschutz, die weiterhin vom Netz getrennt bleiben. Wie der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) am Mittwoch mitteilte, werde es noch „einige Tage“ dauern, bis die Behörden wieder voll arbeitsfähig sind. Nach aktuellem Stand seien keine sensiblen Daten abgeflossen, wie sowohl Wegner als auch der Landesbevollmächtigte für Informationssicherheit, Olaf Kroll-Peters, betonten. Allerdings räumte Kroll-Peters im Gespräch mit dem rbb ein, dass unklar sei, wie lange der Angreifer bereits im System war. Möglicherweise habe er bereits Tage vor der Entdeckung am Freitag Zugriff gehabt. Ein externer US-amerikanischer Dienstleister unterstützt die Ermittlungen, wie der Tagesspiegel und rbb24 berichten.
Wohngeldzahlungen in Berlin verzögern sich massiv
Die Folgen des Angriffs sind für Bürger und Verwaltung spürbar. Zahlreiche Bürgerdienste wie die Bearbeitung von Wohnberechtigungsscheinen oder Anträgen für Baustellen und Straßensperrungen liegen still. Besonders kritisch ist die Verzögerung bei der Auszahlung von Wohngeld, das mehr als 50.000 Haushalte in Berlin erhalten. Auch die Leistung „Bildung und Teilhabe“ für Kinder und Jugendliche ist betroffen. Die Linke und die SPD fordern bereits alternative Lösungen, um die Zahlungen zu sichern. Linke-Fraktionschef Tobias Schulze verlangte eine „Bypass-Lösung“, während SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach die Vermieter zu Kulanz aufforderte. Wegner ging auf diese Forderungen bisher nicht ein, wie der Tagesspiegel berichtet.
Berlin-Wahl im September trotz Cyberangriff sicher
Die Senatskanzlei hatte am Montag mitgeteilt, dass der Angriff bereits am Freitag entdeckt wurde. Aufgrund der laufenden Sicherheitsanalysen, die viel Netzleistung beanspruchen, waren zeitweise auch andere Dienste wie das Online-Portal für Wahlunterlagen nicht erreichbar. Innensenatorin Iris Spranger (SPD) betonte jedoch, dass die Durchführung der Berlin-Wahl im September nicht gefährdet sei. Die Systeme für die Wahlvorbereitung und -auswertung seien nicht betroffen, und die digitale Beantragung von Wahlscheinen funktioniere wieder.
Berliner Verwaltung mit maroder IT-Sicherheit
IT-Experte Manuel Atug kritisierte im rbb die mangelhafte Cybersicherheit der Berliner Verwaltung. Berlin sei „sehr schlecht aufgestellt“, und frühere Warnungen seien ignoriert worden. Auch die Süddeutsche Zeitung berichtet von langjährigen Problemen im IT-Bereich, die mit politischen und finanziellen Schwierigkeiten des landeseigenen IT-Dienstleistungszentrums (ITDZ) zusammenhängen. Das ITDZ, das das Landesnetz betreibt, steht seit Jahren in der Kritik, unter anderem wegen unbezahltem Rechnungen und Vorwürfen gegen die Leitung.
Krisenstab kämpft gegen Folgen des Cyberangriffs
Während die Ursachenforschung noch aussteht, arbeitet ein Krisenstab unter Leitung von Kroll-Peters mit Hochdruck an der Lösung der Probleme. Wegner betonte, dass der Angriff ernst sei, aber durch frühzeitiges Eingreifen Schlimmeres verhindert wurde. Die betroffenen Verwaltungen können derzeit weder E-Mails versenden noch auf Fachanwendungen zugreifen. Einige Mitarbeiter wurden vorläufig ins Rote Rathaus verlegt, wie der Tagesspiegel berichtet.