Im Osnabrücker Land sollen künftig neue Agrartechnologien entwickelt und erprobt werden. Der Landkreis Osnabrück und die Gemeinde Wallenhorst haben dafür den Startschuss für das „FieldLab Osnabrücker Land“ gegeben.
Wallenhorst gibt grünes Licht
In Wallenhorst entsteht ein neues Anwendungszentrum für Agrar- und Landmaschinentechnik. Mit einem positiven Ratsbeschluss hat die Gemeinde nun grünes Licht für das „FieldLab Osnabrücker Land“ gegeben. Auf einer acht Hektar großen Versuchsfläche im Gewerbegebiet an der Penter Straße sollen künftig smarte digitale Technologien für die Landwirtschaft getestet werden. Zur Verfügung gestellt wird die Fläche durch die oleg Osnabrücker Land-Entwicklungsgesellschaft mbH. Die oleg ist eine Schwestergesellschaft der Wirtschaftsförderungsgesellschaft WIGOS, die den Prozess federführend vorantreibt.
Autonome Maschinen und KI im Fokus
Im Mittelpunkt der ersten Forschungsvorhaben stehen unter anderem autonome Landmaschinen, Sensortechnik, KI-gestützte Datenverarbeitung und digital vernetzte Agrarsysteme. Ziel ist eine ressourcenschonende und widerstandsfähige Landwirtschaft. Sie soll besser auf die Folgen des Klimawandels, den Fachkräftemangel und steigende Anforderungen an Nachhaltigkeit vorbereitet sein. Mit dem „FieldLab Osnabrücker Land“ soll zugleich die Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Osnabrücker Land gestärkt werden.
Wichtiger Schritt für das Osnabrücker Land
Landrätin Anna Kebschull betont die Bedeutung des Projekts für die Region. Das Osnabrücker Land liege im Zentrum einer der am intensivsten bewirtschafteten Agrarregionen Deutschlands. Gleichzeitig stehe die Landwirtschaft vor großen Herausforderungen. „Die notwendigen tiefgreifenden Veränderungen hin zu einer nachhaltigen und zukunftsfähigen Landwirtschaft hängen entscheidend von der Erforschung und Entwicklung neuer KI-basierter Agrartechnologien ab. Das ,FieldLab Osnabrücker Land‘ ist ein starkes Signal für Innovation, Zusammenarbeit und die Zukunftsfähigkeit unseres Standortes“, so Kebschull. Gemeinsam mit Wallenhorsts Bürgermeister Otto Steinkamp dankte sie allen Beteiligten für den ersten wichtigen Schritt.
Wallenhorst sieht großes Potenzial
Auch Bürgermeister Steinkamp begrüßt das Vorhaben. „Wir freuen uns sehr, dass wir der oleg und ihren Partnern die passenden Rahmenbedingungen zur Verfügung stellen können und dieses innovative Projekt mit großem Entwicklungspotenzial begleiten dürfen“, sagte Steinkamp.
WIGOS-Geschäftsführer Peter Vahrenkamp sieht in der Region ideale Voraussetzungen für das neue FieldLab. Im Landkreis Osnabrück gebe es ein starkes Netzwerk aus Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Initiativen. „Hier entsteht eine zentrale Entwicklungs- und Versuchsinfrastruktur, um Innovationen restriktionsarm aus öffentlicher Hand zu erproben“, so Vahrenkamp. Besonders das Agrotech Valley Forum verfüge über international anerkanntes Know-how in der Agrartechnik.
Knotenpunkt für Forschung und Wirtschaft
Das Konzept des „FieldLabs“ reagiert auf einen Bedarf, der seit Jahren spürbar ist. Viele Forschungs- und Entwicklungsprojekte im Agrarbereich sind bislang auf verschiedene, oft nur lose vernetzte Standorte verteilt. Das erschwert die enge Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft. Mit dem „FieldLab Osnabrücker Land“ soll nun ein Knotenpunkt entstehen, an dem Testinfrastrukturen wie Versuchsstrecken, Testfelder, Labore und Werkstätten zusammengeführt werden.
Eingebettet ist das Vorhaben in die Rahmenbedingungen eines Gewerbegebietes. Dadurch sollen Forschung, Entwicklung und praktische Erprobung besser miteinander verbunden werden.
KI-Reallabor Agrar nutzt erste Flächen
Zunächst sollen Teile des Areals vom Forschungsprojekt „KI-Reallabor Agrar“ genutzt werden. Das Projekt wird vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur und der VolkswagenStiftung im Programm „zukunft.niedersachsen“ mit rund 18,9 Millionen Euro gefördert.
Unter der Konsortialführung der Universität Osnabrück sind mehrere Partner beteiligt. Dazu gehören die Hochschule Osnabrück, das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, das Agrotech Valley Forum, die Technische Universität Braunschweig, das Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie, das Johann Heinrich von Thünen-Institut sowie das Netzwerk Ackerbau Niedersachsen. Das Vorhaben läuft bis Ende 2030.
Versuchstechnik direkt im Feld
Für Prof. Dr. Tim Römer, der das KI-Reallabor Agrar an der Universität Osnabrück leitet, bietet die Fläche optimale Bedingungen. „Die Fläche bietet unserem Projekt optimale Bedingungen, zeit- und praxisnah unsere Ideen ins Feld zu bringen und dabei weitgehend frei von wirtschaftlichen und anderen Zwängen klassischer Versuchsbetriebe zu agieren“, sagte Römer.
Auf dem Gelände seien auch temporäre Versuchsbauten und feste Installationen von Versuchstechnik möglich. Dazu zählen etwa Bodensensoren oder Kamerasysteme. Technologien könnten dort erprobt werden, ohne Folgen für den regulären Betrieb einer landwirtschaftlichen Fläche zu haben.
Auch Unternehmen und Startups sollen mitmachen
Das KI-Reallabor Agrar soll nicht der einzige Nutzer bleiben. Bereits jetzt zeichnen sich weitere Forschungsprojekte ab, die das „FieldLab Osnabrücker Land“ nutzen möchten. In den kommenden Monaten sollen zudem Unternehmen und Startups für die Fläche und die entstehende Infrastruktur gewonnen werden. Dafür soll ein tragfähiges Betriebsmodell entwickelt werden. Langfristig soll sich das „FieldLab“ als Forschungscampus und Demonstrationsstandort etablieren. Es soll fester Bestandteil der regionalen Innovationslandschaft werden, bestehende Infrastruktur sinnvoll ergänzen und Lücken schließen.
Kommentare zu diesem Artikel:
Mehr Nachrichten aus der Region?
➡️ Alle aktuellen Artikel zu Wallenhorst (Zentrum) finden Sie hier.
