Rettungskräfte suchen nach Vermissten nach Fährunfall vor Nordzypern.
Vor der Küste Nordzyperns ist eine Passagierfähre gekentert. Mindestens sieben Menschen kamen dabei ums Leben, wie die türkische Nachrichtenagentur Anadolu und der Sender CNN Türk berichten. An Bord befanden sich nach offiziellen Angaben 267 Personen, darunter 259 Passagiere und acht Besatzungsmitglieder. Die Fähre war kurz nach dem Auslaufen aus der Hafenstadt Kyrenia (türkisch: Girne) in Seenot geraten, nachdem Wasser in das Schiff eingedrungen war. Ein Notruf wurde etwa vier Seemeilen vor der Küste abgesetzt, wie der nordzyprische Verkehrsminister Erhan Arikli mitteilte. Einige Medien berichten jedoch von nur zwei Kilometern Entfernung zur Küste.
172 Gerettete nach Kentern im Mittelmeer
Rettungskräfte haben nach Angaben des nordzyprischen Regierungschefs Ünal Üstel bereits 172 Menschen in Sicherheit gebracht. Der türkisch-zyprische Präsident Tufan Erhürman sprach gegenüber CNN Türk von 237 Geretteten und 23 noch vermissten Personen. Die Einsatzkräfte versuchen, zu den Vermissten vorzudringen, die sich möglicherweise noch in dem gekenterten Katamaran befinden. Bilder zeigen Menschen in Rettungswesten, die sich an das Schiffswrack klammern oder auf dem Rumpf des gekenterten Bootes ausharren.
Überlebende berichten von chaotischen Szenen an Bord
Überlebende berichten von chaotischen Szenen an Bord. Mehrere türkisch-zyprische Medien, darunter „Diken“ und „Turkiyegazetesi“, zitieren Passagiere, die behaupten, die Besatzung habe Warnungen ignoriert, als Wasser eindrang und ungewöhnliche Geräusche zu hören waren. Einige Überlebende sagten, sie hätten die Besatzung aufgefordert, umzukehren, doch diese habe nicht reagiert. Die Aussagen lassen sich jedoch zunächst nicht unabhängig überprüfen. Der Kapitän soll laut CNN Türk versucht haben, das Schiff umzudrehen, bevor es kenterte.
Fähre auf Route nach Mersin gesunken
Die Fähre war auf dem Weg ins südtürkische Mersin. Warum Wasser in das Schiff eindringen konnte, ist noch unklar. Die türkische Küstenwache unterstützt die Rettungsaktion, wie der türkische Vizepräsident Cevdet Yilmaz auf X mitteilte. Der zyprische Regierungssprecher Konstantinos Letybiotis äußerte auf der Plattform X sein Beileid für die Opfer und deren Angehörige. Auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sprach den Betroffenen sein Mitgefühl aus.
Zypern seit 1974 geteilt und umstritten
Zypern ist seit 1974 de facto geteilt, nachdem eine türkische Militärintervention auf einen Putsch nationalistischer griechischer Zyprer folgte. 1983 proklamierte der türkisch-zyprische Nordteil die Unabhängigkeit als Türkische Republik Nordzypern, die jedoch nur von der Türkei anerkannt wird. Die griechischsprachige Republik Zypern im Süden ist seit 2004 EU-Mitglied.