Bodo Ramelow (Linke) lehnt die Warnung des Zentralrats der Juden vor einer linken Regierenden Bürgermeisterin in Berlin ab. Gleichzeitig fordert er SPD und Grüne auf, mit der Linken über eine Regierungsbildung zu verhandeln. Josef Schuster hatte zuvor vor einer Normalisierung des Judenhasses gewarnt.
Ramelow kritisiert Zentralrat und lobt Eralp
Bundestagsvizepräsident Bodo Ramelow (Linke) zeigt "Ich habe null Verständnis für eine derartige Erklärung" für die aktuelle Erklärung des Zentralratspräsidenten Josef Schuster. Dies sagte er den Zeitungen des "Redaktionsnetzwerks Deutschland" (Montagsausgaben).
Die Berliner Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp sei mit „ausgestreckter Hand“ auf die jüdische Landesgemeinde zugegangen, betonte Ramelow. Zudem habe sie „klaren Fünf-Punkte-Plan gegen Antisemitismus in Berlin vorgelegt“. Der Zentralrat habe jedoch „offenkundig kein Interesse an einem gedeihlichen Klima in Berlin, wo man einen Davidstern genauso tragen können muss wie ein Kopftuch. Damit leitet er letztlich nur Wasser auf die Mühlen derer, die sich in Neukölln kritikwürdig verhalten und geäußert haben“, so der Politiker.
Appell an SPD und Grüne
Ramelow appellierte an SPD und Grüne, mit der Linken Gespräche über eine Regierungsbildung in Berlin aufzunehmen. "Elif Eralp hat ein Gespür für diese Stadt. Ich empfinde sie als Glücksfall. Von SPD und Grünen erwarte ich jetzt, dass sie sich gemeinsam mit der Linken hinsetzen, damit aus diesem Wahlsonntag ein Aufbruchssignal wird. Was wir in Berlin brauchen, ist eine Überwindung der Abgrenzung".
Josef Schuster hatte zuvor angesichts "antisemitischer Grenzüberschreitungen" der Linken erklärt: "Ich appelliere an SPD und Grüne, dieser Partei nicht ins Rote Rathaus zu verhelfen. Vor der Wahl gezogene rote Linien nun leichtfertig zu überschreiten, wäre ein schwerer Fehler, mit dem der fortschreitenden Normalisierung des Judenhasses weiter Vorschub geleistet würde." Er bezog sich dabei auf antisemitische Äußerungen bei einer Kundgebung der Linken in Neukölln.