IEA-Chef warnt vor Kerosinengpässen in Europa und möglichen Flugausfällen.
Die Versorgung Europas mit Kerosin steht vor einer kritischen Phase. Wie die Berliner Zeitung berichtet, warnt der Chef der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, vor einem möglichen Kerosinmangel, der zu massiven Flugausfällen führen könnte. Europa verfüge nur noch über einen Vorrat von etwa sechs Wochen. Die Blockade der Straße von Hormus durch den Iran-Krieg verschärft die Situation zusätzlich. Die EU arbeitet derzeit an einem Notfallplan, um die Raffineriekapazitäten voll auszuschöpfen und die Treibstoffversorgung zu sichern. Die Lufthansa hat bereits reagiert und das Flugangebot ihrer Regionaltochter Cityline mit sofortiger Wirkung eingestellt.
Lufthansa stellt Flugzeuge wegen Kerosinpreise still
Ab Samstag sollen zunächst 27 ältere Maschinen am Boden bleiben. Finanzvorstand Till Streichert erklärte, die aktuelle Krise zwinge das Unternehmen, eine ohnehin geplante Maßnahme vorzuziehen. Als Gründe nannte Lufthansa neben Streiks vor allem die deutlich gestiegenen Kerosinpreise. Der europäische Flughafenverband ACI Europe warnte die EU-Kommission bereits in der vergangenen Woche vor einem drohenden Kerosinmangel. Sollte die Straße von Hormus nicht bis Ende April wieder ausreichend geöffnet werden, drohe laut einem Schreiben an EU-Verkehrskommissar Apostolos Tzitzikostas eine flächendeckende Versorgungskrise in der EU. Die EU-Kommission arbeitet laut einem Entwurf, der der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt, an konkreten Gegenmaßnahmen.
EU plant Erfassung aller Raffineriekapazitäten
Ab dem kommenden Monat soll eine EU-weite Erfassung der Raffineriekapazitäten für Ölprodukte eingeführt werden. Ziel sei es sicherzustellen, dass bestehende Raffineriekapazitäten vollständig genutzt und aufrechterhalten werden. Die Veröffentlichung der Pläne ist für den 22. April vorgesehen. Die Kommission wollte den Entwurf vorab nicht kommentieren. Europa ist bei Kerosin stärker auf Importe angewiesen als bei jedem anderen Transporttreibstoff.
Europa abhängig von Kerosin-Lieferungen aus Nahost
Rund 75 Prozent des Flugkraftstoffs stammen aus dem Nahen Osten. Die OECD-Region Europa, zu der neben EU-Staaten auch Großbritannien und Norwegen gehören, importiert laut IEA-Daten mehr als 30 Prozent ihres Kerosins, wobei der Großteil durch die Straße von Hormus transportiert wird. Die IEA prognostiziert Kerosinengpässe bis Juni, falls die Region nur die Hälfte der üblichen Lieferungen aus dem Nahen Osten ersetzen kann. Zusätzliche Importe aus Afrika und den USA könnten den Ausfall voraussichtlich nicht vollständig kompensieren, so Analysten laut AP. Viele Flughäfen und die Konsortien, die sie mit Treibstoff versorgen, halten demnach keine großen Langzeitvorräte.
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