Helmut Frister, Vorsitzender des Deutschen Ethikrats, wirft der Gesellschaft einen widersprüchlichen Umgang mit Fortpflanzungsmedizin vor. Besonders problematisch sei die verbotene Eizellspende, die viele Frauen ins Ausland treibe.
Eizellspende als größeres Problem
Die Leihmutterschaft sei eher das kleinere Problem, sagte Frister der "Rheinischen Post". Größer sei die Eizellspende, die in Deutschland verboten ist. Viele Frauen reisten deshalb nach Spanien, Tschechien oder Österreich. Die deutsche Gesellschaft sei offenbar froh, dass diese Möglichkeit im Ausland bestehe, ohne sie hierzulande zu erlauben.
Mit Blick auf frühere Diskussionen über Frauke Brosius-Gersdorf und Schwangerschaftsabbrüche sowie über CDU-Politiker Jens Spahn und die Leihmutterschaft betonte Frister: „Diese Themen berühren die sittlichen Moralvorstellungen der Menschen. Deshalb werden sie besonders emotional diskutiert.“
"Ein spezifisch deutsches Phänomen ist das nicht. Typisch deutsch ist eher, dass wir aus solchen Fragen schnell Prinzipienfragen machen und diese Prinzipien dann konsequent durchziehen wollen."
"Ethische Fragen sollten offen diskutiert werden, damit sich eine gesellschaftliche Auseinandersetzung entwickelt, die später politische Veränderungen ermöglichen kann." Entscheidend sei, wie eine solche Debatte geführt werde: Wenn Gegenargumente ausgeblendet und Abwägungen vermieden würden, führe das eher zur Polarisierung als zu Verständigung.