Ein Mann will nicht hinnehmen, dass Täter, die hier nicht sein dürften*, vergewaltigen und morden und die Justiz aus seiner Sicht versagt. Er greift zur Waffe und wird zum Rächer – eine Fiktion und die Handlung eines aktuell kontrovers diskutierten Films, den deutsche Bürger nicht sehen sollen.
Im realen Leben – und das ist keine Fiktion mehr – verweigert eine geheim tagende Organisation eine Einstufung, die durchaus auch „FSK 18“ lauten könnte, und zensiert den Film dadurch faktisch. „Politisch motivierte Zensur“ nennt es der Regisseur.
Ein Kommentar von Heiko Pohlmann
Uwe Bolls neuer Film Citizen Vigilante hat von der FSK auch im zweiten Anlauf keine Freigabe bekommen – nicht einmal ab 18. Sechs zu zwei haben die Prüfer entschieden – hinter verschlossenen Türen und ohne, dass diejenigen bekannt sind, die diese Entscheidungen getroffen haben. Unter den Entscheidern sind Vertreter von Kirchen und Behörden, Jugendschützer sowie zwei Vertreter der Filmwirtschaft – vielleicht die beiden Stimmen, die sich gegen die Verweigerung der FSK-Freigabe ausgesprochen haben? Ohne eine FSK-Freigabe wird der Film regulär weder in deutschen Kinos gezeigt noch im stationären Handel erhältlich sein.
Dafür musste er nicht einmal auf den Index gesetzt werden, wie man es noch in den 1970er Jahren mit dem inzwischen zum Filmklassiker gereiften „Ein Mann sieht rot“ gemacht hatte. Auch in diesem Film nimmt ein Mann die Justiz in die eigenen Hände und stellt die Täter buchstäblich an die Wand. Aus Sicht der Jugendschützer damals wie heute das falsche Narrativ. Böse Mafiosi, fiese Russen, Cowboys oder Indianer dürfen hingegen seit Jahrzehnten ohne Prozess auf der Leinwand sterben – nicht aber Gruppenvergewaltiger, schon gar nicht, wenn die fiktiven Täter einen migrantischen Hintergrund haben. Zu nahe an der Realität für den Kinobesucher?
Das, was nun passiert, nennt man Streisand-Effekt – benannt nach Barbra Streisand, die durch ihren Versuch, ein Foto von ihrem Haus löschen zu lassen, erst dafür sorgte, dass Millionen es sahen. Je verbissener man etwas unterdrücken will, desto größer wird das Interesse. Genau das passiert gerade in den sozialen Medien – ein Erfolg für den Filmschaffenden, dessen Werk inzwischen auf zahlreichen Streamingdiensten innerhalb nur einer Woche für Einnahmen von über 60 Millionen Euro gesorgt hat; darunter dürften sich auch zahlreiche Zuschauer aus Deutschland befinden, denn über ein VPN-Netzwerk ist der Abruf aus dem Ausland kein Problem. Was verboten wird, erzeugt Aufmerksamkeit – selbst dann, wenn inzwischen zahlreiche Kritiken die holzschnittartigen Dialoge, den an sich unsympathischen Hauptdarsteller und handwerkliche Schwächen des Films hervorheben.
Jugendschutz ist wichtig – dafür wäre eine Freigabe ab 18 Jahren genau das richtige Mittel gewesen. Mit der Verweigerung einer FSK-Freigabe findet rein juristisch zwar keine Zensur statt, faktisch macht sie es Kinobetreibern und DVD-Händlern jedoch unmöglich, den Film rechtssicher zu zeigen oder zu verkaufen.
Erwachsenen Bürgern vorzuschreiben, welche Geschichten sie anschauen dürfen, funktioniert in Zeiten des Internets ohnehin nicht. Wer nicht erträgt, dass Kritik an der Migrationspolitik fiktional und drastisch verarbeitet wird, hat ein Problem. Nicht der Film – und nicht diejenigen, die sich selbst ein Bild machen und ihre eigene Meinung bilden wollen.
* gedreht wurde der Film in Zagreb, doch wo genau die Handlung spielt, bleibt bewusst offen – irgendwo in einer europäischen Großstadt.
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„Denken ist schwer, darum urteilen die meisten.“ (C. G. Jung)
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