Der Vorsitzende des Charité-Personalrats, Alexander Eichholtz, warnt vor einem Abstieg des Medizinstandortes Berlin. Hohe Kosten für marode und teils denkmalgeschützte Gebäude, Einsparungen des Landes und ein strenger Sparkurs des Bundes setzten der Universitätsklinik zu, sagte er dem "Tagesspiegel". Eichholtz befürchtet Folgen für das Berliner Gesundheitswesen, die Forschung und die Ausbildung künftiger Fachkräfte.
Warnung vor Abstieg des Medizinstandortes
Alexander Eichholtz, Vorsitzender des Personalrats der Charité, sieht den Berliner Medizinstandort in Gefahr. Die Charité verwalte Gebäude in der halben Stadt, darunter viele denkmalgeschützte, aber marode Bauten, sagte Eichholtz dem „Tagesspiegel“. Allein die Instandhaltung koste mehr, als die Charité vom Land erhalte. Zugleich stiegen viele andere Ausgaben. Dem Berliner Gesundheitswesen und seiner Forschung drohe der Abstieg, so Eichholtz gegenüber dem „Tagesspiegel“.
Eichholtz arbeitete auf diversen Charité-Stationen als Intensivpfleger, bevor er in die Personalvertretung der landeseigenen Universitätsklinik gewählt wurde, der er seit 2024 vorsitzt. Europas größtes Hochschulkrankenhaus verfügt über 3.300 Betten und samt Tochterfirmen 25.000 Beschäftigte.
Folgen des Sparkurses für Studium und Klinik
Der Senat kürzte im Nothaushaltsmodus die Hochschulzuschüsse. In der Humanmedizin könnten dadurch zehn Prozent der Studienplätze wegfallen – 60 pro Jahr. Eichholtz appellierte im „Tagesspiegel“, dass der neue Senat nach der September-Wahl die Sparbeschlüsse zurücknehmen möge, den Fachkräftenachwuchs werde Berlin noch herbeisehnen.
Zugleich warnte er, der Sparkurs der Bundesregierung werde das Charité-Defizit von zuletzt fast 64 Millionen Euro noch vergrößern. Berlins neuer Senat solle sofort nach seiner Wahl analysieren, welche Kliniken die Stadt zwingend braucht, um dann, falls nötig, einzelne Häuser geordnet zu schließen.
"Wildes Krankenhaussterben" erschwert Planung
„Derzeit herrscht ein wildes Krankenhaussterben“, sagte Eichholtz dem „Tagesspiegel“. Das erschwere die Versorgungsplanung, weil mitunter unklar sei, auf welche Rettungsstelle man auch nächstes Jahr noch setzen könne.
