Trotz historischer Niederlage hält die CDU an Merz fest – AfD feiert Rekord
Die CDU hat bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ein historisches Tief erreicht. Mit knapp 17 Prozent der Stimmen musste die Partei eine schwere Niederlage einstecken, während die AfD mit über 44 Prozent einen fulminanten Sieg feierte, wie die Berliner Zeitung berichtet. Das Ergebnis markiert einen dramatischen Einbruch für die einstige Volkspartei, die noch vor der Wahl intern auf mindestens 25 Prozent gehofft hatte. Die Enttäuschung in der CDU ist groß, doch statt eines Aufstands gegen Bundeskanzler Friedrich Merz herrsche nun ein „Jetzt erst recht“-Gefühl vor, so die Berliner Zeitung weiter. Die Partei wolle in der Krise zusammenhalten, da ein schneller Wechsel an der Spitze keine Stabilität bringen würde.
CDU in der Krise ohne Führungsalternative
Merz selbst hatte das Wahlergebnis als „Super-Gau“ bezeichnet und die Partei als „in den Grundfesten erschüttert“ beschrieben. Die Berliner Zeitung zitiert interne Stimmen, die von „tief getroffen und erschüttert“ sprechen. Trotz der massiven Kritik an Merz’ Führungsstil und der als zögerlich empfundenen Reformpolitik gebe es derzeit keine Alternative. Weder NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst noch der bayerische Ministerpräsident Markus Söder gelten als realistische Optionen für eine Ablösung. Söder sei in der CDU zu unbeliebt, und Wüst wolle zunächst seine eigene Wahl in Nordrhein-Westfalen im April 2025 gewinnen.
AfD-Sieg durch Regierungsbildung oder Neuwahlen
Die AfD hat zwar die meisten Stimmen erhalten, aber keine absolute Mehrheit erreicht. Dennoch gibt es laut Berliner Zeitung zwei Szenarien, wie der AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund Ministerpräsident werden könnte: entweder durch eine langsame Regierungsbildung oder durch Neuwahlen. Die CDU unter Sven Schulze habe sich dem Bundestrend nicht widersetzen können, heißt es in der Analyse. Schulze und sein Team tragen demnach Mitschuld am Debakel, doch auch strukturelle Faktoren wie der bundesweite Aufstieg der AfD hätten eine Rolle gespielt.
CDU muss Reformen trotz SPD-Konflikt stemmen
Die CDU stehe nun vor der Herausforderung, die anstehenden Reformen wie die Rentenreform oder die Digitalisierung voranzubringen – trotz der schwierigen Zusammenarbeit mit der SPD. Merz’ Aufgabe sei es, die „Kastanien aus dem Feuer zu holen“, wie die Berliner Zeitung schreibt. Außenpolitisch müsse er zudem die EU in der Ukraine-Frage einen. Die nächsten Wahlen in Schwerin und Berlin am 20. September werden für die CDU keine Entlastung bringen, so die Einschätzung.
Merz bleibt bis 2027 – AfD dominiert Ostdeutschland
Intern gehe man davon aus, dass Merz bis Sommer 2027 im Amt bleiben könnte, bevor Wüst möglicherweise die Nachfolge antrete. Die Partei scheine bereit, die aktuelle Krise auszusitzen, statt durch einen Wechsel an der Spitze weitere Unsicherheit zu schaffen. Die AfD habe indes mit ihrem Erfolg in Sachsen-Anhalt gezeigt, dass sie in Ostdeutschland zur dominierenden Kraft geworden sei – eine Entwicklung, die die CDU unterschätzt habe.