Boeing 787 von Vietnam Airlines hebt knapp über Startbahnende ab
Am Münchner Flughafen ist es am Samstag zu einem schweren Zwischenfall gekommen. Eine Boeing 787-9 der Vietnam Airlines rollte beim Start über das Ende der Startbahn hinaus und hob erst im letzten Moment ab. Wie der Bayerische Rundfunk berichtet, kreiste die Maschine anschließend rund zwei Stunden über München und Teilen Oberbayerns, bevor sie mit beschädigten Reifen wieder landete. Die Passagiere blieben unverletzt, doch die Bilder von aufgewirbeltem Staub und Erschütterungen in der Kabine zeigen die Dramatik des Vorfalls. Die Landebahn musste wegen kaputter Reifenteile zeitweise gesperrt werden.
Experten warnen vor haarscharfer Katastrophe
Die Ursache für den Vorfall ist noch unklar. Während der Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt gegenüber der Deutschen Presse-Agentur und dem Spiegel von einer haarscharfen Katastrophe spricht – ein gescheiterter Start hätte bei der hohen Geschwindigkeit von 300 km/h zu einem Feuerball mit Hunderten Toten führen können –, mahnt die Piloten-Vereinigung Cockpit zur Zurückhaltung. Belastbare Bewertungen seien derzeit nicht möglich, da noch nicht genügend gesicherte Informationen vorlägen, wie der Bayerische Rundfunk zitiert.
Blockierte Bremsen und falsches Startgewicht im Fokus
Als mögliche Ursachen werden verschiedene Szenarien diskutiert. Die Plattform „Aviation Herald“ berichtet von Hinweisen, dass vor dem Start etwa 200 Meter vor Bahnende die Bremsen auf der rechten Seite des Flugzeugs blockiert gewesen seien. Auch ein Fehler bei der Eingabe des Startgewichts, wie er bereits in Australien aufgetreten sei, wird von Experten wie Großbongardt nicht ausgeschlossen. Die Fluggesellschaft Vietnam Airlines sprach von einem technischen Problem, ohne dies näher zu erläutern, und entschuldigte sich für die entstandenen Unannehmlichkeiten.
Flugschreiber gesichert – Ermittlungen dauern Wochen
Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen (BfU) hat die Ermittlungen aufgenommen. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, wurden die Flugschreiber sichergestellt. Die Untersuchung werde jedoch mehrere Wochen in Anspruch nehmen, bevor ein Zwischenbericht vorliegt. Parallel dazu wird diskutiert, wie umweltschädlich das Ablassen von etwa 60 Tonnen Kerosin über dem Großraum München war. Das Umweltbundesamt sieht keine kritischen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt, während der Bund Naturschutz Bayern die Bewertung als verharmlosend kritisiert.
Heckaufsetzen und Kerosinablass dokumentiert
Videos von Planespottern und Passagieren zeigen, wie das Heck des Flugzeugs beim Start aufsetzte und die Flugfeldbefeuerung beschädigt wurde. Nach dem Start meldete die Crew einen Reifendruckabfall und die Notwendigkeit, Treibstoff abzulassen. Die Maschine landete schließlich mit starker Rauchentwicklung am Hauptfahrwerk, wie der Focus berichtet.