Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) senkt seine Umsatzprognose für das Bauhauptgewerbe auf ein Prozent Wachstum. Grund sind gestiegene Kosten durch den Iran-Krieg und die zögerliche Freigabe von Mitteln aus dem Sondervermögen, wie die Welt am Sonntag berichtet.
Kosten und verzögerte Mittel fließen nicht
Laut der halbjährlichen Konjunkturumfrage des HDB (9. Juni bis 10. Juli 2026) berichten 80 Prozent der Unternehmen von Auswirkungen durch die Sperrung der Straße von Hormus. Fast alle Befragten sind von Preissteigerungen bei Energie und Baumaterial betroffen. Knapp 20 Prozent berichteten von Verzögerungen bei laufenden Projekten. Nur 13 Prozent erwarten noch eine Ertragssteigerung, 43 Prozent rechnen mit einem Rückgang.
Drei Viertel der Unternehmen können die gestiegenen Kosten nicht an Auftraggeber weitergeben und bleiben auf hohen Ausgaben für Diesel und Material sitzen.
Sondervermögen wirkt nicht wie erhofft
Die 500 Milliarden Euro Sonderschulden für Infrastruktur und Klimaschutz kommen nicht wie erwartet im Baugewerbe an. "Die Hoffnungen auf eine schnelle Wirkung des Sondervermögens für die Auftrags- und Ertragslage schon in diesem Jahr haben sich nicht erfüllt", sagte HDB-Hauptgeschäftsführer Tim-Oliver Müller der Welt am Sonntag. Vor allem im Tiefbau seien stärkere Effekte erwartet worden.
Von Januar bis Juli 2026 flossen nur 33 Prozent (7,3 Mrd. Euro) der Mittel aus dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität (SVIK) für die Verkehrsinfrastruktur ab. Im Investitionsbereich Bauen und Wohnen, der die Wohnungsbauförderprogramme enthält, waren es sogar nur vier Prozent.
Trotz der gedämpften Prognose wollen die Bauunternehmen mehr Personal einstellen. "In diesem Jahr dürften 10.000 bis 12.000 Mitarbeiter mehr als im Vorjahr im Bauhauptgewerbe tätig sein", so Müller. Auch könne es monatsweise zu "positiven Konjunktursignalen kommen – vielleicht schon im Juni". "Es wird sich aber zeigen müssen, ob aus einem Strohfeuer ein Trend wird. Ich würde es uns wünschen. Bis dahin bin ich aber verhaltener als noch zu Jahresbeginn".
An der Umfrage beteiligten sich vor allem Unternehmen aus Niedersachsen, Bremen und Nordrhein-Westfalen.