Der VfL Osnabrück hat am 36. Spieltag der 3. Liga sein Auswärtsspiel beim SV Wehen Wiesbaden mit 3:2 (0:1) gewonnen und ein historisches Wochenende perfekt gemacht. Einen Tag nach dem feststehenden Aufstieg in die 2. Bundesliga, den die 1:6-Niederlage von Rot-Weiss Essen beim VfB Stuttgart II besiegelt hatte, sicherten sich die Lila-Weißen kurz vor dem Anpfiff in der BRITA-Arena auch noch die Drittliga-Meisterschaft – durch den 2:1-Sieg des MSV Duisburg gegen Energie Cottbus. Mit dem dritten Drittliga-Titel der Vereinsgeschichte nach 2010 und 2019 ist der VfL nun alleiniger Rekordmeister der Liga.
VfL-Trainer Timo Schultz nahm im Vergleich zum 2:1-Heimsieg gegen den SC Verl drei Veränderungen vor: Janotta, Henning und Lesueur rückten für Karademir, Wagner und Kehl in die Startelf. Schultz hatte am Vorabend bereits durchblicken lassen, wie der Aufstieg gefeiert werden würde: „Wir werden es heute Abend krachen lassen. Die Jungs werde ich nicht mehr einfangen.“ Vor rund 5.000 mitgereisten Fans aus Osnabrück begannen die frischgebackenen Meister am Sonntag dann aber offensiv mutig.
Gözüsirin trifft aus rund 30 Metern zur Pausenführung
Bereits in der 5. Minute schickte Patrick Kammerbauer David Kopacz steil, doch Wiesbadens Schlussmann Stritzel parierte den Abschluss aus kurzer Distanz stark. Zwei Minuten später köpfte Wiemann eine Christensen-Ecke an die Latte (7.). In der 17. Minute kam Robin Meißner nach langem Ball gegen Gillekens an die Kugel und umkurvte Stritzel – der Keeper rettete im richtigen Moment am Boden, ohne die Hand zu nutzen.
Aber auch Wiesbaden zeigte sich offensiv durchaus gefährlich. Greilingers Flachschuss klatschte aus halbrechter Position an den Pfosten (14.). In der 32. Minute legten die Hausherren dann vor: Schleimer legte ab, Tarik Gözüsirin zog aus rund 30 Metern ab und düpierte den wackelig aussehenden Lukas Jonsson im VfL-Tor. Flotho hätte kurz darauf alles entschieden, jagte den Ball aus aussichtsreicher Position aber knapp über das Tor (36.). Mit dem 0:1 ging es in die Pause – in der Geschäftsführer Michael Welling den Gegentreffer trocken kommentierte: „Nüchtern hätte er den gehalten.“ Ein Verweis darauf, dass auch Schlussmann Jonsson Schultz‘ Ansage vom Vorabend offenbar wörtlich genommen hatte.
Badjie und ein Eigentor drehen das Spiel
Schultz reagierte zur zweiten Hälfte mit Ismail Badjie, der für Frederik Christensen kam. In der 59. Minute setzte sich Meißner an der linken Grundlinie durch, hob den Ball an die Fünferkante – und Badjie nickte zum 1:1 ein. Zwei Minuten später hatte derselbe Badjie die Führung auf dem Fuß, scheiterte frei vor dem Tor allerdings am eigenen Abschluss (61.).
In der 68. Minute ging der VfL erstmals in Führung. Badjie umkurvte Stritzel, legte zurück auf Meißner, der freistehend dennoch nicht traf. Über Umwege landete der Ball bei Bjarke Jacobsen, dessen Hereingabe Wiesbadens Jordy Gillekens unhaltbar ins eigene Netz abfälschte. Die mitgereisten Anhänger sangen längst „Wir steigen auf“, und auch die Osnabrücker Auswechselbank stimmte mehr und mehr mit ein.
Tesche entscheidet in der Nachspielzeit
Doch entschieden war die Partie damit nicht. In der 86. Minute servierte sich der eingewechselte Nikolas Agrafiotis im Strafraum eine Bogenlampe selbst, setzte sich am rechten Fünfereck durch und drückte den Ball im Fallen über die Linie – 2:2. In der 90. Minute spielte Stritzel einen Fehlpass direkt in die Füße von Kai Pröger, dessen Direktabnahme der Keeper an der Strafraumkante noch herunterkratzte. Schultz reklamierte vom Rand aus ein Handspiel, blieb aber ungehört. Direkt im Anschluss vergab Meißner das 3:2 aus knapp vier Metern freistehend (90.+1).
Die Entscheidung fiel in der 92. Minute. Bernd Riesselmann rutschte links im Strafraum der Ball vor die Füße, sein scharfer Pass vor das Tor erreichte Robert Tesche, der zum 3:2 einschob. Mit dem Treffer strömten Fans, Spieler und Mitarbeiter auf den Rasen, die Polizei räumte den Platz, und Schiedsrichter Ben Henry Uhrig ließ die letzten Sekunden tatsächlich noch einmal anpfeifen. Mit dem Schlusspfiff musste auch die Polizei nachgeben – der Rasen der BRITA-Arena wurde von den VfL-Fans geflutet.
Mit dem Auswärtssieg in Wiesbaden krönt der VfL Osnabrück ein Wochenende, das in die Vereinsgeschichte eingeht: Aufstieg in die 2. Bundesliga, dritter Drittliga-Meistertitel und Status als alleiniger Rekordmeister. Am kommenden Spieltag empfängt der VfL den bereits feststehenden Absteiger SSV Ulm an der Bremer Brücke – es dürfte unabhängig vom Spielverlauf die nächste lila-weiße Party werden.