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Startseite AktuellZiviler Ungehorsam für den Klimaschutz – die „Extinction Rebellion“ in Osnabrück
AktuellOsnabrück

Ziviler Ungehorsam für den Klimaschutz – die „Extinction Rebellion“ in Osnabrück

von Lukas Brockfeld 21. Oktober 2019
von Lukas Brockfeld 21. Oktober 2019
"Die-in" in der Osnabrücker Innenstadt.
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Sie gelten als die radikale Geschwister von „Fridays for Future“ und machen mit ihrem zivilen Ungehorsam immer wieder auf sich aufmerksam. Die Ökoaktivisten der „Extinction Rebellion“ (auf deutsch „Rebellion gegen das Aussterben“, abgekürzt auch „XR“) sorgen auf der ganzen Welt für Schlagzeilen und Kontroversen. Nun sind sie auch in Osnabrück aktiv.

Am 11. Oktober blockierten Aktivisten der XR für kurze Zeit die Kreuzung am Neumarkt. Vergangenen Freitag (18. Oktober) machten sie mit einem sogenannten „Die-in“ in der Osnabrücker Innenstadt auf sich aufmerksam. Die Umweltschützer gingen mitten in der Fußgängerzone röchelnd zu Boden und stellten sich für einige Minuten tot, außerdem riefen sie ihre Forderungen und verteilten Flyer. Ihr Ziel war es, den Shoppingalltag der Menschen zu durchbrechen und Aufmerksamkeit für den Klimawandel und das weltweite Artensterben zu schaffen. Die „Extinction Rebellion“ stört mit Aktionen des zivilen Ungehorsams immer wieder den Alltag der Menschen um so Druck auf die Politik auszuüben. Einige Ortsgruppen gingen in der Vergangenheit sehr weit, in London besprühten sie das Finanzministerium mit Kunstblut und blockierten eine S-Bahn, woraufhin die Aktivisten von wütenden Pendlern verprügelt wurden.

Aktionen in Osnabrück eher harmlos

In Osnabrück ist mit solch radikalen Protestformen zur Zeit nicht zu rechnen. Der Doktorand Johannes, der in der Osnabrücker Ortsgruppe aktiv ist und seine genaue Identität nicht preisgeben möchte, sagt dazu: „Wir sind sehr dezentral organisiert, die Ortsgruppen handeln weitgehend autonom. Es gibt verschiedene Protestlevel die alle den zivilen Ungehorsam als Kern haben. Solange unsere Grundprinzipien wie absolute Gewaltlosigkeit nicht verletzt werden, kann jede Ortsgruppe ihre Protestform selbst bestimmen. Ich persönlich würde sowas wie in London nicht machen, unterstütze es aber.“ Das Osnabrücker „Die-in“ der letzten Woche war eine vergleichsweise harmlose Aktion, die Aktivisten bekamen zwar viel Aufmerksamkeit, belästigten oder behinderten die Passanten aber nicht. Einige Menschen reagierten dennoch sehr negativ und sagten Dinge wie „nur dumme Leute hier“ oder „die sollte man alle erschießen“. Ein Familienvater äußerte sich differenzierter: „Ich weiß nicht ob so ein Protest etwas bringt. Grundsätzlich bin ich neutral, aber irgendjemand muss ja was gegen die Umweltzerstörung machen.“ Ein junger Mann mit Vollbart hat viele lobende Worte für die Rede eines XR-Aktivisten: „Das war wirkungsvoll und ergreifend, er hat mich und viele andere zum Anhalten gebracht. Es waren sehr schöne Worte und eine schöne Protestform, die Aktion war nicht albern und belästigend sondern wohl durchdacht und positiv.“

Ziviler Ungehorsam für den Klimaschutz - die "Extinction Rebellion" in Osnabrück

XR-Aktivist Patrick verteilt Flyer in der Innenstadt.

XR haben drei zentrale Forderungen

Die „Extinction Rebellion“ entstand 2018 in Großbritannien. Mittlerweile haben sich auf der ganzen Welt Ableger gebildet, zur Zeit gibt es in Deutschland etwa 70 Ortsgruppen. Ihr erklärtes Ziel ist es, mit zivilem Ungehorsam Maßnamen gegen das Massenaussterben von Tieren und Pflanzen sowie das mögliche Aussterben der Menschheit als Folge der Klimakrise zu erzwingen. In Osnabrück gibt es die XR seit 3 Wochen, knapp 90 Menschen sind in der Ortsgruppe aktiv, etwa 50 Prozent von ihnen sind Studierende. Das zentrale Thema der „Extinction Rebellion“ ist der Umweltschutz, prinzipiell ist jeder in der Bewegung willkommen. Wichtig ist der XR die absolute Gewaltfreiheit ihrer Aktionen. Die Aktivisten formulieren auf ihrer Website drei zentrale Forderungen:

  1. „Sagt die Wahrheit! Die Regierung muss die existenzielle Bedrohung der ökologischen Krise offenlegen und den Klimanotstand ausrufen. Alle politischen Entscheidungen, die der Bewältigung der Klimakrise entgegenstehen, werden revidiert. Die Regierung, die Medien und alle anderen gesellschaftlichen Institutionen müssen kommunizieren, wie dringend notwendig ein Umsteuern ist und was jede:r Einzelne, jede Gemeinde und jedes Unternehmen dazu beitragen kann.“
  2. „Handelt jetzt! Die Regierung muss jetzt handeln, um die vom Menschen verursachten Treibhausgas-Emissionen bis 2025 auf Netto-Null zu senken. Das Artensterben muss gestoppt werden und der ökologische Raubbau mit allen Mitteln eingedämmt und – wenn möglich – wieder rückgängig gemacht werden. Zentrales Ziel der Gesellschaft ist in Zukunft, das Klima und die Ökosysteme der Erde so zu stabilisieren, dass sie allen Menschen und allen Arten ein sicheres Zuhause bietet.“
  3. „Politik neu leben! Die Regierung muss eine Bürger:innenversammlung für die notwendigen Maßnahmen gegen die ökologische Katastrophe und für Klimagerechtigkeit einberufen. Die Regierung muss nach deren Beschlüssen handeln.“

Der Osnabrücker Aktivist Johannes erklärt die Forderungen wie folgt: „Die Politiker müssen den Klimawandel ehrlich kommunizieren und als die Bedrohung behandeln die er darstellt. „Netto-Null“ bis 2025 ist zugegeben unrealistisch, wir verstehen das aber eher als Aufruf zur Intensivierung politischer Maßnahmen und weniger als genaues Ziel. Die Bürgerversammlung ist wichtig, da sie konkrete Maßnahmen bestimmen soll. Diese dürfen nicht über die Köpfe der Menschen hinweg entschieden werden, der Kohleausstieg muss zum Beispiel sozialverträglich gestaltet werden.“

Großdemo mit „Fridays for Future“

Der Student Matthias erzählt wie er zur XR fand: „Einige meiner Freunde engagieren sich viel für die Umwelt und machten mich auf das Thema aufmerksam. Ich habe daraufhin einige Bücher und Studien gelesen und war während eines Auslandsemesters bei „Fridays for Future“ in Norwegen aktiv. Über die Leute dort habe ich die „Extinction Rebellion“ kennengelernt. Der Doktorand Johannes ergänzt: „Ich war vorher nicht politisch aktiv, hatte aber einen Erkenntnismoment beim Lesen von Arbeiten britischer Klimaforscher. Ich sah, dass politisch zu wenig passiert und habe beschlossen selbst aktiv zu werden. Ich denke, dass ich mehr Verantwortung habe als nur gelegentlich zu demonstrieren.“ Zur Zukunft der XR in Osnabrück sagt er: „Es wird bald weitere Aktionen geben, am 29.11. ist zum Beispiel eine Großdemo mit „Fridays for Future“ geplant. Die Menschheit ist nicht von ihrer Umwelt getrennt, unsere Spezies stirbt mit unserem Ökosystem. Wir sitzen alle in einem Boot, auch wenn wir viele Gegner haben, müssen wir Nächstenliebe kultivieren. Nur wenn wir Schulter an Schulter stehen können wir die Herausforderung stemmen und unseren Planeten retten.“

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Lukas Brockfeld

Lukas Brockfeld ist seit dem Sommer 2019, erst als Praktikant und inzwischen als fester Mitarbeiter, für die Redaktion der HASEPOST unterwegs.

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