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Startseite AktuellWas das Besondere an der Ausstellung von Ariel Reichman im Osnabrücker Felix-Nussbaum-Haus ist
AktuellKulturOsnabrück

Was das Besondere an der Ausstellung von Ariel Reichman im Osnabrücker Felix-Nussbaum-Haus ist

von Dominik Lapp 6. Juni 2025
von Dominik Lapp 6. Juni 2025
Dr. Mechthild Achelwilm und Ariel Reichman. / Foto: Dominik Lapp
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Wie geht man mit den dunklen Kapiteln der Geschichte um, wenn ihre Relikte auf Flohmärkten als Kuriositäten gehandelt werden? Die neue Ausstellung „Ariel Reichman. Keiner soll frieren!“ im Felix-Nussbaum-Haus Osnabrück stellt genau diese Frage – und konfrontiert Besucherinnen und Besucher eindringlich mit Erinnerung, Empathie und der Macht von Symbolen.

Ausstellungsstücke eigens für Osnabrück

Der 1979 in Südafrika geborene und heute in Berlin lebende Künstler Ariel Reichman setzt sich in seiner eigens für Osnabrück entwickelten Ausstellung mit dem öffentlichen Umgang mit nationalsozialistischen Devotionalien auseinander. Der Ausgangspunkt war eine persönliche Irritation: Beim Bummel über einen Markt in Sofia stieß Reichman auf NS-Symbole – offen ausgestellt, als wären sie bedeutungslos. „Das war ein komisches Gefühl“, beschreibt er diesen Moment der Verstörung. Es war der Impuls, aus dieser Verstörung künstlerische Konsequenzen zu ziehen.

Ausstellung von Ariel Reichman in Osnabrück.

Nazi-Orden wurden eingeschmolzen, doch bei einem hat es nicht ganz geklappt. / Foto: Dominik Lapp

Radikaler Transformationsprozess

Reichman begann, NS-Memorabilien gezielt über Onlineplattformen wie eBay oder Amazon zu erwerben. Doch er belässt es nicht bei der Sammlung: Die Objekte durchlaufen einen radikalen Transformationsprozess. Sie werden im Feuer geschmolzen, im Wasser abgekühlt (vergleichbar mit Bleigießen) – ein symbolischer Akt der Reinigung, der Zerstörung und der Neuschöpfung. Entstanden sind daraus skulpturale Werke von roher, fast archaischer Präsenz, begleitet von zwei dokumentarischen Filmen, die den Prozess sichtbar machen.

Ausstellung von Ariel Reichman in Osnabrück.

Das war mal ein Wehrmachtshelm. / Foto: Dominik Lapp

Wachsblumen als NS-Propaganda

Doch Ariel Reichman bleibt nicht bei der Zerstörung. Seine Kunst ist ebenso ein Plädoyer für Empathie und Verletzlichkeit. In Fotografien zeigt er zarte Papier- und Wachsblumen – auf den ersten Blick poetisch, bei genauerem Hinsehen eine kritische Referenz an das so genannte Winterhilfswerk der Nationalsozialisten. Auch die Ausstellungstitelzeile „Keiner soll frieren!“ entstammt dieser perfiden Propaganda. Die Ausstellung fragt: Was bleibt von solcher Vergangenheit haften – und wie harmlos darf Erinnerung sein?

Lichtinstallation am Felix-Nussbaum-Haus.

Lichtinstallation außen am Turm des Felix-Nussbaum-Hauses. / Foto: Dominik Lapp

Sonder- und Lichtinstallation

Besonders eindrucksvoll ist die Sonderinstallation „Space of Mourning“, ein Raum des kollektiven Innehaltens, inspiriert von der jüdischen Trauertradition der Schiwa. Außerdem lädt eine interaktive Lichtinstallation zur stillen Reflexion ein: Besucherinnen und Besucher beantworten per Knopfdruck die Frage „Am I safe?“. Ihre Antwort – „I am safe“ oder „I am not safe“ – erscheint anschließend leuchtend auf der Außenfassade des Museums. Ein starkes Zeichen für die Fragilität von Sicherheit und die Gegenwärtigkeit von Angst.

Dr. Jürgen Kottmann (VGH-Stiftung), Patricia Mersinger (Kulturamt), Ariel Reichman (Künstler), Dr. Mechthild Achelwilm (Kuratorin), Nils-Arne Kässens (Museumsdirektor). / Foto: Dominik Lapp

Von links: Dr. Jürgen Kottmann (VGH-Stiftung), Patricia Mersinger (Kulturamt), Ariel Reichman (Künstler), Dr. Mechthild Achelwilm (Kuratorin) und Nils-Arne Kässens (Museumsdirektor). / Foto: Dominik Lapp

Museumsdirektor Nils-Arne Kässens betont: „Wir wollen mit der neuen Ausstellung unsere Dauerausstellung beleben und Erinnerungskultur erhalten.“ Und Patricia Mersinger vom Kulturamt lobt die Ausstellung als „perfekte Verbindung von Friedensarbeit und historischem Bewusstsein.“

„Keiner soll frieren!“ ist keine leichte Ausstellung. Aber sie ist eine notwendige – gerade in einer Stadt wie Osnabrück, die sich dem Frieden verpflichtet hat. Die Ausstellung ist noch bis zum 10. Mai 2026 im Felix-Nussbaum-Haus zu sehen.

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Dominik Lapp

Dominik Lapp ist seit 2023 Redaktionsleiter der HASEPOST. Der ausgebildete Journalist und Verlagskaufmann mit Zusatzqualifikation als Medienberater, Social-Media- und Eventmanager war zuvor unter anderem als freier Reporter für die Osnabrücker Nachrichten, die Neue Osnabrücker Zeitung und das Meller Kreisblatt sowie als Redakteur beim Stadtmagazin The New Insider und als freier Autor für verschiedene Kultur-Fachmagazine tätig. Seine größte Leidenschaft gilt dem Theater, insbesondere dem Musical und der Oper, worüber er auch regelmäßig auf kulturfeder.de berichtet.

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