In der familiengeführten Pizzeria „My Way to Napoli“ in der Heinrichstraße geht es um Teig, Tomaten und Tradition. Doch auch über die Stadt Osnabrück hinaus hat der Pizzabäcker und Inhaber Claudio Iglesias sein Können und Leidenschaft unter Beweis gestellt: Bei der 13. Deutschen Meisterschaft der Pizzabäcker in Hamburg belegte der Osnabrücker den achten Platz – unter 65 Teilnehmern aus ganz Deutschland. Gleichzeitig wurde seine Pizzeria mit der renommierten Associazione Pizzaiuoli Napoletani (APN) Auszeichnung geehrt, einer der wichtigsten Anerkennungen für echte neapolitanische Pizza.
Mit Leidenschaft und Liebe gegen Hightech-Konkurrenz
Der Wettbewerb, der auf der Gastromesse Internorga in Hamburg stattfand, hatte es in sich. Von 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr standen die Teilnehmer, die jeweils ihr eigenen Zutaten und Teig mitbrachten, unter Dauerbeobachtung. Beurteilt wurde nahezu jeder Handgriff: der Umgang mit dem Ofen, das Öffnen des Teigs, das Belegen der Pizza, das Ziehen auf die Schaufel und später dann Geschmack und Aussehen. Acht Juroren mit unterschiedlichen Aufgaben bewerteten die Teilnehmer schließlich mit einem Punktesystem. Während viele Konkurrenten mit digitalen Teigkühlschränken, Temperaturmessern und aufwendigem Equipment antraten, brachte Claudio Iglesias etwas deutlich Einfacheres mit: Eine Box mit Eiswürfeln, um den Teig kühl zu halten. „Ich habe gesehen, wie professionell die anderen alle aufgestellt waren. Das war schon Druck“, erzählt er. Dass Iglesias am Ende Achter wurde, freute ihn selbst sehr und zeigt, dass die Kunst des Pizza backens nicht anhand des Equipments gemessen werden kann. „Achter Platz heißt aber auch, dass ich nicht jeden Geschmack treffen werde“, gibt er zu. Manchmal kommt es vor, dass Gäste mit einer anderen Erwartung reinkommen. Ein Satz der dann oft amüsiert, mit einem Zwinkern, bei ihm fällt: „Ich backe Pizza, keine Kekse.“ Gemeint ist damit die klare Haltung zur traditionellen neapolitanischen Pizza, die aus einem dünnen, weichen Boden und einem luftig, dicken Rand besteht. Die Pizza Napoletana lebt von wenigen, aber hochwertigen Zutaten. Gebacken wird sie nur etwa 90 Sekunden bei Temperaturen zwischen 400 und 500 Grad. Für Iglesias ist genau das der Unterschied: „Echte Pizza ist für mich nur neapolitanische Pizza“, sagt er. Die Leidenschaft dafür kommt nicht von ungefähr – Schon in seiner Familie spielte das Handwerk eine große Rolle. Seit 2021 ist der Italiener mit „My Way to Napoli“ selbstständig.
Eine besondere Anerkennung direkt aus Neapel
Fast noch bedeutender als der Wettbewerb ist für Claudio Iglesias die Auszeichnung durch die Associazione Pizzaiuoli Napoletani (APN). Dahinter steckt ein internationales Gremium mit Sitz in Neapel, das unter anderem für den Schutz der „Kunst der neapolitanischen Pizzabäcker“ zuständig ist, welche seit 2017 als immaterielles Kulturerbe der UNESCO gilt. Der Verband zertifiziert echte neapolitanische Pizzerien sowie deren Handwerk und fördert die Lieferkette von authentischen Produkten aus Italien. Nur wenige Pizzerien in Deutschland tragen die Anerkennung. Dass nun auch eine kleine Pizzeria aus der Wüste dazugehört, ist etwas Besonderes. Von der APN ausgezeichnet wurden dabei sowohl die Pizzeria selbst, als auch Claudio Iglesias als Pizzabäcker.
Jetzt Teil des APN-Caputo-Teams Deutschland
Mit der Ehrung kam direkt die nächste Überraschung: Die Aufnahme in das deutsche APN-Caputo-Team. Caputo gilt als einer der bekanntesten Mehlhersteller Neapels und ist in der Pizza-Szene international etabliert. Gemeinsam vertritt das Team die neapolitanische Pizzakultur auf Messen und Veranstaltungen, tauschen sich regelmäßig untereinander aus und arbeiten als Botschafter für die APN und Caputo. Deutschlandweit gehören nur vier weitere Pizzabäcker zum APN-Caputo-Team. Für Claudio Iglesias bedeuten diese Erfolge vor allem eines: Bestätigung für die vielen Stunden Arbeit am Ofen. „Das ist Leidenschaft und Liebe“, sagt er. Und genau das weiß man offenbar nicht nur in Osnabrück-Wüste, sondern inzwischen auch deutlich darüber hinaus zu schätzen.
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