Eskalation im Nahen Osten: US-Militär startet Vergeltungsangriffe nach Attacke auf Containerschiff.
Die Spannungen im Nahen Osten haben sich erneut zugespitzt. Das US-Militär hat nach eigenen Angaben in der Nacht Ziele im Iran angegriffen, darunter Raketen- und Drohnenstellungen, Marineeinrichtungen sowie Kommunikationsnetze. Die Angriffe seien eine Reaktion auf eine Attacke der iranischen Revolutionsgarde auf das unter zyprischer Flagge fahrende Containerschiff »GFS Galaxy« in der Straße von Hormus, wie das US-Zentralkommando Centcom auf X mitteilte. Dabei wurde ein ziviles Besatzungsmitglied vermisst, und das Schiff konnte aufgrund eines Feuers an Bord und erheblicher Schäden im Maschinenraum die Fahrt nicht fortsetzen. Die Besatzung habe das Schiff verlassen, berichtete die britische Behörde für Sicherheit der Handelsschifffahrt UKMTO. Laut Centcom habe Iran mit dem Angriff auf das Schiff eine Gelegenheit verpasst, sich an das Mitte Juni mit den USA ausgehandelte Rahmenabkommen zu halten. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth bezeichnete die Entscheidung Irans als falsch und kündigte Konsequenzen an, wie der Spiegel berichtet.
Iran sperrt Straße von Hormus nach Warnschüssen
Die iranischen Revolutionswächter verkündeten ihrerseits, die Straße von Hormus sei bis auf Weiteres gesperrt. Man habe Warnschüsse auf ein Schiff abgefeuert, das eine nicht genehmigte Route befahren habe, teilte die staatliche Nachrichtenagentur Irna mit. Nach diesem Vorfall werde die Meerenge bis zum Ende der US-Interventionen in der Region geschlossen bleiben. Zudem griff Iran nach eigenen Angaben US-Militärbasen in den Golfstaaten und Jordanien an. In den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain und Katar wurden Raketen- und Drohnenangriffe abgewehrt, wie die jeweiligen Verteidigungsministerien mitteilten. In Kuwait und Bahrain ertönten Warnsirenen, und die Bewohner wurden aufgefordert, sich in Sicherheit zu begeben. Explosionen wurden auch in Katars Hauptstadt Doha beobachtet, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten.
Diplomatie scheitert an Eskalation im Persischen Golf
Parallel zu den militärischen Auseinandersetzungen laufen weiterhin diplomatische Bemühungen. Oman hatte am Samstag Gespräche mit Iran über die Straße von Hormus geführt, um Mechanismen für eine sichere Schifffahrt zu erörtern, wie das iranische Staatsfernsehen meldete. Die Gespräche sollten auf technischer und politischer Ebene fortgesetzt werden. Katar, das als Vermittler zwischen Iran und den USA auftritt, nahm ebenfalls an den Gesprächen in Maskat teil. Die Hoffnung auf eine baldige Einigung über einen geordneten Schiffsverkehr in der Meerenge hat sich nach den gegenseitigen Angriffen jedoch zunächst zerschlagen, wie der Spiegel schreibt.
USA und Iran verhandelten Rahmenabkommen für Waffenruhe
Die USA und Iran hatten sich Mitte Juni auf ein Rahmenabkommen geeinigt, das den Weg für ein dauerhaftes Ende des Krieges ebnen sollte. Darin war vereinbart worden, innerhalb von 60 Tagen einen endgültigen Deal auszuhandeln, der auch die Öffnung der Straße von Hormus vorsieht. Seit Anfang April galt zudem eine Waffenruhe, die jedoch immer wieder durch neue Angriffe unterbrochen wurde. US-Präsident Donald Trump hatte die Waffenruhe in der Nacht zum Mittwoch für beendet erklärt, wie die Tagesschau berichtet.
