Einsatzkräfte suchen weiter nach Leichen – EU berät über Grenzschutz
Nach dem massiven Ansturm Zehntausender Migranten auf die spanische Nordafrika-Exklave Ceuta steigt die Zahl der bestätigten Todesopfer weiter. Wie die Zeitung DIE ZEIT unter Berufung auf das spanische Innenministerium berichtet, wurden bisher 72 Leichen geborgen. Einsatzkräfte durchsuchen weiterhin das Meer vor der Küste, da mit weiteren Funden gerechnet wird. Die meisten Opfer ertranken beim Versuch, schwimmend oder mit Hilfsmitteln wie Autoreifen von der marokkanischen Küstenstadt Fnideq aus nach Ceuta zu gelangen, wie der staatliche Fernsehsender RTVE meldet. Einige versuchten auch, die Grenzzäune zu überwinden. Die Behörden in Ceuta bereiten laut El País eine Einrichtung vor, um bis zu 200 Leichen aufbahren zu können. Ein anonymer Polizeibeamter wurde mit den Worten zitiert: »Es gibt mehr Tote im Meer.«
Spanien errichtet schwimmende Grenzsperre
Die Lage in Ceuta hat sich unterdessen beruhigt. Nach Angaben der spanischen Regierung sind die meisten der geschätzten 50.000 bis 60.000 Menschen, die vor allem am Mittwoch und Donnerstag in die Exklave gelangt waren, freiwillig nach Marokko zurückgekehrt. Wie t-online.de berichtet, halten sich jedoch noch einige Hundert bis Tausende Migranten in Ceuta auf, darunter viele, die sich versteckt halten. Die spanische Regierung hat unterdessen eine 500 Meter lange schwimmende Barriere installiert, die durch Bojen verstärkt wird, um weitere Übertritte über das Meer zu verhindern. Diese Maßnahme soll die Kontrolle und Überwachung des Grenzgebiets verbessern, wie die Guardia Civil mitteilte.
EU streitet über Solidarität bei Migrantenkrise
In der EU hat die Krise eine Debatte über den Schutz der Außengrenzen ausgelöst. Spanischer Ministerpräsident Pedro Sánchez kritisierte in einem Brief an die EU-Spitze mangelnde Solidarität und warf einigen Mitgliedstaaten vor, mit Vorurteilen und politischen Eigeninteressen auf die Ereignisse reagiert zu haben. Wie die FAZ berichtet, haben 22 EU-Staaten, darunter Deutschland, eine Sondersitzung der Innenminister für Dienstag gefordert, um über mögliche Unterstützung Spaniens und die Koordinierung der Grenzkontrollen zu beraten. Italien hatte unterdessen für Nicht-EU-Bürger, die aus Spanien einreisen, vorübergehend Grenzkontrollen eingeführt, was Sánchez als Angriff auf die europäische Solidarität wertete.
Ceuta-Andrang könnte gezielte Provokation sein
Unterdessen berichten Medien wie WELT von Hinweisen, dass der Ansturm auf Ceuta möglicherweise eine gezielte Aktion zur Destabilisierung Spaniens und Europas gewesen sein könnte. Geheimdienstquellen hätten die spanische Regierung vor einem möglichen Massenübertritt gewarnt, diese Warnungen seien jedoch ignoriert worden. Die Grünen im Bundestag forderten Aufklärung über die Hintergründe der Vorgänge.
Papst und CDU fordern strengere EU-Grenzkontrollen
Papst Leo XIV. äußerte sich besorgt über die Lage in Ceuta und rief zu Lösungen des Friedens und der Gerechtigkeit auf. In Deutschland betonte Unions-Fraktionsvize Günter Krings die Notwendigkeit, Grenzkontrollen an allen deutschen Außengrenzen fortzuführen und bei Bedarf zu intensivieren. Außenminister Johann Wadephul (CDU) forderte die EU-Kommission auf, dem Schutz der Außengrenzen absolute Priorität einzuräumen, um das Schengen-System nicht zu gefährden.