Es sollte eine optische Perle für Osnabrück werden, doch der Rosenplatz hat sich längst zur finanziellen und logistischen Dauerbaustelle entwickelt. Die geplante Fertigstellung verzögert sich erneut von Juli auf voraussichtlich Ende September. Offiziell macht die Stadtverwaltung das wechselhafte Wetter für das Fiasko verantwortlich, da die rote Spezialbeschichtung nur unter extrem spezifischen Temperatur- und Feuchtigkeitsbedingungen aufgetragen werden kann. Die Ursache für das teure Spektakel liegt tief in der Vergangenheit.
Das 400.000-Euro-Rot und seine Tücken
Die rote Fahrbahn geht auf einen Siegerentwurf aus dem Jahr 2005 zurück. Was damals modern wirkte, erfordert heute teure Spezialbehandlungen. Allein die rot eingefärbte Beschichtung verschlingt rund 320.000 Euro netto, was sich mit Steuern und Preissteigerungen auf etwa 400.000 Euro summiert. Das kommt noch zu den regulären Straßenbaukosten von etwa 1,7 Millionen Euro hinzu, von denen das Land Niedersachsen immerhin 700.000 Euro übernimmt. Die erst 2012 für 3,5 Millionen Euro fertiggestellte Fahrbahn war schon 2023 zu mehr als einem Viertel zerstört. Dennoch darf das Aussehen des Platzes nicht einfach geändert werden, da die Planer weiterhin das Urheberrecht an der Optik halten.
Kritik an Fesseln durch das Urheberrecht
Für die Kommunalpolitik ist das ein unhaltbarer Zustand. Oliver Hasskamp, stadtentwicklungspolitischer Sprecher der Gruppe FDP/UWG und FDP-Oberbürgermeisterkandidat, erklärt dazu in einer Mitteilung: „Der Rosenplatz zeigt exemplarisch, wie teuer es der Stadt zu stehen kommt, wenn sie sich bei Gestaltungswettbewerben dauerhaft an das Urheberrecht einzelner Architekten bindet. Die rote Einfärbung stammt aus dem Siegerentwurf von 2005, an dem die Architekten bis heute ein Urheberrecht besitzen. Deshalb muss die Fahrbahn optisch exakt dem damaligen Entwurf entsprechen, selbst wenn sich die Gestaltung technisch als Fehlkonstruktion erwiesen hat. Wir fordern schon seit Jahren, dass die Stadt bei künftigen Gestaltungswettbewerben konsequent auf einen Verzicht der Architekten auf ihr Urheberrecht besteht, damit solche technischen Mängel nicht wieder vorkommen und im Notfall behoben werden können.“
Forderung nach einem klaren Schnitt
Auch in der Rückschau zeigt sich, wie anfällig das gesamte Areal über die Jahre hinweg war. Wulf-Siegmar Mierke (UWG) verweist auf die Vorgeschichte des Platzes: „Nicht nur die Fahrbahn, sondern auch der Nebenbereich, zum Beispiel die Sitzflächen, waren schon nach kurzer Zeit marode und wurden über längere Zeit gesperrt. Es ist längst überfällig, darüber nachzudenken, das Urheberrecht vom Architekten abzukaufen, anstatt alle paar Jahre für viel Geld den Rosenplatz zu sanieren.“
Ob die Beschichtung nun halten wird und der Rosenplatz zur Ruhe kommt, bleibt abzuwarten.
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