Väter in Europa übernehmen vor allem flexible, interaktive Aufgaben der Kinderbetreuung wie das Spielen mit ihren Kindern, während zeitlich weniger flexible Versorgungstätigkeiten häufiger bei den Müttern liegen. Das zeigt eine Auswertung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) auf Basis von Daten des Generations and Gender Survey (GGS), die zudem Hinweise auf unterschiedliche Zusammenhänge zwischen einzelnen Betreuungsaufgaben und dem Wohlbefinden von Vätern liefert.
Väter in Europa beteiligen sich der Untersuchung zufolge bei der Kinderbetreuung vor allem an interaktiven und freizeitbezogenen Aufgaben wie dem Spielen mit den Kindern, die häufig zeitlich flexibel sind. Weniger flexible und stärker versorgende Tätigkeiten, etwa das Anziehen, die Essenszubereitung oder die Betreuung kranker Kinder, werden von Vätern seltener übernommen. Das geht aus einer Untersuchung hervor, die das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) auf Daten des Generations and Gender Survey (GGS) erstellt hat.
Deutliche Unterschiede zwischen interaktiven und versorgenden Aufgaben
Die Untersuchung ging der Frage nach, welche Aufgaben Väter ebenso häufig wie ihre Partnerinnen ausführen und sich in ähnlichem Maße an der Kinderbetreuung beteiligen. Dabei zeigte sich ein klares Muster: Bei interaktiven und freizeitbezogenen Tätigkeiten wie dem gemeinsamen Spielen, dem Zu-Bett-Bringen oder dem Organisieren von Freizeitaktivitäten gibt in allen untersuchten Ländern jeweils die Mehrheit der Väter an, diese Aufgaben mindestens ebenso häufig zu übernehmen wie ihre Partnerin. Besonders ausgeprägt ist dieses Muster beim Spielen: In sieben von neun Ländern ist dies die Aufgabe, die Väter mindestens ebenso häufig wie ihre Partnerinnen erledigen. Die entsprechenden Anteile variieren zwischen 68 Prozent in Deutschland und 95 Prozent in Norwegen.
Bei der Beteiligung von Vätern an versorgenden Tätigkeiten – etwa der Betreuung kranker Kinder, dem Anziehen der Kinder oder der Zubereitung von Mahlzeiten – zeigen sich hingegen deutliche Unterschiede zwischen den Ländern. Während in Norwegen 80 Prozent und in Finnland 67 Prozent der Väter berichten, kranke Kinder mindestens ebenso häufig zu betreuen wie ihre Partnerinnen, sind es in Tschechien nur etwa 29 Prozent und in Deutschland 42 Prozent. Auch bei anderen versorgenden Tätigkeiten liegen die Anteile in Deutschland im unteren Bereich des Ländervergleichs.
Zusammenhang mit der Lebenszufriedenheit von Vätern
Die Studie untersuchte zudem den Zusammenhang zwischen einzelnen Aufgaben der Kinderbetreuung und dem Wohlbefinden von Vätern. Väter, die nach eigenen Angaben mindestens so oft wie ihre Partnerinnen gemeinsam mit den Kindern spielen, berichten über eine höhere Lebenszufriedenheit. Die Betreuung kranker Kinder ist, wenn Väter diese Aufgabe mindestens ebenso häufig übernehmen wie ihre Partnerin, mit einer geringeren Lebenszufriedenheit verbunden.
Anforderungen und Rahmenbedingungen der Kinderbetreuung
„Versorgende Tätigkeiten sind häufig stärker an feste Zeiten gebunden und lassen sich schwerer mit Erwerbsarbeit vereinbaren“, erklärt Stefanie Hoherz, wissenschaftliche Mitarbeiterin am BiB und Mitautorin der Studie (Quelle: Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung). „Interaktive und freizeitbezogene Tätigkeiten bieten dagegen größere zeitliche Flexibilität und können häufiger außerhalb von klassischen Kernarbeitszeiten übernommen werden – etwa nach Feierabend oder am Wochenende.“
Die Ergebnisse verdeutlichen nach Angaben des Instituts, dass Kinderbetreuung nicht als einheitliche Tätigkeit verstanden werden könne. Vielmehr seien einzelne Aufgaben mit anderen Anforderungen verbunden und gingen – je nach Art der Tätigkeit – mit unterschiedlichen Mustern im Hinblick auf das Wohlbefinden von Vätern einher. Vor diesem Hintergrund gewinnen familienpolitische und arbeitsorganisatorische Rahmenbedingungen an Bedeutung. „Um eine ausgewogenere Verteilung der Kinderbetreuung zu fördern, sind insbesondere Rahmenbedingungen gefragt, die die Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit mit zeitgebundenen oder kurzfristig anfallenden Betreuungs- und Versorgungsaufgaben verbessern, etwa durch flexiblere Arbeitszeiten für Eltern“, erklärte Claudius Garten, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (Quelle: Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung).
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