Jeweils 23.000 Zuschauer an beiden Wettkampftagen im ausverkauften Nationalstadion von Gaborone/Botswana, weltweit Millionen vor den Bildschirmen. Die Staffel-Weltmeisterschaften, offiziell World Relays genannt, machten erstmals Station auf der Südhalbkugel. Polizeieskorte, Menschenmassen an den Straßen, Public Viewings – so etwas hatten die deutschen Leichtathleten noch nicht erlebt. Nicht ganz überraschende Erlebnisse: Botswana feiert sich als „Heimat des Langsprints“, Briefmarken und sogar Geldscheine sind geschmückt mit den erfolgreichen Athleten der vergangenen Jahre, Weltmeistern und Olympiasiegern.
Bronzemedaille für das deutsche Team
Welch ein Umfeld für ein Debüt in der deutschen A-Nationalmannschaft. Und Florian Kroll (LG Osnabrück) saugt die Stimmung auf, setzt sie in Leistung um. Im Halbfinale der 4×400 m-Mixedstaffel erzielt er auf seiner Teilstrecke die viertschnellste Zeit aller 22 Starter, lässt etliche höher eingeschätzte Stars der Szene mit deutlich besseren Bestzeiten hinter sich. 44,85 sec, Florian ist noch einmal schneller als im U23-EM-Finale von Bergen/Norwegen, als er mit einer unglaublichen Schlussrunde dem deutschen Team nicht nur die Bronzemedaille, sondern auch die Qualifikation für diese Staffelweltmeisterschaft rettete. Das Team mit Tyrel Prenz (Potsdam), Luna Bulmahn (Wolfsburg), Florian und als Schlussläuferin Eileen Demes (Neu-Isenburg) ist dennoch auf Platz sechs seines Halbfinals chancenlos auf der Jagd nach der WM-Fahrkarte für Peking 2027.
Starkes Debüt in der Nationalmannschaft
Einen Tag später greift man nach der nächsten Chance, Rang zwei im B-Finale würde reichen. Der Bundestrainer tauscht – bei den Frauen rücken Skadi Schier (Berlin) und Jana Lakner (Regensburg) ins Team. Eine gelungene Maßnahme. Florian kann zeitweise sogar die Führung übernehmen, verkauft sich teuer gegen Nigeria und Südafrika. Schlussläuferin Jana Lakner kann auf der Zielgerade noch einmal angreifen. Aber das nötige Quäntchen Glück bleibt aus. Platz drei. 22 Hundertstel fehlen zum Sieg, gar nur elf zur WM-Qualifikation. Und wann man erst kein Glück hat, kommt auch noch Pech dazu: Fünf Hundertstel fehlen nach starken 3:12,99 min zum Deutschen Rekord. Die Riesenenttäuschung vor Ort weicht in den Folgetagen nach und nach der Erkenntnis: Florian hat ein starkes Debüt in der Nationalmannschaft hingelegt und bewiesen, dass er zur Spitze des deutschen Langsprints zählt. Überzeugend seine Zielgeraden mit den abschließenden 100 m, die er in Weltklassezeiten zurücklegt und wie gewohnt Meter um Meter gutmacht. „Nach der Wintersaison zweifelten einige an Florians Spurtstärke, hier hat er sie einmal mehr eindrucksvoll unter Beweis gestellt“, freut sich Heimtrainer Anton Siemer über seinen Schützling, der erst als zehnter Osnabrück Athlet seit der Premiere 1921 das Nationaltrikot tragen durfte.
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