Richterbund meldet über 1,1 Millionen offene Fälle – besonders in Norddeutschland
Die Justiz in Deutschland kämpft mit einer immer größer werdenden Flut unerledigter Strafverfahren. Wie der Deutsche Richterbund (DRB) mitteilt, belief sich die Zahl der offenen Fälle bundesweit zur Jahresmitte 2026 auf mehr als 1,1 Millionen – ein Anstieg von 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Bundesgeschäftsführer Sven Rebehn warnte vor einer „Verfahrensflut bis zum Hals“ und forderte die Politik zum Handeln auf, wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet. Allein in Bayern stiegen die unerledigten Verfahren auf 89.773, nach 82.180 im Vorjahr.
Rekordzahl neuer Strafverfahren 2026 erwartet
Im ersten Halbjahr 2026 gingen dort 322.897 neue Fälle ein, rund 15.000 mehr als im selben Zeitraum 2025. Bundesweit rechnet der DRB mit über 5 Millionen neuen Verfahren für das Gesamtjahr 2026, was eine neue Höchstmarke bedeuten würde. Die Daten basieren auf einer Umfrage der „Deutschen Richterzeitung“ bei den Justizverwaltungen der Länder, wobei nur Verfahren gegen namentlich bekannte Beschuldigte berücksichtigt wurden.
Nordosten verzeichnet stärksten Anstieg offener Verfahren
Besonders betroffen sind Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. In Schleswig-Holstein stieg die Zahl der offenen Verfahren zwischen Juni 2025 und Juni 2026 um gut 43 Prozent, in Mecklenburg-Vorpommern um knapp 40 Prozent. Rheinland-Pfalz ist das einzige Bundesland, in dem die Zahl der unerledigten Fälle nicht gestiegen ist.
DRB warnt vor Strafverfolgung nach Kassenlage
Der DRB betont, dass die steigenden Eingangszahlen und die wachsenden Aktenbestände die Landesregierungen zum Gegensteuern veranlassen müssten, um den Eindruck einer „Strafverfolgung nach Kassenlage“ zu vermeiden. Seit Jahren zeigt die Entwicklung nur eine Richtung: nach oben. So gab es zum Jahresende 2020 noch 709.367 offene Strafverfahren in den Behörden, wie die „Welt“ berichtet.