Protest gegen Pflegereform: Pflegebett wird symbolisch zum Bundestag geschoben
Mit einer ungewöhnlichen Aktion machen Pflegekräfte auf die drohende Verschlechterung der Arbeitsbedingungen in der Altenpflege aufmerksam. Seit dem 30. August 2026 schieben Beschäftigte aus dem Pflegesektor ein Pflegebett über eine Strecke von 204 Kilometern von Magdeburg bis nach Berlin, wie die Gewerkschaft ver.di und die Arbeiterwohlfahrt mitteilen. Die mehrtägige Wanderung soll am 7. September vor dem Reichstagsgebäude enden, wo die Forderungen an die Politik übergeben werden. Die Route führt durch Sachsen-Anhalt und Brandenburg, mit Stationen in Burg, Genthin, Brandenburg an der Havel, Werder und Potsdam. Unterwegs sind Kundgebungen geplant, um auf die Sorgen der Branche hinzuweisen.
Pflegereform löst massive Kritik aus
Im Mittelpunkt der Proteste steht der Referentenentwurf des Pflegeneuordnungsgesetzes, der im Juni 2026 vorgelegt wurde. Die Initiatoren kritisieren, dass die geplante Reform unzureichend finanziert sei und Kürzungen bei Zuschüssen für Pflegebedürftige sowie die Aussetzung der Tariflohnpflicht vorsehe. Johannes Hermann von der Arbeiterwohlfahrt Sachsen betonte, dass an einer bedarfsgerechten Pflege nicht gespart werden dürfe. Sylvia Bühler, Mitglied im ver.di-Bundesvorstand, bezeichnete die geplanten Einsparungen als „armselig“ und forderte stattdessen eine solidarische Pflegegarantie sowie einen Finanzausgleich zwischen gesetzlicher und privater Pflegeversicherung. Zudem müssten versicherungsfremde Leistungen wie die Rentenversicherungsbeiträge für pflegende Angehörige aus Steuermitteln finanziert werden, wie ver.di in einer Pressemitteilung erklärte.
Pflegereform ab 2027 mit Budget-System geplant
Die Bundesregierung plant, die Pflegereform ab 2027 umzusetzen. Dabei sollen unter anderem die Verhinderungspflege als eigenständige Leistung abgeschafft und durch ein System aus vier Budgets ersetzt werden. Die Schwellenwerte für die Pflegegrade 1 bis 3 sollen angehoben werden, wie der Sozialverband VdK Ende August 2026 mitteilte. Für bestehende Einstufungen gilt jedoch Bestandsschutz, weshalb der Verband rät, Anträge auf Pflegegrade noch in diesem Jahr zu stellen. Das Bundesgesundheitsministerium erwartet durch die Reform Einsparungen von über 20 Milliarden Euro bis 2030.
Pflegekosten explodieren auf 3.364 Euro monatlich
Die Zahl der Pflegebedürftigen ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen: von 2,3 Millionen im Jahr 2010 auf 6,4 Millionen im Jahr 2025, wie ad-hoc-news.de berichtet. In der stationären Pflege stieg die Zahl der Betroffenen von 700.000 auf 820.000. Die durchschnittliche Zuzahlung in einem Pflegeheim liegt im ersten Jahr bei monatlich 3.364 Euro. Die Gewerkschaft ver.di fordert daher eine Vollversicherung, die alle pflegebedingten Kosten abdeckt, um die finanzielle Belastung für Betroffene und Kommunen zu verringern.
Proteste gegen Pflegereform zeigen erste Wirkung
Der Protestmarsch wird von verschiedenen Akteuren des Gesundheits- und Sozialwesens unterstützt. Neben ver.di sind auch Vertreter der Arbeiterwohlfahrt beteiligt. Die Organisatoren hoffen, durch die Aktion politischen Druck auf die Entscheidungsträger in Berlin auszuüben und eine grundlegende Überarbeitung der Reformpläne zu erreichen. Hans-Jürgen Schneider, Mitinitiator der Aktion, zeigte sich zuversichtlich, dass die Proteste bereits erste Erfolge zeigen: So soll die geplante Kürzung der Rentenversicherungsbeiträge für pflegende Angehörige vorerst vom Tisch sein.