In Nordrhein-Westfalen steigen die Krankenhausaufenthalte nach Kokainkonsum. Gleichzeitig hat sich die Zahl der kokainbezogenen Straftaten in den letzten zehn Jahren verdreifacht, wie der WDR nach einer Datenerhebung des Radiosenders 1LIVE berichtet. Die Polizei registrierte 2025 rund 7.500 Delikte.
Starker Anstieg in mehreren Städten
Besonders betroffen sind Hagen, Köln und Dortmund mit den meisten Krankenhausaufenthalten pro 100.000 Einwohner. In Duisburg verachtfachte sich die Zahl der Fälle innerhalb von zehn Jahren, in Krefeld und Leverkusen versiebenfachte sie sich. Herford verzeichnet als einzige Stadt einen Rückgang.
Barbara Schneider, Chefärztin der Abteilung Abhängigkeitserkrankungen, Psychiatrie und Psychotherapie an der LVR-Klinik in Köln, führt den Anstieg unter anderem auf die höhere Verfügbarkeit der Droge zurück. „Die Substanz muss immer verfügbar sein, sonst kann man nicht von ihr abhängig werden“, so Schneider.
Kokain als Alltagsdroge
Felix Strobach, Bereichsleiter der Jugendsuchtberatung der Drogenhilfe Köln, beschreibt Kokain als normale Partydroge oder Alltagsdroge. „Das ist mittlerweile eine ganz normale Partydroge oder auch in vielen Fällen eine ganz normale Alltagsdroge.“
Er beobachtet zudem eine unbedachte Herangehensweise der Konsumenten an die Risiken. "Unsere Wahrnehmung ist, dass tatsächlich viele Menschen da sehr unbedarft rangehen. Das heißt, das wirklich anders einschätzen als andere Substanzen". Die euphorisierende Wirkung steht für viele im Vordergrund. "Da geht`s viel um intensive Spaßerfahrung, also Hochgefühle, auch darum einen Ausgleich zu schaffen zu Frustration und Stress im Alltag. Das beobachten wir generell hier auch in vielen Beratungsgesprächen, dass ein hoher Leistungsdruck besteht."
Polizeistatistik zeigt deutlichen Anstieg
Nach Angaben der Polizeilichen Kriminalstatistik, veröffentlicht im April 2026, erfasste die Polizei 2025 rund 7.500 Straftaten im Zusammenhang mit Kokain und Crack – dreimal so viele wie vor zehn Jahren. Die Statistik umfasst Besitz, Handel, Herstellung und Schmuggel.
Von 2022 auf 2023 stieg die Zahl der Delikte um 25 Prozent. Nach Angaben des Landeskriminalamts NRW hat die Entwicklung mehrere Gründe: Zum einen kontrolliert die Polizei verstärkt, zum anderen ist Kokain zunehmend verfügbar. Ob es zu Verurteilungen kommt, geht aus den Zahlen nicht hervor.