BKA registriert steigende Tötungsdelikte und Einsatz von Jugendlichen in kriminellen Netzwerken.
Die Gewalt im Bereich der Organisierten Kriminalität (OK) hat 2025 deutlich zugenommen. Das geht aus dem aktuellen Bundeslagebild des Bundeskriminalamts (BKA) hervor, wie der Spiegel berichtet. Demnach wurden im vergangenen Jahr 20 vollendete Tötungsdelikte und 100 Fälle vollendeter Körperverletzung erfasst – ein Anstieg gegenüber den 13 Tötungsdelikten und 77 Körperverletzungen des Vorjahres. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) warnte bei der Vorstellung der Zahlen vor einer neuen Qualität der Kriminalität: Gewalt werde zunehmend als Dienstleistung angeboten, das sogenannte »Crime as a Service« werde zur Regel. Auftraggeber und Ausführende träten dabei oft nicht in direkten Kontakt, so Dobrindt.
Minderjährige als Wegwerftäter im OK-Netzwerk
Besonders besorgniserregend sei der Einsatz von Minderjährigen als sogenannte Wegwerftäter, wie auch die Zeit berichtet. Laut BKA sind unter den angeheuerten Tätern sogar 13-Jährige. Kriminelle Netzwerke agierten zudem stärker digital vernetzt und international, wobei Aufträge für Gewalttaten in Deutschland häufig aus dem Ausland über verschlüsselte Kanäle in sozialen Medien vermittelt würden. BKA-Präsident Holger Münch betonte, dass nicht mehr nur die Frage im Raum stehe, wer die Tat begangen habe, sondern auch, wer sie bestellt, vermittelt oder finanziert habe. Spuren zu den Drahtziehern führten demnach vom Westbalkan bis nach Südamerika und in Luxusresorts wie Dubai.
Rekordzahl an OK-Ermittlungen und wachsender Schaden
Die Zahl der Ermittlungsverfahren gegen OK-Gruppierungen stieg 2025 auf 683, der höchste Stand seit 2021. Die Zahl der Tatverdächtigen nahm um mehr als 13 Prozent auf 7988 zu, der erfasste Schaden belief sich auf 2,78 Milliarden Euro. Zum dritten Mal in Folge stieg zudem der Anteil der bewaffneten Tatverdächtigen auf 5,8 Prozent. Insgesamt wurden im OK-Kontext 556 Waffen aufgefunden, drei Viertel davon illegal. Rauschgiftkriminalität machte erneut den größten Anteil der OK-Verfahren aus.
Brutalität und Kokainflut prägen deutsche OK-Lage
Dobrindt sprach von einer »Kokainflut« in Deutschland und verwies auf einen gemeinsamen Aktionsplan mit dem Justiz- und Finanzministerium, um die OK beim Geld zu treffen. Der MDR berichtet zudem von einer Serie von Explosionen und Schüssen im Raum Köln als Beispiel für die zunehmende Brutalität krimineller Banden. Auch hier wurden Minderjährige für Gewalttaten rekrutiert. BKA-Chef Münch ergänzte, dass eine neue Tätergeneration Macht und Gewalt zunehmend in sozialen Medien inszeniere, was die Ermittlungen erschwere.