SPD-Fraktionschef Matthias Miersch sieht angesichts des anhaltenden Konflikts zwischen den USA und dem Iran mögliche Störungen ganzer Wertschöpfungsketten. Er hält eine wirtschaftliche Notlage in Deutschland für denkbar und diskutiert staatliche Eingriffe wie Preisdeckel oder verlängertes Kurzarbeitergeld.
Staatliche Eingriffe bei Zuspitzung denkbar
"Ich denke dabei nicht nur an die Benzinpreise, sondern an die Störung ganzer Wertschöpfungsketten", sagte Miersch den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. „Es ist denkbar, dass unsere Versorgung mit Grundstoffen wie Helium schwer gestört wird. Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass wir in eine wirtschaftliche Notlage hineinschlittern.“ Es besorgt ihn, dass offenbar nicht nur die Handelswege in der Straße von Hormus gestört sind, sondern auch darüber hinaus.
In einem solchen Fall müsste der Staat notfalls erneut massiv in die Wirtschaft eingreifen und die Bürger vor stark steigenden Energiepreisen schützen. Miersch will zwar keine Szenarien an die Wand malen, doch er hält es für denkbar, dass der Staat etwa mit massiver wirtschaftlicher Unterstützung in bestimmten Schlüsseltechnologien eingreifen muss. "Ich halte es aber für denkbar, dass der Staat etwa mit der massiven wirtschaftlichen Unterstützung in bestimmten Schlüsseltechnologien eingreifen muss. Das könnte zum Beispiel auch das Kurzarbeitergeld betreffen, mit dem wir gut durch Krisen gekommen sind". Die Bundesregierung hatte die maximale Bezugsdauer des Kurzarbeitergeldes wegen der anhaltenden Wirtschaftsschwäche bereits bis zum 31. Dezember 2026 auf bis zu 24 Monate verlängert. Danach gilt wieder die reguläre Bezugsdauer von zwölf Monaten.
Preisdeckel für Kraftstoffe im Raum
Auch einen Preisdeckel auf Kraftstoffe schließt der SPD-Fraktionschef nicht aus. "Trotz aller Diskussionen war der Tankrabatt ein Erfolg – die Preise sind gesunken", so der Fraktionsvorsitzende der Sozialdemokraten. Gegen hohe Spritpreise halte er "einen Preisdeckel wie in Luxemburg für denkbar". In Luxemburg legt das Wirtschaftsministerium regelmäßig landesweite Höchstpreise für Benzin und Diesel fest. Tankstellen dürfen diese Preise nicht überschreiten, wohl aber günstiger anbieten.
Miersch wollte sich allerdings nicht festlegen, wie neue Hilfen dann finanziert werden sollen. "Das muss man dann sehen. In der Vergangenheit haben wir in einer wirtschaftlichen Notlage die Ausnahmeregelungen genutzt, die das Grundgesetz dafür vorsieht". Zugleich sagte der SPD-Politiker, er wolle "jetzt keine Debatte darüber lostreten, dass ich neue Schulden fordere". Sollte sich die Lage jedoch zuspitzen, müsse der Staat handeln. "Es kann zu einer Situation kommen, in der wir abwägen müssen und sagen: Wir können nicht sehenden Auges die Wirtschaft einfach in den Ruin laufen lassen, sondern wir müssen gegensteuern. Gleiches gilt, wenn wir die Bevölkerung vor stark gestiegenen Energiepreisen schützen müssen. Da kann sich der Staat nicht raushalten."
Gleichzeitig warnte er allerdings vor Übertreibungen: "Wir haben aktuell Wirtschaftswachstum, das will ich nicht kleinreden. Mir geht es um Vorsorge für den Fall, dass sich die Lage zuspitzt, nicht um Alarmismus."