Beim 35. Regenwalder Heimattreffen in Melle haben Bürgermeisterin Jutta Dettmann und ihr Amtskollege Piotr Ćwikła aus dem polnischen Łobez für Erinnerung und Völkerverständigung geworben. Im Mittelpunkt stand eine Feierstunde am „Stein der Regenwalder“ im Grönenbergpark.
Die Zusammenkunft erinnert an Menschen, die nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Heimat im früheren Kreis Regenwalde verloren. Zur polnischen Delegation gehörten neben dem Bürgermeister auch der Stadtratsvorsitzende Henryk Stankiewicz und Ratsmitglied Jarosław Sowiński. Die Verbindung zwischen Melle und Łobez soll nach dem Willen der Bürgermeister weiter wachsen, wie die Stadt Melle mitteilt.
Melle und Łobez wollen Verständigung vertiefen
Dettmann warnte in ihrer Ansprache davor, die Folgen von Nationalismus, Diktatur und Krieg zu vergessen. Die Erinnerung an Flucht, Vertreibung und den Holocaust müsse bewahrt werden, gerade weil immer weniger Zeitzeugen aus eigener Erfahrung berichten könnten. „Denn wir sind nicht zur Wiederholung der Geschichte verdammt“, sagte die Bürgermeisterin. Die Geschichte der Vertriebenen solle auch nachfolgenden Generationen vermittelt werden.
Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs sei eine Annäherung über frühere Grenzen hinweg möglich geworden, erklärte Dettmann. Sie begrüßte die Kontakte zwischen Melle und Łobez, die nach ihren Worten schrittweise ausgebaut werden sollen. Ćwikła betonte, die Geschichte des ehemaligen Kreises Regenwalde gehöre auch zur Geschichte seiner heutigen Stadt und Region. Mit ihr respektvoll umzugehen, sei ein Bestandteil gegenseitigen Verständnisses.
Der polnische Bürgermeister würdigte die Heimattreffen als gelebte Erinnerung: „Sie sind Beweis dafür, dass Erinnerung lebendig bleibt und von Generation zu Generation weitergegeben werden kann.“ Die Begegnung mit Menschen, deren Familiengeschichten mit Łobez verbunden seien, habe für ihn einen besonderen Wert.
Andacht im Grönenbergpark erinnert an Flucht
Zu Beginn der Feierstunde schlug Pastorin Sigrid ten Thoren von der St.-Petri-Kirchengemeinde in einer Andacht einen Bogen zwischen den Erfahrungen der nach 1945 Vertriebenen und dem Schicksal heutiger Geflüchteter. Sie rief laut Mitteilung der Stadt zu Mitgefühl, Versöhnung und Verantwortung für den Frieden auf.
Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung vom gemeinsamen Posaunenchor der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden St. Petri und Paulus Melle unter der Leitung von Ursula-Maria Busch. Zum Abschluss des offiziellen Teils legten Dettmann und Michael Graf von der Schulenburg als Vertreter der Regenwalder zwei Kränze am Gedenkstein nieder. Anschließend sangen die Teilnehmer gemeinsam das „Pommernlied“.