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Startseite AktuellMehr Ausbildungsstellen, weniger Bewerber: Die Zahlen zum Ausbildungsjahr 2018/19 in Osnabrück
AktuellOsnabrück

Mehr Ausbildungsstellen, weniger Bewerber: Die Zahlen zum Ausbildungsjahr 2018/19 in Osnabrück

von Maurice Guss 14. November 2019
von Maurice Guss 14. November 2019
V.l.n.r: Eckhardt Lammers (Stellvertretender Hauptgeschäftsführer / Geschäftsbereichsleiter Aus- und Weiterbildung, IHK Osnabrück - Emsland - Grafsschaft Bentheim), Harald Schlieck (Stellvertretender Hauptgeschäftsführer / Geschäftsführer Berufliche Bildung, HWK Osnabrück - Emsland - Grafschaft Bentheim), Christiane Fern (Vositzende der Geschäftsleitung der Agentur für Arbeit Osnabrück), Lars Hellmers (Vorstand des Jobcenters "Maßarbeit", Landkreis Osnabrück) und Nicole Anell (Geschäftsführerin des Jobcenters der Stadt Osnabrück) präsentieren die Zahlen des Ausbildungsjahres 2018/19
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Drei Stellen, zwei Bewerber – mit dieser Relation lässt sich der Ausbildmarkt des Jahres 2018/19 im Agenturbezirk Osnabrück darstellen. Damit setzen sich zwei gegenläufige Trends der vergangenen Jahre fort.

Erneut meldeten sich im vergangenen Ausbildungsjahr weniger junge Menschen für eine Ausbildungsstelle. Dem gegenüber stehen erstmalig über 5.000 Ausbildungsstellen, deutlich mehr als zuvor. Dennoch zeigt sich Christiane Fern, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Osnabrück sehr zufrieden, sieht zugleich aber auch Verbesserungspotenzial: „Die Chancen für junge Menschen, ihre gewünschte Ausbildungsstelle zu bekommen, stehen sehr gut. Zugleich erkennen wir natürlich auch in nahezu allen Bereichen einen Bewerbungsmangel.“

Die Zahlen zum Ausbildungsjahr

Mehr Stellen, weniger Bewerber: Um vier Prozent auf 5.129 wuchs im vergangenen Ausbildungsjahr die Zahl gemeldeter Ausbildungsstellen im Agenturbezirk. Einen Grund für die Zunahme sieht Fern in der Prognose der Schulentlasszahlen: „Im nächsten Jahr erwarten wir eine Abnahme der Schulentlasszahlen um etwa ein Drittel. Daher ist durchaus vorstellbar, dass viele Ausbildungsstellen vorsorgen wollten.“ Trotzdem sank die Zahl der Bewerber um sieben Prozent auf 3.387. Diese ideale Position nutzten schließlich 1.688 junge Menschen (minus elf Prozent) für den Einstieg in die Ausbildung. Die Zahl unversorgter Bewerber sank um sieben auf 98 Personen, weitere Bewerber entschlossen sich zum weiteren Schulbesuch oder ein soziales, bzw. Auslandsjahr. Die Zahl unbesetzter Ausbildungsstellen sank ebenfalls – um etwa ein Drittel auf 257. Jeder vierte Bewerber verfügt zudem über die Fachhochschul- oder Hochschulreife, je 60 Prozent aller Bewerber sind männlich oder unter 20 Jahre alt.

Jugendlichen mit Migrationshintergrund benötigen bessere Sprachkompetenzen

„Der Ausbildungsmarkt bietet sehr gute Chancen für junge Menschen. Unsere Aufgabe ist es nun, die Jugendlichen bereits in ihren Schulen zu begegnen“, erklärt Fern. Insbesondere benachteiligte Jugendliche sollen in Zukunft besser unterstützt werden. Ein Problem bleibt die Vermittlung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund. „Wir haben 565 Bewerber mit Migrationshintergrund, 285 davon stehen im Kontext von Fluchtmigration. Vielen davon fehlen notwendige Sprachkompetenzen im Bereich der Bildungs- und Fachsprache. Wichtig ist, dass diese Kompetenzen vor der Berufsausbildung erlangt werden“, fordert Harald Schlieck, Stellvertretender Hauptgeschäftsführer / Geschäftsführer Berufliche Bildung der  Handwerkskammer Osnabrück – Emsland – Grafschaft Bentheim, deshalb.

Azubi-Card in der Zukunft?

Zugleich weist Christiane Fern auf Unterschiede in der Relation zwischen Stellen und Bewerbern in der Region hin: „In Bersenbrück und Melle können nahezu alle Stellen besetzt werden, in Osnabrück und Georgsmarienhütte dagegen nicht einmal ein Drittel.“ Ein Lösungsansatz dazu wäre das Azubi-Ticket. Eckhardt Lammers, stellvertretender Hauptgeschäftsführer / Geschäftsbereichsleiter Aus- und Weiterbildung der Industrie- und Handelskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim, meint dazu: „Die Auszubildenden sind immer mehr auf den öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) angewiesen, wenn eine Ausbildungsstelle weiter entfernt liegt. Die Einführung eines Azubi-Tickets wäre daher wünschenswert, die Landesregierung nennt dazu allerdings keinen konkreten Zeitpunkt.“ Vorbild eines Tickets, mit dem das Nutzen des ÖPNV günstiger werden soll, sei Hessen: „Dort zahlen Azubis 365€ im Jahr für ein solches Ticket“, erklärt Lammers. Harald Schlieck geht noch einen Schritt weiter: „Für die Gleichstellung der Azubis mit Studenten wäre eine Azubi-Card, die Vergünstigungen in kulturellen Angeboten oder Bahnfahren beinhaltet, fair.“

Kontakt in Schulen suchen

Um in den kommenden Jahres die ungebrochen hohe Ausbildunsbereitschaft zu nutzen, sei zum einen mehr Kompromissbereitschaft bei Arbeitgebern und Bewerbern erforderlich. Desweiteren sieht Christiane Fern mehrere Verbesserungspunkte: „Neben der Verbesserung der Mobilität steht insbesondere die Förderung von jungen geflüchteten Frauen und die Beratung in Schulen in den nächsten Jahren im Vordergrund.“ Nur 17 Prozent der geflüchteten Bewerber sind weiblich, für Fern dramatische Zahlen: „Das kann nicht sein, dort müssen wir einen besseren Kontakt herstellen.“ Um in Zukunft generell mehr Bewerber für Ausbildungsplätze zu finden, plant Fern bereits in achten Klassen den Kontakt zu suchen. „Der Eltern- und Orientierungsarbeit kommt eine immense Bedeutung in den nächsten Jahren zu. Wir müssen insbesondere die Möglichkeiten der dualen Ausbildung frühstmöglich vermitteln“, erklärt sie. Ein Konzept zur Verbesserung soll die „gestufte Ausbildung“ ab Februar 2020 darstellen, die in den Bereichen Metall-, Bauberufe, Gastronomie, Handel und Lagerlogistik angeboten werden soll.

„Neustart 49“ mit 47 Jugendlichen

„Neustart 49“ richtet sich nach einem von der Stadt Offenburg abgeschauten Konzept, in dem „Problemfälle“ stärker vor und während ihrer Ausbildung begleitet werden sollen. Bereits bei der Suche nach einem geeigneten Studienplatz werde in Zukunft mehr Unterstützung angeboten, folgen soll im Optimalfall nach einer zweijährigen Grundausbildung der Abschluss in einem anerkannten Vollberuf nach weiteren ein(einhalb) Jahren. Fern dazu: „Das Projekt zeigt in Offenburg große Wirkung. 90 Prozent der Zielgruppe haben dort die Fachstufe der Ausbildung abgeschlossen. Wichtig ist, dass die Jugendlichen sich zum Mitwirken verpflichten und Disziplin zeigen, die Betriebe zugleich die Chance auf eine vollständige Beufsausbildung garantieren.“ Harald Schlieck sieht den größten Vorteil der „gestaffelten Ausbildung“ im Faktor Zeit: „Viele wissen gar nicht, dass eine Grundausbildung in einigen Bereichen bereits nach zwei Jahren abgeschlossen ist. Wenn wir den Jugendlichen dies vor Augen führen, schützen wir einige vor der Arbeitslosigkeit. Das Ziel ist natürlich dennoch, dass die jungen Leute auch die Fachstufe erfolgreich abschließen.“ Start der „gestuften Ausbildung“ ist am 1. Februar 2020 mit 47 Jugendlichen. Aus Erfahrungen sei geschätzt worden, dass schließlich etwa 28 davon am 1. August 2020 in ihre Ausbildungszeit starten.

Noch zuvor haben ausbildungsplatzlose Bewerber die Möglichkeit, in der Nachvermittlungszeit bis Ende Dezember einen der freien Ausbildungsplätze zu egattern.

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Maurice Guss

Maurice Guss absolvierte im Herbst 2019 ein Praktikum bei der HASEPOST. Im Anschluss berichtete er zunächst als freier Mitarbeiter über spannende Themen in Osnabrück. Seit 2021 arbeitet er fest im Redaktionsteam und absolviert ein Fernstudium in Medien- und Kommunikationsmanagement. Nicht nur weil er selbst mehrfach in der Woche auf dem Fußballfeld steht, berichtet er besonders gerne über den VfL Osnabrück.

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