Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) verlangt zum Schutz von Jugendlichen strenge Vorgaben für soziale Medien. Bundessprecher Jakob Maske warnt vor gesundheitlichen und gesellschaftlichen Folgen und fordert politisches Handeln.
Forderung nach politischen Maßnahmen
"Dass Social Media gerade junge Menschen krank und dumm macht, ist längst erwiesen. Die Bundesregierung und der neue Gesundheitsminister Linnemann müssen endlich handeln“, sagte Jakob Maske, Bundessprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.
"Es gibt längst die Möglichkeit, national Bedingungen für Plattformen zu setzen. Die Engländer machen es vor. Es geht um die Zukunft unserer Kinder und damit unserer Gesellschaft". "Kluge Vorschläge liegen auf dem Tisch. Jetzt müssen sie ohne falsche Rücksichtnahme auf die mächtigen Konzerne beschlossen werden."
Probleme in der Praxis und Elternverantwortung
In seiner Praxis beobachtet Maske eine zunehmende Verschärfung der Probleme: Kinder könnten sich der Beeinflussung auf Plattformen kaum entziehen, und Jugendlichen sei es fast nicht mehr möglich, sich eine freie Meinung zu bilden. Die Fälle risikobehafteter Bildschirmnutzung steigen.
Schuld daran sei auch "ein gravierendes Elternversagen, was Social Media und Bildschirmnutzung angeht", so Maske. "Wenn ich ins Wartezimmer schaue, kleben dort Eltern und Kinder an ihren Smartphones. Schon Kleinkinder haben Kopfhörer auf und ein Tablet vor der Nase. Es gibt leider einen enormen Trend, noch kleinere Kinder mit den Geräten abzulenken, damit sie still sind."
"Es gibt Spiele wie Roblox, das ist ab 16, wo die Nutzer ihre eigenen Räume bauen. Da können auch Kinder reingeraten und bekommen Dinge zu sehen, die sie als Erwachsener nicht sehen wollen. Das ist verdammt verstörend".
Allerdings könne die Politik die Eltern mit den Problemen auch nicht alleinlassen. "durchaus offen für ein Verbot von Social Media, etwa bis 14 Jahren". Das könne ein Baustein sein, aber das reiche nicht. In Australien sei zu beobachten, dass acht von zehn Jugendlichen das Verbot umgehen und die Anwendungen trotzdem nutzen. Auch Voreinstellungen am Handy könne jeder einigermaßen pfiffige Jugendliche rasch umgehen. "Am Ende braucht es schlicht harte Regeln für die Betreiber."