Erstes Jahrhundert-Ereignis über dem Festland: Jubel und Applaus bei totaler Verdunkelung
Millionen Menschen haben in Spanien die erste totale Sonnenfinsternis über dem Festland seit mehr als einem Jahrhundert verfolgt. Als der Mond die Sonne vollständig verdeckte, brach an vielen Orten Jubel, Applaus und Freudentränen aus. Die junge Astronautin Sara García beschrieb das Erlebnis dem spanischen Fernsehsender RTVE als „eines der schönsten Erlebnisse meines Lebens“ und betonte, sie habe eine Gänsehaut bekommen. Eine Frau bei der Ebro-Sternwarte in Katalonien nannte die totale Phase „sehr kurz, aber unbeschreiblich schön“. Die totale Verdunkelung dauerte je nach Standort zwischen 30 Sekunden und knapp zwei Minuten, wie die Süddeutsche Zeitung und die Morgenpost berichten.
Touristenstrom überflutet ländliches Spanien
Das Naturereignis löste bereits Tage zuvor eine beispiellose Reisewelle aus. Hunderttausende Menschen aus dem In- und Ausland machten sich auf den Weg in die rund 300 Kilometer breite Totalitätszone, die sich von Galicien bis zu den Balearen erstreckte. Hotels waren vielerorts seit Monaten ausgebucht, und Privatleute vermieteten Balkone und Dachterrassen mit freier Westsicht für mehrere Hundert Euro. Besonders profitierte die sogenannte „España vacía“, das dünn besiedelte ländliche Spanien, das sonst selten im Fokus des internationalen Tourismus steht, wie die Süddeutsche Zeitung und das Handelsblatt übereinstimmend melden.
Sonnenfinsternis zieht spektakulären Pfad
Die totale Sonnenfinsternis begann gegen 19.00 Uhr in Nordsibirien und zog dann in einem Bogen über Grönland und Island bis nach Spanien. In A Coruña im Nordwesten verschwand die Sonne um 20.27 Uhr und 41 Sekunden hinter dem Mond. Der Kernschatten zog anschließend über Kastilien und León, Aragón, Valencia bis zu den Balearen. Weil die Sonne bereits tief am Horizont stand, pilgerten viele zu Stränden, Anhöhen oder eigens eingerichteten Beobachtungsplätzen, um freie Sicht zu haben. Auf Mallorca sorgte der Andrang bereits am Morgen für Staus und gesperrte Zufahrten, wie die Morgenpost und nw.de berichten.
Deutschland erlebt partielle Verdunkelung
In Deutschland wurde die Sonnenfinsternis als partielle Verdunkelung mit einer Abdeckung von 85 bis 90 Prozent beobachtet. Der Himmel war weitgehend wolkenlos, und an vielen Orten wie dem Münchner Olympiapark, dem Feldberg in Hessen oder dem Planetarium in Berlin versammelten sich Schaulustige. Die Polizei in Berlin sprach von rund 3.000 Menschen, und über Dresden schwebten mindestens sechs Heißluftballons, wie die Süddeutsche Zeitung und das Handelsblatt übereinstimmend berichten. Ohne spezielle Schutzbrillen konnte ein Blick in die Sonne die Augen stark schädigen, warnte Daniela Weiskopf vom Bundesamt für Strahlenschutz.
Spanien setzt Millionen Brillen ein
Die spanische Regierung hatte sich monatelang auf das Ereignis vorbereitet. Zwei Millionen zertifizierte Schutzbrillen wurden kostenlos verteilt, und mehr als 33.000 Beamte von Polizei und Guardia Civil waren im Einsatz. Zugleich bereiteten die hohe Waldbrandgefahr und die Trockenheit den Einsatzkräften Sorgen, wie das Handelsblatt berichtet. Größere Zwischenfälle wurden zunächst weder aus Spanien noch aus Deutschland gemeldet, doch Staus und Verkehrsbehinderungen gab es vielerorts.