Die baden-württembergische IG-Metall-Chefin Barbara Resch erteilt längeren Arbeitszeiten und materiellen Einschnitten zur Bewältigung der Krise in der Autoindustrie eine Absage. Statt auf ein Senken der Arbeitskosten setze die Gewerkschaft auf gemeinsame Lösungen zur Sicherung von Beschäftigung und Ausbildung, wie Resch im Interview mit dem Fachdienst „Tagesspiegel Background“ deutlich machte.
IG Metall stellt sich gegen längere Arbeitszeiten
Barbara Resch
In der Metall- und Elektroindustrie Baden-Württembergs sind seit 2019 rund 75.000 Arbeitsplätze gestrichen worden, der Großteil davon in der Autoindustrie. Zuletzt hatte die Mercedes-Führung mit der Forderung nach einer Erhöhung der Wochenarbeitszeit um fünf auf 40 Stunden bei unverändertem Gehalt die IG Metall konfrontiert. Resch sagte dazu laut „Tagesspiegel Background“, auch bei Mercedes würden Schichten und Arbeitszeiten aufgrund der schwachen Nachfrage reduziert. Eine Verlängerung der Arbeitszeit passe nicht als Anti-Krisenmaßnahme in die Zeit, schlussfolgerte die Gewerkschafterin. Sie räumte ein: „Wir haben uns alle zu lange auf den Erfolgen ausgeruht.“
Druck in der Branche und Rolle der IG Metall
Die Branche werde die Krise überwinden, wenn alle gemeinsam nach Lösungen suchten. „Um aus der Grütze rauszukommen, wäre auch die IG Metall zu einem weiteren Beitrag für einen Übergangszeitraum bereit – sofern es eine große, gemeinsame Anstrengung gebe“, wird Resch von „Tagesspiegel Background“ zitiert. Diese gemeinsame Anstrengung sehe sie derzeit aber nicht.
Tarifverhandlungen mit Fokus auf Beschäftigungssicherung
Im Herbst wird Resch voraussichtlich die Tarifverhandlungen aufseiten der IG Metall führen. Dabei stehe die Beschäftigungssicherung und nicht die Erhöhung der Einkommen im Vordergrund. „Wir merken schon eine Verschiebung in der Haltung unserer Leute zugunsten sicherer Arbeits- und Ausbildungsplätze“, sagte die Gewerkschafterin dem „Tagesspiegel Background“. Deshalb werde man darüber reden, was machbar sei, um Arbeitsplätze abzusichern.
