Der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Udo Dinglreiter, warnt vor einer „dramatischen Lage“ in der deutschen Metall- und Elektroindustrie. Seit 2019 seien rund 300.000 Arbeitsplätze verloren gegangen, und es droht nach seinen Worten ein weiterer massiver Stellenabbau. Zugleich kritisiert er die Standortbedingungen in Deutschland und äußert Skepsis gegenüber einem von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) geplanten Treffen mit den Sozialpartnern.
Hunderttausende Arbeitsplätze in Gefahr
Gesamtmetall-Präsident Udo Dinglreiter sieht die Metall- und Elektroindustrie in Deutschland in einer tiefen Krise. Seit 2019 habe die Branche rund 300.000 Jobs abgebaut und liege jetzt unter 3,8 Millionen, sagte er dem „Handelsblatt“. Man laufe Gefahr, weitere 300.000 zu verlieren. „Das wären dann noch weniger Arbeitsplätze in der M+E-Industrie als zum tiefsten Stand nach der Wiedervereinigung“, so Dinglreiter laut „Handelsblatt“.
Besonders kritisch bewertet Dinglreiter die Entwicklung im internationalen Wettbewerb. Er verweist darauf, dass die Rahmenbedingungen am Standort Deutschland aus Sicht der Unternehmen zunehmend unter Druck geraten.
Chinesische Investitionen und neue Konkurrenz
Besorgniserregend für Deutschland könnten nach den Worten Dinglreiters die zuletzt deutlich gestiegenen chinesischen Investitionen in die EU sein. Der Großteil fließe nicht nach Deutschland, sondern in andere EU-Länder, sagte er dem „Handelsblatt“. So entstünden die Arbeitsplätze nicht hier, dafür aber neue Wettbewerber mit günstigeren Konditionen und Marktzugang.
Die Folge sei eine Verschärfung des Wettbewerbs, ohne dass Deutschland in gleichem Umfang von neuen Investitionen und Beschäftigung profitiere.
Skepsis gegenüber Treffen im Kanzleramt
Das von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) angesetzte Treffen mit den Sozialpartnern am 10. Juni betrachtet der Gesamtmetall-Präsident mit Skepsis. Gegenüber dem „Handelsblatt“ erklärte Dinglreiter, das Treffen sei nur sinnvoll, wenn alle Parteien echten Lösungswillen hätten. Wenn nicht, verliere man nur wertvolle Zeit.
Dinglreiter betonte laut „Handelsblatt“, es sei dringende Aufgabe der Koalition, jetzt ein Paket umzusetzen, das die Wettbewerbsfähigkeit verbessert. Andernfalls würden weiter Arbeitsplätze abgebaut, mehr Prozesse verlagert, weniger Steuern und Sozialabgaben bezahlt – „das sei eine Spirale nach unten“, warnte Dinglreiter.
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