Für die Osnabrückerin Petra Berger war die Maiwoche einst ein fester Termin im Kalender. Gemeinsam mit Freundinnen und Freunden zog es die Seniorin Jahr für Jahr in die Innenstadt – zum Schlendern, Musikhören und gemütlichen Beisammensein. Doch diese Zeiten, sagt sie, seien vorbei. Heute fühle sie sich auf dem traditionsreichen Stadtfest nicht mehr angesprochen. „An uns Ältere denkt niemand“, beklagt sie im Gespräch mit unserer Redaktion.
„Nur noch Remmidemmi“
Besonders die musikalische Ausrichtung der Maiwoche stößt bei der Rentnerin auf Kritik. „Das ist alles nur noch Remmidemmi. Wir Älteren wollen unsere Musik auch gern wieder bei der Maiwoche hören.“ Früher habe das Fest eine andere Atmosphäre gehabt – familiärer, ruhiger und gemütlicher. Heute dominierten aus ihrer Sicht Bands, die vor allem auf ein junges Publikum zugeschnitten seien.
Auch insgesamt habe sich der Charakter der Veranstaltung verändert. „Es ist nur noch eine Fress- und Saufveranstaltung“, sagt Berger. Hinzu kämen aus ihrer Sicht stark gestiegene Preise. Sie fragt sich: „Wie soll man sich mit einer mickrigen Rente noch eine Bratwurst auf der Maiwoche leisten?“
Fehlende Sitzplätze und schwierige Wege
Doch nicht nur das Programm sorgt bei älteren Besucherinnen und Besuchern für Frust. Petra Berger kritisiert auch die Bedingungen vor Ort. Mit Rollatoren oder Rollstühlen komme man vielerorts nur schwer voran. Besonders die Sperrung des Herrenteichswalls während der Maiwoche sei für Menschen mit eingeschränkter Mobilität problematisch. „Dort ist kein Durchkommen, ich bin nicht mehr gut zu Fuß und muss einen großen Umweg gehen.“
Auch der Mangel an Sitzmöglichkeiten sei ein großes Problem. „Wir wollen sitzen, wir können nicht so lange stehen“, sagt sie. Dass für Buden und Aufbauten sogar bestehende Sitzbänke entfernt würden, empfinde sie als zusätzlichen Rückschritt. Dabei erinnert sich die Rentnerin an eine ganz andere Maiwoche. „Da musste nichts angemeldet werden, da gab es kleine Holzbühnen, wo sich die Kinder in Auftritten ausprobieren konnten, während Eltern und Großeltern zugesehen haben.“ Heute würden sie und ihre Freundinnen und Freunde das Fest kaum wiedererkennen. Sie fühlten sich „diskriminiert und ausgegrenzt“. Ihre Bilanz fällt deutlich aus: „Das ist eine ganz große Scheiße.“
Marketing Osnabrück nimmt Kritik ernst
Beim Veranstalter stößt die Kritik durchaus auf offene Ohren. Stephan Gerecht, Pressesprecher vom Marketing Osnabrück, betont, dass die Maiwoche ausdrücklich als Fest für alle Generationen gedacht sei. „Wir nehmen solche Rückmeldungen ernst, weil die Maiwoche ausdrücklich ein Fest für die ganze Stadt sein soll – und damit selbstverständlich auch für ältere Besucherinnen und Besucher.“
Aus Sicht des Veranstalters sei die ältere Zielgruppe keineswegs aus dem Blick geraten. Vielmehr sei das Programm bewusst breit aufgestellt. Gerade auf dem Marktplatz und im Europadorf gebe es zahlreiche Angebote, die auch ältere Besucher ansprechen sollen. Darunter sind Auftritte von Truck Stop, der Blues Company, Queen Mania oder Tanztee-Veranstaltungen.
Auch die Preisgestaltung könne man nur begrenzt beeinflussen. Die gastronomischen Betriebe kalkulierten eigenständig, unter anderem wegen gestiegener Kosten für Personal, Energie und Waren. Die Standgebühren für die Maiwoche seien nach Angaben des Pressesprechers nicht erhöht worden.
Sicherheit contra Aufenthaltsqualität
Beim Thema Sitzplätze verweist Gerecht auf Sicherheitsvorgaben. Zusätzliche Bänke oder Stuhlreihen könnten in stark frequentierten Bereichen nicht ohne Weiteres aufgestellt werden. Fluchtwege, Rettungswege und Besucherströme müssten berücksichtigt werden.
Gleichzeitig räumt der Veranstalter ein, dass Barrierefreiheit eine Herausforderung bleibe. Kabel- und Schlauchbrücken seien bei einer Großveranstaltung mit mehreren Bühnen unvermeidbar. Dennoch versuche man, Wege möglichst passierbar zu halten. Für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen gebe es zudem spezielle Angebote, etwa Rollstuhlplätze an der Marktplatzbühne oder ein Rollstuhl-Podest am Herrenteichswall.
Zwischen den Generationen
Die Diskussion zeigt, wie unterschiedlich die Erwartungen an die Maiwoche inzwischen geworden sind. Während viele Besuchende das große Musik- und Partyangebot schätzen und manche in den sozialen Medien vom „schönsten Fest Osnabrücks“ schwärmen, sehnen sich andere nach der gemütlichen Atmosphäre vergangener Jahrzehnte zurück. Für Petra Berger steht fest, dass die Maiwoche heute nicht mehr die Veranstaltung ist, die sie einst liebte. Der Veranstalter hingegen hält daran fest, dass das Stadtfest weiterhin generationenübergreifend sein soll.
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