Ein interner EU-Sicherheitsbericht beschreibt die Lage in der spanischen Exklave Ceuta als deutlich angespannter als offiziell dargestellt. Die Aufnahmestelle CETI ist überlastet, tausende Migranten halten sich in der Stadt auf. Sicherheitsbehörden warnen vor weiteren Grenzübertritten.
Überlastete Aufnahmestelle und chaotische Zustände
Die zentrale Aufnahmestelle CETI mit nur 512 Plätzen muss nach dem Bericht rund 1.800 Migranten aufnehmen. Die Verfasser schildern eine Belagerungssituation: "bevölkern das Umfeld der Aufnahmestelle und versuchen, sich auf das Gelände hineinzuschmuggeln, wenn sich nur die kleinste Gelegenheit bietet". Auch abseits des Zentrums bleibe die Lage "sehr kritisch", warnt der Bericht. Migranten wandern überall in der Stadt und in den Außenbezirken umher.
Wie viele Menschen sich tatsächlich in Ceuta aufhalten, ist umstritten. Das Lagebild nennt 8.000 bis 11.000 Personen, Stand Samstag. Besonders betroffen sind Kinder und Jugendliche. Der Kinderschutz hat daher Priorität, auch aus Sorge vor Übergriffen. 1.342 Minderjährige wurden bereits registriert und in Obhut genommen. Zudem wurden zwei Schulen geöffnet, darunter eine reine Mädchenschule für 110 Kinder.
Warnung vor weiteren Grenzübertritten und Rolle sozialer Medien
Sicherheitsbehörden beobachten mit besonderer Aufmerksamkeit den 15. August. Aufrufe, an diesem Datum wieder massenhaft die Grenze zu "durchbrechen" und nach Ceuta überzusetzen, kursieren weiterhin. Laut Europol könnte das Datum auch als Ablenkung dienen; eine größere Migrationsbewegung sei ebenso kurz davor oder danach denkbar.
Soziale Netzwerke spielten eine Rolle bei der Eskalation. Zahlreiche Migranten berichteten, Videos und Nachrichten etwa auf Tiktok hätten den Eindruck erweckt, die sonst streng gesicherte Grenze sei offen und in Ceuta stünden Unterkünfte für eine Weiterreise aufs spanische Festland bereit. EU-Digitalkommissarin Henna Virkkunen gab Plattformen wie Meta und Tiktok indirekt eine Mitschuld an der Krise und erklärte, diese hätten zu wenig gegen Falschinformationen unternommen.
Laut Sicherheitsbericht führte die zuständige Generaldirektion der EU-Kommission am 7. August ein Telefonat mit Meta und Tiktok. Beide Konzerne hätten mittlerweile ihren Krisenmodus aktiviert und behandelten die Lage rund um Ceuta gemeinsam mit Faktencheckern "vorrangig".