Mit ihrer inzwischen elften Fahrraddemo setzt Fridays for Future Osnabrück den Protest für bessere Bedingungen im Radverkehr fort. Am 22. Mai wollen die Aktivistinnen und Aktivisten erneut auf die Straße gehen – diesmal steht die Lotter Straße im Mittelpunkt. Start ist um 19:00 Uhr vor der OsnabrückHalle.
Von dort führt die Demonstration über Neuer Graben, Heger-Tor-Wall, Lotter Straße und Rheiner Landstraße bis zum Kreisverkehr auf Höhe der Averdiekstraße und anschließend zurück zur OsnabrückHalle. Die Veranstalter rechnen erneut mit zahlreichen Teilnehmenden, die in gemütlichem Tempo durch die Stadt radeln wollen.
Lotter Straße wird zum Symbolstreit
Die Lotter Straße ist für Fridays for Future längst mehr als nur eine vielbefahrene Verkehrsachse. Sie gilt als Symbol für die stockende Umsetzung des Osnabrücker Radentscheids. Bereits im vergangenen Jahr organisierte die Klimabewegung mehrere Fahrraddemos, bei denen die Probleme einzelner Straßen und mögliche Lösungen thematisiert wurden. Nun soll die Kampagne mit insgesamt 100 geplanten Demonstrationen fortgeführt werden.
Besonders kritisch sehen die Aktivisten die Forderung von Sven Liekam (CDU), den Radverkehr auf der Lotter Straße zu verbieten. Fahrradfahrende sollten – so äußerte sich Liekam im Januar im Stadtentwicklungsausschuss – stattdessen auf die Fahrradstraße Katharinenstraße ausweichen. Für Fridays for Future widerspricht das jedoch klar den Zielen des Radentscheids, in dem die Lotter Straße ausdrücklich als Hauptroute vorgesehen ist.
„Es gibt außerdem auch an der Lotter Straße viele Anwohnende, die ihr Zuhause auf jeden Fall auch mit dem Fahrrad erreichen können müssen“, erklärt die Initiative. Auch das Klinikum und die Geschäfte entlang der Straße müssten für Radfahrende gut erreichbar bleiben. Davon profitiere nicht nur der Radverkehr, sondern auch die lokale Wirtschaft.
Kritik an Stadtspitze und CDU
In ihrer Mitteilung geht die Bewegung auch die Stadtspitze scharf an. Oberbürgermeisterin Katharina Pötter (CDU) wird vorgeworfen, den bereits beschlossenen Radentscheid nicht konsequent umzusetzen. Besonders kritisch bewerten die Aktivisten Aussagen der Oberbürgermeisterin, wonach zweispurige Hauptverkehrsstraßen für Autos erhalten bleiben sollen. Fridays for Future wirft der Stadt vor, damit den politischen Willen tausender Bürgerinnen und Bürger zu ignorieren. Mehr als 10.000 Menschen hatten den Radentscheid unterstützt, der anschließend auch vom Rat beschlossen wurde.
Die Initiative argumentiert zudem juristisch. Ein Fahrradverbot auf der Lotter Straße sei nach ihrer Auffassung rechtlich kaum haltbar. Laut Straßenverkehrsordnung (§ 45 Abs. 9) dürften derartige Verbote nur bei besonderen Gefahrenlagen ausgesprochen werden. Die derzeitige Gefahr bestehe jedoch gerade für Radfahrende selbst. Ein Verbot würde diese massiv einschränken, statt das Problem zu lösen.
Forderung nach sicheren Radwegen
Statt Einschränkungen fordert Fridays for Future den schnellen Ausbau sicherer Infrastruktur. Konkret verlangt die Bewegung zwei Meter breite, baulich getrennte und absenkungsfreie Radwege – so, wie sie im Radentscheid vorgesehen sind. Für die Aktivisten ist klar: Radfahrende dürften nicht auf Nebenstrecken oder sogenannte Velorouten verdrängt werden. Hauptverkehrsstraßen müssten auch für Fahrräder sicher nutzbar sein. Gleichzeitig betonen sie, dass ein Umdenken im Verkehr notwendig sei und Autofahrende künftig auch Einschränkungen akzeptieren müssten. Mit der Demonstration wolle man auf die „völlige Ignoranz der Stadt Osnabrück bezüglich des Radentscheides“ aufmerksam machen und den Druck auf Politik und Verwaltung erhöhen.
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