Die Krahnstraße in Osnabrück kämpft mit Leerstand – rund acht Prozent der Flächen sind derzeit ungenutzt. Doch genau hier setzt die Stadt nun ein deutliches Zeichen: Mit einer neuen Kinderbibliothek im ehemaligen Prelle-Haus soll nicht nur ein leerstehendes Gebäude wiederbelebt, sondern auch ein wachsendes Platzproblem gelöst werden.
Mehr Platz für eine wachsende Bibliothek
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Die Stadtbibliothek verzeichnete zwischen 2015 und 2025 einen Besucherzuwachs von 26 Prozent und zählt inzwischen mehr als 300.000 Gäste pro Jahr. Am bisherigen Standort am Markt wird es zunehmend eng. Die geplante Auslagerung der Kinderbibliothek in die Krahnstraße 43 soll hier Abhilfe schaffen. Gleichzeitig verfolgt die Stadt ein zweites Ziel: Die Innenstadt attraktiver machen. Mehr Besucherinnen und Besucher sollen wieder Leben in die Krahnstraße bringen – ein Bereich, der zuletzt sichtbar an Frequenz verloren hat.
So stellt sich die Stadt das Erdgeschoss der neuen Kinderbibliothek vor, verweist aber darauf, dass es sich hierbei lediglich um eine KI-generierte Visualisierung handelt. / Foto: Stadt Osnabrück
Der „Baum des Wissens“ als Herzstück
Das Konzept für die neue Kinderbibliothek ist ebenso symbolisch wie funktional. Auf rund 600 Quadratmetern und vier Etagen entsteht der „Baum des Wissens“. Jede Ebene richtet sich an unterschiedliche Altersgruppen und Bedürfnisse: Im Erdgeschoss, bei den „Wurzeln“, finden die Jüngsten bis fünf Jahre passende Medien. Darüber folgen Kinderbücher für ältere Kinder, Sachmedien und Lernangebote sowie in der „Baumkrone“ kreative Räume, Gaming-Bereiche und Workshops. Die neue Bibliothek soll mehr sein als ein Ort zum Ausleihen von Büchern. Geplant ist ein moderner Treffpunkt für Kinder und Familien, der Lernen, Spielen und Begegnung verbindet.
Im Erdgeschoss des ehemaligen Schreibwarenladens soll der Bereich für kleinere Kinder einziehen. / Foto: Dominik Lapp
Zentrale Lage als großer Vorteil
Die Lage mitten in der Innenstadt gilt als entscheidender Pluspunkt. Wer ohnehin in der Stadt unterwegs ist, kann die Bibliothek unkompliziert besuchen. Geplant sind Öffnungszeiten von Montag bis Samstag jeweils von 10 bis 18 Uhr, ergänzt durch ein Open-Library-Angebot. Auch am bisherigen Standort der Stadtbibliothek entstehen durch den Umzug neue Möglichkeiten: Dort sollen zusätzliche Flächen für Jugendliche und digitale Angebote geschaffen werden.
In dem hübschen alten Gemäuer soll künftig ein Baum entstehen – von den Wurzeln bis zur Baumkrone. / Foto: Dominik Lapp
Investition in die Zukunft
Rund eine Million Euro will die Stadt in das Projekt investieren, etwa 40 Prozent könnten über das EU-Programm „Resiliente Innenstädte“ gefördert werden. Die Sanierung des Gebäudes übernimmt der Eigentümer, die Stadt plant eine langfristige Anmietung. Die Eröffnung ist für das Frühjahr 2027 vorgesehen. Oberbürgermeisterin Katharina Pötter zeigte sich bei einem Pressetermin am Donnerstagmorgen (30. April) überzeugt von dem Vorhaben: „An diesem bezaubernden Ort soll ein Haus des Buches entstehen, das die Kinder mitwachsen lässt wie ein Baum. Wir machen hier etwas Tolles für unsere nachwachsende Generation und beleben die Innenstadt. Es ist ein Drama, dass das Gebäude so lange leer stand.“ Auch Erster Stadtrat Wolfgang Beckermann blickt optimistisch auf das Projekt: „Ich war richtig begeistert, als ich von der Idee erfahren habe. Das wird den Standort sehr positiv beeinflussen.“
Wolfgang Beckermann und Katharina Pötter beim Vor-Ort-Termin. / Foto: Dominik Lapp
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