Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) warnt vor einer zu großen digitalen Abhängigkeit Deutschlands und Europas von den USA. Besonders im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) sieht er die Gefahr, dass Technologie zurückgehalten werden könnte. Gleichzeitig betont er Chancen für Deutschland bei industrieller KI und fordert eine Altersgrenze für die Nutzung von Social Media.
Warnung vor digitaler Abhängigkeit
Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) äußerte sich am Freitag in der ARD besorgt über die digitale Abhängigkeit von US-Unternehmen. Das treibe ihn um, sagte er dem Sender. Er sehe ein Szenario, dass etwa Microsoft „den Stecker ziehen“ und keine Updates mehr für Deutschland ausspielen könnte. „Ein solches Szenario besteht“, so Wildberger in der ARD.
Gleichzeitig verwies der Minister darauf, dass man mit vielen Unternehmen wie Microsoft seit Jahrzehnten „vertrauensvoll“ zusammenarbeite. Besonders im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) treibe ihn die Abhängigkeit um. Man habe bei Anthropic gesehen, dass bestimmte KI-Modelle, die neuesten Versionen, nicht verfügbar gewesen seien. Technologie könne einem vorenthalten werden. „Wir dürfen nicht naiv sein“, sagte der Minister der ARD.
Souveränität habe für ihn zwei Aspekte: „Wie bin ich abhängig und verwundbar?“ Ihn bewege seit vielen Jahren die Frage, wo der eigene Microsoft sei. Man solle ein solches Produkt oder eine Produktfamilie entwickeln, nicht nur weil es abgeschaltet werden könne, sondern weil man damit Geld verdienen und Wachstum generieren könne.
Chancen bei industrieller KI
Auf die Frage, ob Deutschland in Sachen KI nicht längst abgehängt sei, antwortete Wildberger in der ARD: „Es ist überhaupt nicht zu spät.“ Er verwies auf die industrielle KI. Wie man Künstliche Intelligenz in Industriebereichen einsetzen könne, sei eine Chance, weltweit führend zu sein. Deutschland habe unglaubliche Daten in diesem Bereich.
Das werde zwar sehr herausfordernd, aber man solle niemals sagen, diese Technologie sei zu alt. Es gebe noch Innovationsmöglichkeit. „Am Ende des Tages ist das auch eine Frage des Willens, weil Deutschland und Europa hat so viel mehr anzubieten, als wir uns aktuell zutrauen“, so Wildberger in der ARD. „Und diese Bremse, die auch im Kopf liegt, die müssen wir ganz schnell lösen.“
Bürokratieabbau, Rechenzentren und Social Media
Zum Bürokratieabbau sagte der Minister in der ARD, er sehe keine Einschnitte beim Umweltschutz. Man habe ein großes Augenmerk darauf gelegt, dass Rechenzentren bei Energieeffizienz, Grünstromfähigkeit und Wassereffizienz Weltstandard setzten. Das bleibe unberührt. Gleichzeitig müsse man sich an den Realitäten der Physik orientieren.
Wildberger sprach sich zudem in der ARD für eine Altersgrenze bei Social Media aus. Die grundsätzlich richtige Antwort sei „Safety by Design“. Dafür gebe es aber bisher noch keine technischen Lösungen. „Solange wir die Antworten darauf nicht haben, ist jetzt die Abwägung Schutz oder nicht Schutz?“, fragte er. „Und dann sind wir jetzt bei der Altersgrenze. Und dann sage ich, in der Abwesenheit der technischen Lösung plädiere ich auch für eine Altersgrenze.“
