Es gibt Zufälle, die wie ein perfekt geschriebenes Musical wirken. Isabel Waltsgott, Romina Markmann und Kim David Hammann haben am Institut für Musik (IfM) der Hochschule Osnabrück Musical studiert. Jahre später standen die drei Absolventen nun gemeinsam auf einer der größten Musicalbühnen Deutschlands: im Palladium Theater Stuttgart bei „We Will Rock You“.
Von September 2025 bis September 2026 gehörte das QUEEN-Musical zu ihrem beruflichen Alltag. Isabel Waltsgott spielte die weibliche Hauptrolle Scaramouche, Romina Markmann war ihr Cover – so etwas wie ihre Vertretung – und Kim David Hammann übernahm unter anderem die männliche Hauptrolle Galileo. Drei ehemalige Osnabrücker Studierende, die sich aus unterschiedlichen Phasen ihres Studiums kennen, trafen sich im professionellen Musicalbetrieb wieder.
Für Hammann schließt sich damit ein Kreis. „Die vier Jahre in Osnabrück waren für mich eine völlig neue Welt – voller Emotionen, Erlebnisse und Eindrücke.“ Bevor er mit 25 Jahren an die Hochschule kam, hatte er in Mainz Politikwissenschaften und Soziologie studiert. Der Wechsel in die Musicalwelt bedeutete für ihn einen kompletten Neustart. „Die Musical-Bubble war noch einmal eine ganz andere, aber wunderschöne Welt“, erinnert er sich im Gespräch mit der HASEPOST.
Ein Neustart mit Hindernissen
Der Weg war allerdings nicht immer einfach. Zum Ende seines zweiten Studienjahres erlitt Kim David Hammann einen Kreuzbandriss und musste ein Jahr lang auf Tanzunterricht verzichten. Gerade weil Tanz einen wesentlichen Teil des gemeinsamen Studienalltags ausmacht, war die Verletzung auch eine soziale Herausforderung. Gleichzeitig habe er diese Zeit genutzt, um sich persönlich weiterzuentwickeln, mehr Selbstbewusstsein zu gewinnen und sich besser zu organisieren.
Schon damals begegnete er Romina Markmann. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm ihr Vorsingen für die Hochschule. Hammann gehörte zu den wenigen Studierenden, die dabei im Raum waren. „Ich war schon damals ein kleiner Fanboy von ihr. Als sie gesungen hat, wusste ich sofort: Boah, das ist fantastisch, die müssen wir nehmen. Ich war unglaublich glücklich, dass sie es tatsächlich geschafft hat.“
Auch Isabel Waltsgott lernte er während des Studiums kennen. Gemeinsam arbeiteten sie an mehreren Produktionen, darunter „Carrie“. Schon damals war für ihn klar: „Sie wird einen großen Weg machen. Sie ist einfach fantastisch.“
Kim David Hammann spielte mehrere Rollen in „We Will Rock You“. In der von unserer Redaktion besuchten Vorstellung mimte er den Antagonisten Zuckermusk. / Foto: Dominik Lapp
Alles begann in der Region Osnabrück
Für Waltsgott wiederum begann die Verbindung zu „We Will Rock You“ lange vor ihrem Engagement in Stuttgart. Eine ihrer Erinnerungen an das Studium führt zu einem Auftritt bei der Firma Solarlux in Melle. Dort sang sie bei einer Gala „The Show must go on“ von QUEEN. „Das hat richtig Spaß gemacht und war das erste Mal, dass ich im Studium etwas von QUEEN gemacht habe“, erinnert sie sich.
Auch „Somebody to Love“ gehörte damals zu den Songs, die sie intensiv übte. Lieder aus „We Will Rock You“ begleiteten sie damit schon während des Studiums. Der Auftritt in Melle wurde rückblickend zu einer ersten Verbindung zwischen ihrer Osnabrücker Ausbildungszeit und der späteren Traumrolle.
Ein Traum erfüllt sich
In Stuttgart erfüllte sich dieser Traum schließlich. Scaramouche gehört für die Musicaldarstellerin zu den großen Traumrollen ihrer bisherigen Laufbahn. Besonders machte das Engagement aber nicht nur die Rolle selbst, sondern auch die Tatsache, mit einem ehemaligen Studienkollegen auf der Bühne gestanden zu haben. „Besonders schön war, dass ich gemeinsam mit David, der mit mir in Osnabrück studiert hat, Galileo und Scaramouche spielen konnte.“
Hammann hatte zunächst gar nicht damit gerechnet, bei „We Will Rock You“ als Galileo auf der Bühne zu stehen. Ursprünglich war er für „Hercules“, seine erste Produktion bei Stage Entertainment, engagiert. Doch in der zweiten Probenwoche verletzte er sich am Knie und kam in der Disney-Produktion deshalb nie zum Einsatz.
Bei „We Will Rock You“ erhielt er dennoch das Vertrauen der Casting-Verantwortlichen und übernahm zunächst zwei Coverpositionen für Zuckermusk und Pop. Später bekam er zusätzlich die Chance, Galileo zu spielen: „Galileo war für mich etwas Besonderes, weil die Rolle lange auf meiner persönlichen Bucketlist stand. Ich bin sehr glücklich, dass ich sie schließlich spielen durfte.“
Osnabrücker Wiedersehen im Schwabenländle
Besonders eng wurde die Verbindung zwischen den ehemaligen Studierenden, als Hammann und Markmann gemeinsam in Stuttgart probten. Markmann spielte die Scaramouche und probte mit Hammann seine Galileo-Szenen. Später standen beide dann in der Show vor Publikum auf der Bühne.

Isabel Waltsgott bei einem PR-Auftritt in Stuttgart. / Foto: Stage Entertainment
Auch für Isabel Waltsgott war das gemeinsame Arbeiten mit Kim David Hammann etwas Besonderes. Eine Vorstellung ist ihr besonders in Erinnerung geblieben: Ihre Eltern saßen im Publikum, ebenso eine Kollegin aus der gemeinsamen Osnabrücker Zeit. „Sie war ganz stolz auf uns beide. Das war für mich ein sehr schöner Closure-Moment: nach all den gemeinsamen Jahren am IfM nun mit David zusammen auf einer großen Bühne zu stehen.“ Die gemeinsame Vergangenheit habe dabei auch Sicherheit gegeben.
Romina Markmann hebt Osnabrücks Bedeutung für ihre Persönlichkeit hervor
Für Romina Markmann ist die Erinnerung an die Hochschule Osnabrück ohnehin eng mit ihrem heutigen künstlerischen Selbstverständnis verbunden. Ihr Studienbeginn liegt inzwischen zwölf Jahre zurück, der Abschluss acht Jahre. Trotzdem ist die Zeit für sie noch sehr präsent.
„In Osnabrück habe ich die ersten Schritte hin zu der Künstlerinnen-Persönlichkeit gemacht, die ich heute bin. Ich konnte anfangen, mich zu formen und herauszufinden: Wer bin ich? Was will ich? Was möchte ich erzählen? Was sind meine Stärken?“ Viele der Dinge, die sie dort gelernt habe, begleiteten sie bis heute. „Ohne das Studium in Osnabrück wäre ich definitiv nicht der Mensch und auch nicht die Künstlerin, die ich heute bin.“
Jahre später wieder gemeinsam auf der Bühne
Dass sie ausgerechnet zwölf Jahre nach Beginn ihres Studiums gemeinsam mit Hammann und Waltsgott bei einem großen Stage-Entertainment-Musical auf der Bühne steht, empfindet Romina Markmann deshalb als etwas Besonderes. „Und dass wir alle drei gemeinsam Scaramouche und Galileo spielen durften, macht das Ganze noch besonderer.“
Für die Musicaldarstellerin war „We Will Rock You“ zugleich ein wichtiger persönlicher Schritt. Es war ihr erster Long Run, also eine Produktion mit acht Vorstellungen pro Woche – und damit eine ganz andere berufliche Herausforderung als einzelne Gastspiele oder Produktionen mit begrenzter Laufzeit. „Im Nachhinein war es aber schön zu erleben, dass manche Grenzen eben auch nur im Kopf existieren und viel mehr möglich ist, als man sich vorher vorstellt“, sagt sie.
Eine weitere Herausforderung war ihre Arbeit als Swing. Mehrere Positionen gleichzeitig zu beherrschen, verlangte enorme Vorbereitung. „Vor einem Jahr habe ich noch gedacht: Wie soll ich acht Positionen lernen? Am Ende hat es dann doch sehr gut funktioniert – und vor allem auch Spaß gemacht.“

Für Romina Markmann war die Rolle der Scaramouche in „We Will Rock You“ ein Karriere-Highlight. / Foto: Dominik Lapp
Ein Abschied mit Blick zurück
Neben den Vorstellungen selbst bleibt allen dreien vor allem die besondere Atmosphäre am Stuttgarter Palladium Theater in Erinnerung. Regelmäßige Get-togethers, gemeinsame Frühstücke an Doppelshowtagen und Veranstaltungen wie eine Band Night, ein Eurovision-Abend oder die Spaß-Awardshow „Golden Freddy Awards“ prägten den Arbeitsalltag. Für Kim David Hammann war diese Gemeinschaft ein wichtiger Bestandteil der Zeit in Stuttgart. „Diese Dinge neben dem eigentlichen Beruf haben das Arbeiten dort unglaublich angenehm gemacht.“
Nach einem Jahr endete das Kapitel nun. Romina Markmann, so berichtet sie, stand zum Abschluss noch einmal vor dem Palladium Theater und verabschiedete sich. Genau ein Jahr zuvor war sie an derselben Stelle angekommen. „Eigentlich kann ich immer noch nicht richtig glauben, dass ich dieses Jahr dort verbringen und auf dieser Bühne stehen durfte“, so Markmann. „We Will Rock You“ ist für sie damit mehr als ein weiteres Engagement in der Vita. „Ich glaube, Scaramouche ist das größte Geschenk meiner bisherigen Musical-Laufbahn. Dafür werde ich immer dankbar sein.“
Auch Kim David Hammann zieht ein durchweg positives Fazit. „Wenn ich auf Osnabrück und Stuttgart zurückblicke, sind es vor allem positive Erinnerungen.“ Dass er anschließend mit zwei Menschen aus seiner Studienzeit auf einer Stage-Entertainment-Bühne stand, macht die Verbindung zwischen Ausbildung und Berufsleben für ihn perfekt. „Dass ich später mit Romina und Isa, also zwei Menschen aus meiner Osnabrücker Zeit, gemeinsam auf einer Bühne stehen konnte, war für mich ein schöner Full-Circle-Moment.“
Für Isabel Waltsgott und Romina Markmann fällt das Fazit noch eindeutiger aus. Beide sprechen von einem absoluten Karriere-Highlight. Und alles begann in der Friedensstadt Osnabrück.
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