Sachsen-Anhalts Ministerpräsident grenzt sich von Kabarettist ab – trotz gemeinsamer Auftritte.
Im Wahlkampf in Sachsen-Anhalt sorgt die Zusammenarbeit zwischen Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) und dem Kabarettisten Dieter Hallervorden für Diskussionen. Während der 90-jährige Schauspieler den CDU-Spitzenkandidaten bei mehreren Veranstaltungen unterstützt, betont Schulze öffentlich die Unterschiede in ihren Positionen. Besonders beim Thema Gaza-Krieg und Israel distanziert sich der Politiker deutlich. „Ich persönlich teile beispielsweise nicht die Meinung, an mancher Stelle zum Thema Israel zum Thema Gaza. Ich stelle in keinster Weise das Existenzrecht Israels infrage und auch zum Thema Völkermord habe ich eine völlig andere Meinung“, sagte Schulze vor einer ausverkauften Veranstaltung, wie die Welt und t-online berichten. Hallervorden selbst betonte zwar, das Existenzrecht Israels nicht infrage zu stellen, empfahl der CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann jedoch „Nachhilfe“ im Völkerrecht. Hoppermann hatte zuvor in der Bild erklärt: „Für die CDU Deutschlands ganz klar: Es gibt keinen Völkermord in Gaza, wir stehen an der Seite Israels und der Ukraine im Kampf gegen den Terror und Aggression.“
Hallervordens Auftritte spalten die CDU
Die Auftritte Hallervordens bei CDU-Veranstaltungen lösten auch innerhalb der Partei Irritationen aus. So wurde während eines seiner Lieder ein Video mit dem Schriftzug „Stoppt den Völkermord in Gaza“ eingeblendet, was bei einigen Christdemokraten auf Kritik stieß. Hallervorden rechtfertigt seine Unterstützung für Schulze damit, eine absolute Mehrheit der AfD in Sachsen-Anhalt verhindern zu wollen. Der Schauspieler lobte zudem Schulzes „Rückgrat“, da dieser sich nicht von der Parteizentrale in Berlin vorschreiben lasse, wie Wahlkampf zu führen sei, wie Focus und t-online berichten.
Schulze verteidigt Meinungsfreiheit trotz Kritik
Schulze verteidigte die Zusammenarbeit mit Hallervorden und betonte die Bedeutung von Meinungsfreiheit. „Ich möchte kein Land regieren, wo ich das Gefühl habe, hoffentlich sprechen sie alle das, was ich sage. Sondern ich möchte schon auch Gegenrede haben“, sagte der Ministerpräsident. Gleichzeitig distanzierte er sich von Hallervordens umstrittenen Äußerungen, etwa in einem Lied aus dem Vorjahr, in dem dieser die Begriffe „Neger“ und „Zigeuner“ verwendet hatte. Damals war dem Kabarettisten Rassismus vorgeworfen worden, während er selbst die Vorwürfe als „Modeerscheinung“ abtat und die ARD ihn im satirischen Kontext verteidigte.
CDU nutzt Provokation für inhaltliche Schwächen
Die Reaktionen auf die Auftritte fallen gespalten aus. Während einige Leser Hallervordens Kritik an der Politik als berechtigt und mutig loben, sehen andere darin einen Ausdruck von Orientierungslosigkeit der Ost-CDU, wie Focus in einer Kommentaranalyse darlegt. Kritiker werfen der Partei vor, durch Provokation und Unterhaltung inhaltliche Defizite kaschieren zu wollen. Andere halten Hallervordens Auftritte schlicht für unzeitgemäß oder peinlich.