Wohnungsbau erholt sich – doch Zinsen und Kosten bleiben Hürden
Der deutsche Wohnungsbau zeigt erste Anzeichen einer Erholung. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, stieg die Zahl der Baugenehmigungen im Juli um 1,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Im ersten Halbjahr 2026 verzeichnete das Amt sogar ein Plus von rund 15 Prozent – der stärkste Anstieg seit zehn Jahren. Insgesamt wurden von Januar bis Juli Genehmigungen für 148.800 Wohnungen erteilt, was einem Zuwachs von knapp 13 Prozent entspricht. Besonders stark stieg die Zahl der Genehmigungen für Einfamilienhäuser (plus 10 Prozent) und Mehrfamilienhäuser (plus 15 Prozent).
Baugenehmigungen signalisieren Aufschwung im Wohnungsbau
Experten wie Sebastian Dullien vom Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung bewerten die Entwicklung als grundsätzlich positiv. Baugenehmigungen seien ein wichtiger Indikator für die spätere Bautätigkeit, da sie mit zeitlicher Verzögerung zu mehr Wohnungsfertigstellungen führten, wie der Deutschlandfunk berichtet. Auch das Ifo-Institut beobachtet eine leichte Aufhellung der Stimmung in der Branche, da die steigenden Genehmigungen Hoffnung auf eine Belebung der Auftragslage nährten.
Hohe Bauzinsen bremsen Erholung der Branche aus
Gleichzeitig warnen Fachleute vor neuen Herausforderungen. Gestiegene Bauzinsen und Energiekosten könnten die positive Entwicklung dämpfen, wie Dullien betont. Die Zinsen für Baufinanzierungen mit zehnjähriger Zinsbindung lägen aktuell bei rund 4,25 Prozent jährlich – der höchste Stand seit Mai 2011, wie die Analysefirma Barkow Consulting der Nachrichtenagentur dpa mitteilte. Auch das Gewos-Institut für Stadt-, Regional- und Wohnforschung erwartet eine Abkühlung am Immobilienmarkt, da die erschwerten Finanzierungsbedingungen zu Kaufzurückhaltung führten.
Baugewerbe fordert schnelle Umsetzung von Fördermaßnahmen
Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe, sieht die Erholung zwar als positives Signal, betont aber, dass sie von einem historisch niedrigen Niveau aus gehe. Er fordert, den Neubau-Etat 2027 nicht zu kürzen und den Entwurf für den Gebäudetyp E mit vereinfachten Standards zügig umzusetzen, um den Wohnungsbau nachhaltig anzukurbeln. Die Bundesregierung will mit einem „Bau-Turbo“ über schnellere Genehmigungen und reaktivierte Förderprogramme für energieeffizientes Bauen den Wohnungsbau voranbringen.
Wohnungsmangel bleibt trotz positiver Signale drängend
Trotz der positiven Signale bleibt die Ausgangslage angespannt. In Deutschland fehlen Schätzungen zufolge etwa eine Million Wohnungen, insbesondere in Ballungsräumen. Im vergangenen Jahr wurden bundesweit so wenige Wohnungen fertiggestellt wie seit 2012 nicht mehr. Die aktuellen Genehmigungszahlen reichen daher nicht aus, um den Wohnungsmangel kurzfristig auszugleichen. Kommunen stehen vor der Aufgabe, Flächen bereitzustellen und Verfahren zu beschleunigen, während Bauherren mit steigenden Kosten und unsicheren Rahmenbedingungen kämpfen.