Im Januar, bei einer ersten Kandidatenaufstellung für die Kommunalwahl im September, hatte die AfD Osnabrück-Stadt noch bewusst auf einen eigenen Kandidaten für das Oberbürgermeisteramt verzichtet. Nun hat die Partei ihre Entscheidung revidiert: Thorsten Wassermann soll am 13. September für das höchste Amt der Stadt antreten. Gleichzeitig hat die AfD ihre Kandidatenliste für den Stadtrat neu aufgestellt – und den Frauenanteil deutlich erhöht.
Wie der Kreisverband am Samstag (27. Juni) mitteilte, wurde Thorsten Wassermann einstimmig zum Oberbürgermeisterkandidaten gewählt. Im Januar hatte die Partei noch erklärt, ihren Schwerpunkt auf den Einzug in Fraktionsstärke in den Stadtrat legen zu wollen und deshalb auf einen eigenen Bewerber für das Rathaus zu verzichten.
Ehemaliger BOB-Politiker will nun AfD-Oberbürgermeister werden
Der 53-jährige Thorsten Wassermann ist kein Unbekannter im Ratssitzungssaal. 2019 rückte der Handwerksmeister nach dem Rücktritt von Kerstin Albrecht für den Bund Osnabrücker Bürger (BOB) in den Stadtrat nach. Bei der Kommunalwahl 2016 hatte er den Einzug knapp verpasst und war erster Nachrücker auf der BOB-Liste. Nur ein Jahr, nachdem er Kerstin Albrecht nachgefolgt war, trat Wassermann zusammen mit dem ebenfalls für den BOB in den Rat eingezogenen Dr. Ralph Lübbe aus dem Bund Osnabrücker Bürger aus. Damals war von internen Konflikten und unterschiedlichen Vorstellungen über die politische Arbeit die Rede. Zusammen mit den beiden SPD-Aussteigerinnen Agnes Kunze-Beermann und Roswitha Pieszek bildeten die beiden ehemaligen BOB-Kommunalpolitiker bis zum Ende der letzten Ratsperiode die sich selbst als „unabhängig“ bezeichnende Gruppe „UFO“ im Osnabrücker Stadtrat.
Kandidatenliste der Osnabrücker AfD musste neu aufgestellt werden
Neben der erstmaligen Wahl eines Oberbürgermeisterkandidaten wurde auch die bereits im Januar beschlossene Kandidatenliste für die Stadtratswahl erneut beschlossen. Nach Angaben der AfD war dies notwendig geworden, nachdem drei der ursprünglich nominierten Bewerber ihre Kandidatur aus persönlichen Gründen zurückgezogen hatten. Welche Gründe im Einzelnen zum Rückzug führten, teilte die Partei nicht mit.
Die ursprünglichen Kandidaten Stephan Schimweg, Thorsten Kemper und Dirk Meyer-Koop finden sich auf der jetzt vorgelegten Liste nicht mehr wieder. Neu hinzugekommen sind stattdessen Brigitta Spors, Katrin Mohring und Dr. Svetlana Spirina. Zudem rückt Kerstin Otte im Wahlbereich 1 vom zweiten auf den ersten Platz vor, während Friedhelm Leist nun den ersten Platz im Wahlbereich 6 einnimmt.
Frauenanteil auf der AfD-Kandidatenliste von acht auf 33 Prozent gestiegen
Auffällig ist vor allem die veränderte Geschlechterverteilung. Während die AfD bei ihrer ersten Aufstellung im Januar lediglich eine Frau unter zwölf Stadtratskandidaten präsentierte – ein Frauenanteil von rund acht Prozent –, stehen nun vier Frauen auf der Liste. Damit ist inzwischen jeder dritte Bewerber der AfD für den Stadtrat weiblich. Der Frauenanteil steigt damit von 8,3 auf 33,3 Prozent und hat sich innerhalb weniger Monate vervierfacht. Die Gesamtzahl der Kandidaten bleibt mit zwölf unverändert.
Sollte die AfD ihre Liste in ähnlicher Reihenfolge in den Stadtrat bringen, läge sie bei der Geschlechterverteilung inzwischen deutlich näher am aktuellen Osnabrücker Stadtrat als noch zu Jahresbeginn. Nach der Kommunalwahl 2021 gehören dem Rat der Friedensstadt 20 Frauen und 30 Männer an. Der Frauenanteil über alle Parteien hinweg beträgt damit 40 Prozent.
Mit einem Frauenanteil von jetzt 33,3 Prozent würde die AfD zwar weiterhin unter diesem Wert liegen, der Abstand zum derzeitigen Stadtrat wäre jedoch deutlich geringer als bei der ersten Kandidatenaufstellung im Januar.
AfD sieht sich geschlossen und gut für den Wahlkampf aufgestellt
In ihrer Pressemitteilung betont die Partei, sämtliche Personalentscheidungen seien einstimmig gefallen, sodass es weder bei der Wahl des Oberbürgermeisterkandidaten noch bei der Aufstellung der Ratskandidaten zu Kampfkandidaturen gekommen sei. Dies wertet der Kreisverband als Zeichen eines geschlossenen Auftretens für den bevorstehenden Kommunalwahlkampf. Die Kommunalwahl in Niedersachsen findet am 13. September statt.
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