Auf dem Theatervorplatz in Osnabrück stand am Donnerstagmorgen (5. März) um 10:00 Uhr eine große Menschenmenge mit einem Ziel: sich gegen die Wehrpflicht aussprechen. Nachdem sich etwas im Modell des Wehrdienstes geändert hatte, fand in mehreren Städten ein zweiter Schulstreik statt, bei dem Schülerinnen, Schüler und alle, die sie unterstützen wollen, gegen eine mögliche Wehrpflicht stark machen.
Der Streik geht los. / Foto: Laura Hilgert
Neues Wehrpflicht-Modell besorgt Schülerinnen und Schüler
Der Bundestag entschied im Dezember 2025, dass Männer, die nach 2008 geboren wurden, einen Fragebogen ausfüllen und ab Juli 2027 zur Musterung erscheinen müssen, für Frauen ist dies freiwillig. Dagegen will sich die Jugend wehren. Teil des Streiks waren unter anderem die Linksjugend, Omas gegen Rechts und die Osnabrücker Friedensinitiative.
Flyer und Schilder machen Meinung deutlich
Mit Sprüchen wie „Kriegsdienst jetzt auch für dich, Bestie!“, „Kein Grübeln, kein Zweifeln. Gehorchen! Geiler Deal, Digga“ und „Lieber Zukunft statt Gewehr!“ machen Flyer auf die Gründe, weswegen sie gegen eine Wehrpflicht sind, aufmerksam. Auch Schilder stellten die Meinung aller beispielsweise durch „Mama, muss ich morgen sterben?“ und „Nie wieder kriegstüchtig“ dar.
„Mama, muss ich morgen sterben?“. / Foto: Laura Hilgert
Für Solidarität statt Kriegsdienst
Der Streik begann mit drei Reden von einer Schülerin und zwei Schülern. Darin ging es nicht nur generell gegen eine Wehrpflicht, sondern auch allgemein gegen Krieg und für Frieden. Sie alle kritisierten die Finanzierung der Bundeswehr, während sich niemand um Bildungseinrichtungen wie Schulen und Kitas kümmere. Die Rednerin lobt dabei alle Schülerinnen und Schüler, die für diesen Tag durch unentschuldigtes Fehlen eine 6 in der Schule bekommen, für ihren Mut, dennoch herzukommen. „Wir sind kein Kanonenfutter“, betonte sie. „Wir wollen nicht töten, wir wollen solidarisch zueinander sein!“
Auch der zweite Schüler wolle nicht für Politikerinnen und Politiker sterben. Das sei nicht-demokratisch und keine Freiheit. „Wie kann das in unserem Interesse sein?“ Darin waren sich alle drei sicher. Auch die Zuschauenden jubelten bei den Reden mit. „Dieser Streik wird nicht der letzte sein“, hieß es.
Mit Flyern, Schildern und Plakaten machen die Teilnehmenden auf ihre Meinung aufmerksam. / Foto: Laura Hilgert
Ältere solidarisieren sich mit Jüngeren
Auch ältere Menschen solidarisierten sich mit den Jugendlichen. So berichtete ein Mann, der damals seinen Zivildienst ableistete, dass bereits zu jener Zeit massiv gegen die im Grundgesetz verankerte Gleichstellung von Wehr- und Zivildienst Stimmung gemacht worden sei. „Das gleiche Spiel fängt jetzt wieder an, das ist ganz fürchterlich“, sagte er. Mit seiner Teilnahme am Streik wolle er ein klares Zeichen dagegen setzen.
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