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Startseite Osnabrück„Zusammenstehen durch Abstand halten“ – Zwischenbilanz nach 50 Tagen Coronakrise
Osnabrück

„Zusammenstehen durch Abstand halten“ – Zwischenbilanz nach 50 Tagen Coronakrise

von Linda von Velsen 22. April 2020
von Linda von Velsen 22. April 2020
Ratssitzung am 21.04.2020 im Europasaal der OsnabrückHalle
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Besondere Situationen erfordern besondere Maßnahmen: Um in Zeiten von Corona zusammenzukommen, ist Abstand halten das oberste Gebot – Das gilt auch für die Sitzungen des Osnabrücker Rates. Diese fand am Dienstag, den 21. April 2020, zum ersten Mal seit fast neun Jahren nicht im historischen Rathaus in der Osnabrücker Altstadt statt.

In einer halbstündigen Ansprache zogen Oberbürgermeister Wolfgang Griesert und Sozialdezernentin Katharina Pötter, die seit 50 Tagen das Corona-Krisenmanagement für die Stadt leitet, eine Bilanz zum aktuellen Stand der Corona-Pandemie. Die Devise: „Zusammenstehen durch Abstand halten!“

Seit Beginn der Corona-Krise, den Katharina Pötter eng mit der Rückholung der Osnabrücker Schüler aus Südtirol verknüpft, legten Landesregierung und Stadt über 40 neue Verordnungen und Erlasse fest.
„Ziel der Maßnahmen ist es, die Kurve abzuflachen. Wir müssen unser Gesundheitssystem vorbereiten und umbauen“, erklärte Griesert, „das ist uns gut gelungen“. Einen besonderen Dank richtete der Oberbürgermeister an die Niels-Stensen-Kliniken, das Marienhospital Osnabrück (MHO), sowie das Klinikum am Finkenhügel für die Einrichtung einer „Extra-Abteilung“ im Zuge der Corona-Pandemie.

Respekt, Solidarität, Achtsamkeit

„Das ist für uns alle eine Gratwanderung. Der Weg, auf dem wir uns befinden, ist zuvor noch nie gegangen worden. Trotzdem bleibt uns keine Alternative, als loszugehen. Wer jetzt leichtsinnig wird, stürzt ab“, so Oberbürgermeister Griesert. Osnabrück erwarte in den kommenden Wochen und Monaten Verwerfungen im Haushalt und im Sozialgefüge – Private und Firmeninsolvenzen seien nicht auszuschließen: „Momentan befinden wir uns in einem Spagat zwischen Infektionsschutz und existenzieller Not der Unternehmen“. Lockerungen, oft zugunsten der Wirtschaft, müssten in angepasster Kontrolle und Geschwindigkeit erfolgen: „Wir sehen zu, dass wir die Regelungen möglichst harmonisieren. Allerdings dürfen wir dabei nicht die Schwächeren zurücklassen.“ Respekt, Solidarität und Achtsamkeit seien das Gebot der nächsten Wochen und Monate.

Trügerische Sicherheit

Osnabrück befindet sich aktuell erst am Anfang der Corona-Krise. Die Wiederöffnung der Geschäfte könne eine „fragile, trügerische Sicherheit“ vermitteln: „Viele haben gedacht: Die Läden sind auf, das Virus ist weg. Dem müssen wir vorbeugen“. Osnabrücks Sozialdezernentin Katharina Pötter kündigt in diesem Zusammenhang eine ab Samstag in Kraft tretende „Maskenpflicht“ in vielen öffentlichen Bereichen an (HASEPOST berichtete): „Das Tragen eines Schals“ zur Bedeckung von Mund und Nase „wird als ausreichend angesehen“. Für Kitas und Schulen gelte die Maßnahme allerdings nicht: „Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, wie das Tragen einer Maske in den Kitas umgesetzt werden soll. Wir halten es für verantwortbar diesen Bereich von der Maskenpflicht auszusetzen“.

"Zusammenstehen durch Abstand halten" – Zwischenbilanz nach 50 Tagen Coronakrise

In Osnabrück wird ab Samstag eine „Maskenpflicht“ eingeführt.

Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems

Seit Eröffnung des Corona-Testzentrums am Limberg wurden etwa 4.425 Personen vor Ort getestet. Um die Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems zu gewährleisten, stehen Stadt und Landkreis Osnabrück im ständigen Austausch mit den Niels-Stensen-Kliniken, dem MHO, sowie dem Klinikum am Finkenhügel. „Dank der guten Zusammenarbeit gelang es, dass wir die ersten sind, die Beatmungsgeräte vom Land zur Verfügung gestellt bekommen“, so Pötter. In Osnabrück müssen aktuell sechs Corona-Patienten beatmet werden, acht Personen sind intensivpflichtig. 45 Tote in den vergangenen Wochen sind die traurige Bilanz der schweren Krankheitsverläufe.

Behelfskrankenhaus in Vorplanung

Um die Kapazitäten weiter auszubauen, ist ein Behelfskrankenhaus in Vorplanung: „Wir rechnen mit einem Anstieg, der auch rapide werden kann. Daher ist gründliche Vorplanung erforderlich.“ Räumlichkeiten und Betreiber seien bereits im Blick. „Wir erhoffen uns durch die Betreiberschaft des Klinikums fachkompetentes Personal. Zudem haben sich bereits 30 qualifizierte Freiwillige gemeldet“, fügt die Sozialdezernentin hinzu, „wir investieren eine Menge an Geld. Die Ausgabenverluste sind es uns allerdings wert.“ Der „R-Wert“, das heißt die Anzahl der Personen, die ein Infizierter durchschnittlich ansteckt, liegt in Stadt und Landkreis Osnabrück schätzungsweise unter dem gesamtdeutschen Durchschnitt. Diese wichtige Messzahl korrekt zu berechnen sei nicht trivial, erläuterte Pötter. In Zukunft wolle man den „R-Wert“ aber regelmäßig veröffentlichen.

Kooperation in der Krise – Föderalismus hat auch Vorteile

Stadt und Landkreis Osnabrück treffen einmal wöchentlich zusammen, um sich zur aktuellen Krise zu beraten. „In diesen Gesprächen zeigt sich, dass Föderalismus nicht nur ein Hemmnis ist, sondern auch eine ganz besondere Kraft entfalten kann. Eine gute Kooperation ist zur Bewältigung der Krise notwendig. Ich danke der Stadtverwaltung, dem Landkreis, der Landrätin Anna Kebschull und dem Leiter des Gesundheitsdienstes Dr. Gerhard Bojara„, erklärt Griesert. Einen besonderen Dank richtete er zusätzlich an die Ärzte der Kassenärztlichen Vereinigung (KVN), die Johanniter für den Aufbau des Testzentrums am Limberg und zahllose namenlose Helfer.

 

 

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