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Startseite AktuellWie überstehen Osnabrücks Obdachlose die Corona-Krise?
AktuellOsnabrück

Wie überstehen Osnabrücks Obdachlose die Corona-Krise?

von Lukas Brockfeld 1. April 2020
von Lukas Brockfeld 1. April 2020
Symbolbild: Obdachlos
20

Die Corona-Pandemie ist für keinen von uns einfach. Doch wie so oft werden die Schwächsten am härtesten von der Krise getroffen. Was bedeutet das Coronavirus für die Obdachlosen in Osnabrück? Unsere Redaktion hat darüber mit Heinz Hermann Flint, Fachdienstleiter der ambulanten Wohnungslosenhilfe des SKM Osnabrück, gesprochen.

Wohnungslosigkeit ist an und für sich schon eine Extremsituation. Durch die Corona-Krise hat sich die Lage der Obdachlosen aber noch weiter verschärft. Viele der für sie wichtigen Einnahmequellen sind mit dem weitestgehenden Stillstand des öffentlichen Lebens weggefallen. Betteln und Pfandflaschen sammeln bringt kaum noch etwas ein, auch der Verkauf von Straßenzeitungen wie „Abseits“ ist nicht mehr möglich. In vielen Städten wurden außerdem Hilfseinrichtungen geschlossen. „Die meisten Leute haben nicht auf dem Schirm, wie wichtig Pfandsammeln und Betteln für viele arme Menschen sind. Die gegenwärtige Krise offenbart diese Not, sie wird extremer und sichtbarer je länger der Shutdown anhält,“ sagt Heinz Hermann Flint. „In Osnabrück sind die meisten Hilfsangebote zur Zeit noch geöffnet, wir versuchen die Not mit dem Verteilen von Lebensmitteln, Kosmetika und Desinfektionsmitteln zu lindern. Trotzdem können wir die Krise nicht völlig kompensieren.“

Arbeit der Hilfseinrichtungen hat sich verändert

Die Corona-Pandemie hat die Arbeit der Hilfseinrichtungen verändert. Die Tageswohnungen, die Tafeln, das „Cafe Connnection“ und andere Angebote haben zwar noch geöffnet, sie müssen aber zum Teil genau prüfen, wer wirklich Bedarf hat und Unterstützung benötigt. Die Tafeln haben zusätzlich ihre Öffnungszeiten erweitert, um lange Schlangen und Menschenansammlungen zu vermeiden. Die Angestellten und Freiwilligen der Wohnungslosenhilfe achten zur Zeit penibel auf die Einhaltung der Abstands- und Hygienevorschriften, außerdem arbeiten sie in zwei getrennten Teams, die keinen Kontakt zueinander haben. Sollte sich jemand mit dem Coronavirus infizieren, müsste das gesamte Team in Quarantäne, das zweite Team bliebe durch die Trennung aber einsatzbereit. In vielen Städten entstehen zur Zeit sogenannte Spendenzäune, an denen Lebensmittel, Kleidung und andere Hilfsgüter angehängt werden. Heinz Hermann Flint sieht diese Idee allerdings kritisch: „Spendenzäune sind besser als nichts, aber vor allem bei Lebensmitteln problematisch. Außerdem wollen wir ja gerade vermeiden, dass sich größerer Menschenansammlungen bilden. Ich halte die Zäune daher nur für die zweitbeste Lösung, es gibt ja auch die Tafeln und die Wärmestuben, die sich bemühen gezielt Lebensmittel und Hilfsgüter zu verteilen.“

Obdachlose leiden sehr an der Situation

Für die Obdachlosen ist die gegenwärtige Situation sehr bedrohlich. Viele von ihnen leiden an Vorerkrankungen und sind in schlechter körperlicher Verfassung, daher trauen sie sich kaum noch aus ihren Unterkünften. Hygienemaßnahmen, wie regelmäßiges Händewaschen, sind für Menschen ohne Zuhause oft nicht möglich. Ohne Rückzugsort ist auch die geforderte „soziale Distanzierung“ schwierig. „Zur Zeit sieht man nicht viele fröhliche Gesichter in den Hilfseinrichtungen, das Coronavirus setzt diesen Menschen sehr zu,“ sagt Heinz Hermann Flint. „Vor kurzen hatten wir einen Mann mit Gehbehinderung, der sieben Stunden für den Weg zum Arzt brauchte, da sein Bus nicht fuhr und er kein Geld für ein Taxi hatte. Inzwischen versuchen wir solche Fahrten zu übernehmen. Die Einschränkungen in der Mobilität sind ein Problem, da Bedürftige nur noch schlecht zu Hilfsangeboten gelangen. Obwohl die meisten Wohnungslosen eine Krankenversicherung haben, ist der Zugang zu Ärzten schwierig für sie. Wir versuchen sie so gut es geht zu vermitteln und sie in Gesundheitsfragen, vor allem in Bezug auf das Virus, zu beraten. Sollte ein Obdachloser aufgrund einer Corona-Infektion in Quarantäne müssen, bekäme er ein Einzelzimmer in einer unserer Unterkünfte. Bisher ist ein solcher Fall noch nicht eingetreten, ich gehe aber davon aus, dass das gut funktionieren würde.“

Nothilfefond für Wohnungslose

Um die Obdachlosen optimal unterstützen zu können, hat die „Osnabrücker Wohnungslosenhilfe der Soziale Dienste SKM gGmbH“ einen Nothilfefonds für wohnungslose Menschen aufgelegt und bittet Osnabrücker Bürgerinnen und Bürger um finanzielle Unterstützung. Der komplette Erlös kommt den wohnungslosen Menschen direkt zugute. „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Wohnungslosenhilfe kennen die Menschen auf der Straße und werden die Gelder sehr bedarfsgerecht einsetzen“, betont Michael Strob, Geschäftsführer der Soziale Dienste SKM gGmbH. „Das kann vom Einkaufen von Lebensmitteln bis hin zur Vergabe von Telefonguthaben reichen. Es soll genau da geholfen werden, wo der Schuh gerade drückt!“ Von einer direkten Abgabe von Lebensmittel- und Sachspenden bittet Michael Strob aktuell abzusehen. Das würde zurzeit zusätzlich zu Kontakten und Risiken führen, die ja gerade vermieden werden sollen. Spenden können auf das folgende Konto überwiesen werden:

SKM Osnabrück e.V.
Darlehnskasse Münster
IBAN: DE87 4006 0265 0020 0299 01
BIC: GENODEM1DKM
Stichwort: Nothilfefonds für wohnungslose Menschen

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Lukas Brockfeld

Lukas Brockfeld ist seit dem Sommer 2019, erst als Praktikant und inzwischen als fester Mitarbeiter, für die Redaktion der HASEPOST unterwegs.

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