Der Weltfrauentag am 8. März steht für Rechte, Teilhabe und Selbstbestimmung von Frauen weltweit. Für Solwodi ist er zugleich Anlass, auf die konkrete Lebensrealität derjenigen Frauen aufmerksam zu machen, die von Gewalt, Ausbeutung und massiver Diskriminierung betroffen sind. Die aktuellen Zahlen aus dem Jahr 2025 zeigen deutlich: Der Unterstützungsbedarf wächst.
Deutlicher Anstieg bei Erstkontakten
Im Jahr 2025 haben sich 2.969 Frauen aus 116 Ländern erstmals an SOLWODI gewandt. Das sind 380 Frauen mehr als im Vorjahr und entspricht einem Anstieg von rund 14,6 Prozent. Hinter dieser Zahl stehen individuelle Lebensgeschichten, die häufig von massiver Gewalt, prekären Lebensbedingungen und existenzieller Not geprägt sind.
Geschlechtsspezifische Gewalt als bittere Realität
„Viele unserer Klientinnen haben nur einen einzigen ‚Fehler‘ – sie sind als Frauen geboren. In vielen Ländern reicht das, um Gewalt, Beschneidung, Zwangsverheiratung oder Ausbeutung zu erfahren“, sagt Joanna Ostrowicki, Mitarbeiterin von SOLWODI. 331 Frauen wurden im vergangenen Jahr im Kontext von Menschenhandel beraten oder es bestand ein entsprechender Verdacht. 84 Frauen und Mädchen waren von Morddrohungen im Namen der sogenannten „Ehre“ betroffen. In 218 Fällen war eine Zwangsverheiratung angedroht oder bereits vollzogen worden. Diese Zahlen verdeutlichen, dass geschlechtsspezifische Gewalt in unterschiedlichen Ausprägungen weiterhin bittere Realität ist und insbesondere Frauen mit Migrations- und Fluchterfahrung in besonderer Weise trifft.
Komplexes Thema, das viel verlangt
Viele Betroffene haben bereits in ihren Herkunftsländern Diskriminierung, Armut oder Gewalt erlebt. Ein unsichere Aufenthaltsstatus, fehlende soziale Netzwerke und sprachliche Hürden verschärfen ihre Situation in Deutschland zusätzlich. Täter nutzen gezielt Abhängigkeiten, wirtschaftliche Notlagen und familiären Druck aus. Besonders komplex ist die Situation bei sogenannter Ehrgewalt und Zwangsverheiratung, da sich die betroffenen Frauen häufig gegen ihr engstes soziales Umfeld stellen müssen. Der Schritt in ein selbstbestimmtes Leben bedeutet für viele den Bruch mit der Familie und erfordert intensive psychosoziale Begleitung sowie langfristige Unterstützung.
Sichere Schutzräume notwendig
„Oft sehen wir nur die Oberfläche: eine junge Frau, eine Migrantin, die ‚nicht integriert wirkt‘. Wir sehen nicht, welchen Weg sie hinter sich hat. Unsere Arbeit beginnt damit, ihre Geschichte ernst zu nehmen“, betont Joanna Ostrowicki. Viele der Frauen, die sich an SOLWODI wenden, leiden infolge der Gewalterfahrungen unter schweren psychischen Belastungen bis hin zu Traumafolgestörungen. Gleichzeitig bleibt die Unterbringung in sicheren Schutzräumen eine große Herausforderung, da Schutzplätze weiterhin nicht in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen.
Gleichberechtigung verlangt konsequenten Schutz
Der Weltfrauentag 2026 erinnert daran, dass Gleichberechtigung mehr bedeutet als symbolische Gesten. Sie verlangt konsequenten Schutz vor Gewalt, verlässliche Unterstützungsstrukturen und eine klare gesellschaftliche Haltung gegenüber Ausbeutung, Menschenhandel und Frauenrechten. SOLWODI wird sich auch weiterhin mit Nachdruck für Frauen mit Migrations- und Fluchtkontext einsetzen und ihnen auf dem Weg in ein selbstbestimmtes und gewaltfreies Leben zur Seite stehen.
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