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Startseite AktuellWeiter Tempo 70 auf dem Kurt-Schumacher-Damm: Warum einfach, wenn’s auch kompliziert geht?
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Weiter Tempo 70 auf dem Kurt-Schumacher-Damm: Warum einfach, wenn’s auch kompliziert geht?

von Heiko Pohlmann 18. Juli 2025
von Heiko Pohlmann 18. Juli 2025
Tempo 70 auf dem Kurt-Schumacher-Damm / Foto: Pohlmann
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Ein kurzer Straßenabschnitt, eine klare Entscheidung von Politik und Verwaltung – und trotzdem: nichts passiert. Zwischen der Oberen Martinistraße und dem Kaufland am Kurt-Schumacher-Damm darf innerhalb der geschlossenen Ortschaft nach wie vor 70 km/h gefahren werden – wenn es denn der Verkehr erlaubt.

Ein Leitdartikel von Heiko Pohlmann

Das ist erstaunlich in der sonst so autofeindlichen Stadt Osnabrück. Bereits im Januar hatte die Stadtverwaltung im Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt angekündigt, diese wirklich nur schwer nachvollziehende und wohl noch aus den 60er Jahren datierende Ausnahme bald zu beenden. Sechs Monate später: keine Änderung, keine Schilder abgeschraubt, keine neue Regelung. Warum tut sich da nichts? Es geht darum Autos zu bremsen. Was ist los in der Stadtverwaltung?

Für Tempo 50 bräuchte es keine Schilder

Innerorts gilt grundsätzlich Tempo 50, in Ausnahmefällen – etwa auf Stadtautobahnen – auch mal Tempo 70. Der Trend in Osnabrück geht allerdings längst in die andere Richtung: Tempo 30 und sogar das Wegstreichen von Fahrspuren, zukünftig selbst auf wichtigen Verkehrsachsen wie der Iburger Straße.
Doch ausgerechnet die unter dem grünen Zeitgeist leidende Stadt Osnabrück leistet sich mitten im Stadtgebiet eine kleine Hochgeschwindigkeits-Oase: das nur wenige hundert Meter lange 70er-Teilstück auf dem Kurt-Schumacher-Damm zwischen Wüste und Weststadt.
Und mal ganz ehrlich: Wenn hier Tempo 50 gilt, dürfte das auch den eingefleischtesten „Petrolhead“ nicht wirklich stören. Die Hälfte des Tages geht dort wegen des Verkehrs ohnehin nicht viel mehr als Tempo 30. Und was soll das mit Tempo 70 auf der kurzen Strecke? Also: Ab mit den unnützen Schildern!

Zwei Schilder, 30 Minuten – könnte man meinen

Nun denkt man sicher, das ist doch rasch erledigt – zwei Mitarbeiter, zwei Schilder je Fahrtrichtung, ein Schraubenschlüssel, 30 Minuten: Tempo 70-Schilder weg! Wenn es denn sein muss auch noch ein paar Tempo 50-Schilder aufhängen. So sollte es gehen, doch so denken steuerfinanzierte Beamte und ideologieverbrämte Kommunalpolitiker nicht.

Die Stadtverwaltung hatte im Januar bereits eine zusätzliche Komplexität geplant, war aber hinsichtlich des Zeitplans noch optimistisch: Man wolle lieber erst die Frostperiode abwarten, dann auch gleich noch neue Fahrbahnmarkierungen aufbringen um den bislang oft nur für das Abstellen von Werbeanhängern verwendeten Seitenstreifen in einen schicken Radweg zu verwandeln. Klingt jetzt auch nicht sonderlich ambitioniert, sollte spätestens im April passieren. Ein paar Fahrbahnmarkierungen zusätzlich, sollte machbar sein. Neuer Fahrradweg und mehr Sicherheit bei nur geringem Mehraufwand: kauf`ich!

Doch dann geschah – nichts. Nachfragen bei der Verwaltung ergaben: Jetzt steht auch noch eine zusätzliche Neuprogrammierung der Ampeln im Raum. Und die Baustelle am Blumenhaller Weg, die bereits im Februar bekannt war, habe man offenbar nicht „auf dem Schirm“ gehabt. Wohlgemerkt in der Verwaltungsabteilung, die für die Baustellen verantwortlich ist!

Verwaltung prüft nun auch noch neue Ampelprogrammierung

Pressesprecher Constantin Binder erläutert auf Anfrage der HASEPOST: „Grundsätzlich ist die Herabsetzung auf Tempo 50 am Kurt-Schumacher-Damm weiterhin vorgesehen und wird derzeit verwaltungsintern vorbereitet; hierzu gehörte beispielsweise die Prüfung der Anpassung der Lichtsignalanlagensteuerung. Allerdings ist die potenzielle Umleitungsstrecke Blumenhaller Weg baustellenbedingt aktuell noch gesperrt, sodass eine Umsetzung bislang nicht möglich war.“

Schneller wird’s offenbar nicht – aber mit Sicherheit teurer

Bleibt die Frage: Schafft es die Stadtverwaltung noch vor der nächsten Frostperiode? Oder lässt man sich bis zum nächsten Frühjahr Zeit, um dann zu merken, dass die Schilder immer noch montiert sind (siehe oben: Zwei Mitarbeiter, etwas Werkzeug und 30 Minuten Arbeitsaufwand), der Randstreifen immer noch kein Radweg ist – und ein externes Unternehmen für die Ampelprogrammierung erst noch beauftragt werden muss – kostenpflichtig natürlich.

In Osnabrück gilt halt: Warum einfach, wenn es auch kompliziert – und gerne auch ein bisschen teurer – geht? Vielleicht könnte man bei der Gelegenheit auch noch ein paar Bäume fällen und etwas Grün versiegeln – fürs Klima?

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Heiko Pohlmann

Heiko Pohlmann gründete die HASEPOST 2014, basierend auf dem unter dem Titel "I-love-OS" seit 2011 erschienenen Tumbler-Blog. Die Ursprungsidee reicht auf das bereits 1996 gestartete Projekt "Loewenpudel.de" zurück. Direkte Durchwahl per Telefon: 0541/385984-11

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