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Startseite AktuellWarum wirbt die Stadt Osnabrück für einen „Sexmob zum Mitmachen“?
AktuellArchivOsnabrück

Warum wirbt die Stadt Osnabrück für einen „Sexmob zum Mitmachen“?

von Heiko Pohlmann 2. März 2016
von Heiko Pohlmann 2. März 2016
Warum wirbt die Stadt Osnabrück für einen „Sexmob zum Mitmachen“?
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Giesela Brandes-Steggewentz (Die Linke) stellte in der Aktuellen Stunde zum Thema „Flüchtlinge“ die Frage, wie es denn sein könne, dass in einer von der Stadt Osnabrück verteilten Broschüre (Herausgeber: „Der Oberbürgermeister“) zu einem Sexmob aufgerufen werde?
Tatsächlich findet sich in dem Programmheft zur Internationalen Woche gegen Rassismus (10. bis 23. März) ein entsprechender Aufruf, in dem „eine Aktion der besonderen und ironischen Art: Unser Sexmob zum Mitmachen“ angekündigt wird. Kaffee und Kuchen soll es bei der organisierten sexuellen Belästigung auch geben.

Was ist eigentlich ein „Sexmob“?

Bemüht man Google, ist man sehr schnell bei den Vorfällen rund um die vergangene Silvesternacht, bei denen in zahlreichen deutschen Großstädten unbeteiligte Frauen von vorwiegend aus Nordafrika stammenden Migranten ausgeraubt und sexuell belästigt wurden. In Osnabrück kam es, anders als im nahen Bielefeld, zum Glück nicht zu ähnlichen Vorfällen. Auch eine Pegida-Bewegung gibt es an der Hase nicht. Das hindert jedoch den ehemaligen Karmann-Gewerkschaftler Harald Klausing nicht daran in Osnabrück gegen Pegida zu demonstrieren (vorsorglich). Und mangels tatsächlicher sexueller Übergriffe gegen Frauen in der Silvesternacht an der Hase, organisiert er nun selbst einen Sexmob – wenn auch als „ironisches“ Happening. Im Stadtrat sorgte dies gestern Abend für einen kleinen Eklat.

Stadträtin findet Aktion „überhaupt nicht lustig“

Im Gespräch mit unserer Redaktion findet die Stadträtin der Linken, die wie der Organisator des Sexmobs, Harald Klausing, aus der Gewerkschaftsbewegung stammt, diese Art der Auseinandersetzung mit einem ernsten Thema überhaupt nicht lustig.

„Viele Frauen“, so Brandes-Steggewentz, „brauchen sehr lange, um mit erlebter sexueller Gewalt nach Außen zu gehen und überhaupt eine Anzeige bei der Polizei zu stellen“.  Das sei auch der Grund, so die Lokalpolitikerin, dass viele Taten in diesem Bereich im Dunkeln blieben. Wenn nun – auch wenn es gut gemeint sei – mit sexueller Gewalt Späße getrieben würden, kommen bei ihr „unschöne Gedanken“ hoch. Sie sieht die Gefahr, dass Opfer, die sich ohnehin oft alleine gelassen fühlen, nun nochmals ihre Traumatisierung durchleben müssten, weil das Thema vollkommen unsensibel behandelt wird.

Sexmob Osnabrück

Presseamt der Stadt… schweigt

Obwohl wir auch beim Presseamt der Stadt Osnabrück nachfragten und unsere Fragen sogar schriftlich einreichten, gab es von dieser Seite bis zum Nachmittag keine Reaktion auf die Sexmob-Ankündigung im städtischen Programmheft.

Auf unsere Nachfrage meldete sich jedoch Mit-Organisator Harald Klausing mit einer schriftlichen Stellungnahme, die wir hier ungekürzt weitergeben: 

1. Die in Aussicht genommenen Aktion des FAB während der Internationalen Wochen gegen Rassismus steht unter der Überschrift: „Für ein buntes und weltoffenes Osnabrück“. Ab ca. 13.00 Uhr startet dann eine Aktion unter dem Arbeitstitel: „Eine Aktion der besonderen und ironischen Art: „Unser Sexmob“ – zum Mitmachen (Broschüre).

2. Gestern hat das FAB in seiner wöchentlichen Sitzung diese Idee folgendermaßen konkretisiert : Sie steht in einer gewissen Analogie zu einem Weltklassiker von Bertolt Brecht nach 1945: „Der anachronistische Zug“. In diesem vielfach dramatisierten Gedicht setzt sich Bertolt Brecht unmittelbar nach dem Ende des „dritten Reiches“ auch mit denjenigen EX-Nazis auseinander, die sich einen Persilschein verpassen ließen und sich der zweiten deutschen Demokratie andienten – in sehr unterschiedlichen Facetten.

3. Die Umsetzung dieser Idee soll nach heutigem Stand – Umsetzungsfähigkeit nächste Woche – folgende Elemente aufweisen: Etwa zehn als Biedermänner – die in Wirklichkeit Brandstifter sind – leicht verkleidete Darsteller tragen Schilder mit z.B. folgenden Aufschriften: „Ich bin Mitglied der NPD und schütze DEUTSCHE Frauen vor dem Sexmob von Flüchtlingen“  –  „Ich bin Mitglied einer Osnabrücker Bürgerwehr und schenke Ihnen zu Ihrem Schutz als DEUTSCHE FRAU Pfefferspray“ – „Ich bin PEGIDA. Merkel und die deutsche Polizei versagen. Für einen anderen Staat.“ Auch sexualisierte Gewalt z.B. auf dem Oktoberfest und im Karneval, im Zusammenhang mit Sextourismus und anderweitig  soll auf die gleiche Grundlage gestellt werden wie die offensichtlich in Köln von Flüchtlingen begangenen Sexualdelikte – so wie… 

4. Wie eine Rednerin von Solwodi, einer auch in Osnabrück tätigen Frauenschutzorganisation, es auf der Kundgebung gegen Rechts am 25.02. auf dem Nikolaiort ausdrückte: „Was da (in Köln) passierte, das tun Männer – Franzosen und Briten, Polen und Österreicher, das tun syrische, irakische, kosovarische – und das tun deutsche Männer. Was da passierte, ist kein Flüchtlingsproblem!“ Die NOZ berichtete bereits.

5. Während der Aktion werden an die Zuschauer in einem Flyer Informationen über rechte Ideologie und Sexismus weiter gegeben – auch um die teilweise künstlerische Verfremdung in der Aktion, die aber schon für sich das Thema verdeutlicht , wieder so „zurück zu brechen“. So sollen Realität und künstlerische Darstellung zu einer deutlichen Aussage zum Thema rechter Angriffe auf den demokratischen Staat und den Hintergründen des Phänomens männlicher Gewalt weltweit  formuliert werden.

Internationale Woche gegen Rassismus Osnabrück

 

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Heiko Pohlmann

Heiko Pohlmann gründete die HASEPOST 2014, basierend auf dem unter dem Titel "I-love-OS" seit 2011 erschienenen Tumbler-Blog. Die Ursprungsidee reicht auf das bereits 1996 gestartete Projekt "Loewenpudel.de" zurück. Direkte Durchwahl per Telefon: 0541/385984-11

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